Gastkommentar 09.04.2019, 13:52 Uhr

Warum Händler von Instagrams Shoppable Posts profitieren

Dank Instagrams neuer Shoppable Posts ist Social Commerce in aller Munde. Wie Händler und Brands davon profitieren können, erklärt Marcel Hollerbach, CMO von Productsup.
Marcel Hollerbach, CMO von Productsup
(Quelle: Productsup)
Von Marcel Hollerbach, CMO von Productsup
An dieser Nachricht kommt derzeit niemand aus der Branche vorbei: Instagrams Shoppable Posts sind da! Bisher zwar nur in den USA und erstmal nur mit exklusiven Kooperationspartnern wie Adidas, Zara und H&M, doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass das neue Shopping Feature einen wichtigen Einfluss auf den E-Commerce haben wird.
Dass User auf Instagram shoppen können, ist nichts Neues. Bereits Anfang 2018 launchte das Tochterunternehmen von Facebook die Shopping-Funktion auch hierzulande. Seitdem können Händler und Brands ihre Produktanzeigen im Feed, in der Story oder per Swipe-up platzieren, um die User - vor allem die auf Instagram größte Zielgruppe der 18- bis 24-Jährigen - auf sich aufmerksam zu machen. Bisher funktioniert dies noch über eine Umleitung in den externen Shop. Dank der neuen Shoppable Posts kann nun jedoch der gesamte Bestellungs- und Zahlungsprozess direkt in der App abgewickelt werden. Klingt nach einem kleinen Schritt - doch tatsächlich wird das gravierende Auswirkungen haben - und zwar auf alle Bereiche des Marktes.

Wieso sind Instagrams Shoppable Posts sinnvoll?

Das neue Shopping Feature trifft direkt ins tägliche Nutzungsverhalten der Konsumenten. Mit diesem "direct-to-consumer"-Ansatz reagiert Facebook vor allem auf die Bedürfnisse der eifrig umworbenen Generationen Y und Z, für die personalisierter Content längst selbstverständlich ist.
"Instagram ist für die Millenials das, was früher QVC war", kommentierte Dan Seifert, seines Zeichens Redaktionsleiter bei The Verge. Dafür spricht: 72 Prozent aller Instagram User greifen zu, nachdem sie ein entsprechendes Produkt auf der Plattform gesehen haben. Jede Wette: Nach Instagram Shopping wird ein entsprechendes Pendant auch auf Facebook nicht mehr lange auf sich warten lassen. Technisch dürfte das nicht überambitioniert sein - beide sind schließlich auf der gleichen technischen Plattform aufgesetzt.

Wer profitiert von dem neuen Feature am meisten?

Bei dem neuen Shopping Feature gibt es drei klare Gewinner: Erstens Brands, zweitens Influencer und drittens Instagram beziehungsweise den Facebook-Konzern selbst. Da die User für ihre Bestellung nicht mehr in einen externen Shop umgeleitet werden müssen, können diese noch länger in der App gehalten werden, was die Nutzungsdauer insgesamt in die Höhe schießen lässt. Des Weiteren streicht Instagram für jeden Kauf eine Provision von den Unternehmen ein und erschließt sich dadurch einen weiteren lukrativen Geschäftszweig.
Das große Plus für Brands: Dank des unmittelbaren Kundenkontakts können sie die bisherigen Intermediäre - also die Zwischenhändler - geschickt umgehen. So erhält der Werbungtreibende bei jeder Bestellung direkt die Kontaktdaten des Käufers. Fürs CRM also ein echtes Asset - vor allem, wenn der Kunde durch Opt-in zustimmt, dass seine Daten für Marketingzwecke weiterverwendet werden dürfen.
Meiner Einschätzung zufolge werden vor allem die Bereiche Fashion, Beauty und Living von den Shoppable Posts profitieren. Aber auch für Food- und Travel-Unternehmen bietet das neue Feature großes Potenzial, da sich ihre Produkte ebenfalls visuell ansprechend inszenieren lassen und sie die User direkt im Alltag bei ihren Sehnsüchten - wie beispielsweise die nach einem gesünderen Lebensstil oder einem spontanen Kurzurlaub - packen können. Hinzu kommt: Vor allem für kleinere Brands, die keinen eigenen Shop betreiben, eröffnet sich so ein neuer Absatzkanal.
Und: Auch das Influencer Marketing bekommt durch Instagram Shopping einen neuen Schub, denn die Influencer stellen aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe zum Kunden eine wichtige Schnittstelle dar. Meine Prognose: Es geht im Influencer Marketing in Zukunft nicht mehr um Empfehlungsmarketing auf gut Glück. KPIs wie Reichweite und Engagement verlieren an Bedeutung - der konkrete Sales-Beitrag zählt.

Wer gerät durch Instagram Shopping unter Druck?

Vor allem Amazon und Google dürften die Neuerung auf Instagram als Kampfansage empfinden. Die Geschäftsmodelle der drei Internet-Riesen gleichen sich immer weiter an und durch die neuen Shoppable Posts sind Werbungtreibende in Zukunft weniger von den großen Produktsuchmaschinen abhängig.
Doch auch für Händler und Brands kann diese Entwicklung gefährlich werden. Wer nicht durch ein eindeutiges Portfolio überzeugen kann, wird im Wandel des Marktes schnell an seine Grenzen kommen.



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