Gastbeitrag 10.04.2012, 09:16 Uhr

Der "Like-Hype" ist vorbei

Dramatische Entwicklung bei Facebook: Seit vier Wochen brechen weltweit die Fan-Zuwächse um 50 bis 90 Prozent ein. Nun setzt die Ursachenforschung ein: Ist allein die neue Timeline schuld? Sind es die neuerdings fehlenden Fangates? Nicht allein, meint Oliver Bargfeld, Partner der Düsseldorfer Agentur Active Value. Auch die Betreiber der Fanpages sind gefordert.
Oliver Bargfeld, Partner der Düsseldorfer Agentur Active Value, glaubt nicht, dass allein die Facebook-Timeline am weltweiten Einbruch des Fan-Zuwachses schuld ist.
Der Zuwachs an Facebook-Fans von Marken und Produkten ist weltweit eingebrochen, wie die Bildergalerie am Seitenende eindrucksvoll zeigt: Konnten Mercedes Benz und BMW Anfang März noch 70 - 80.000 Fans täglich gewinnen, waren es vier Wochen später nur noch etwa 6.000 pro Tag. Bei Fußballern sah es nicht viel besser aus: Wenn sich Ronaldo und Messi  Anfang März noch täglich über 50.000 neue Fans freuen konnten, waren es Anfang April bei Cristiano Ronaldo gerade noch 16.000, Leo Messi musste sich gar mit nur noch 8.000 zufrieden geben. Das selbe Bild bei Handels- und Foodketten: Am 6. März gewannen H&M und Starbucks noch ca. 27.000 neue Fans am Tag. Am 2. April waren es für beide nur noch knapp 7.000. Innerhalb von vier Wochen ist der tägliche Fanzuwachs weltweit um 50 bis 90 Prozent eingebrochen. Dies ist aber nicht nur ein Phänomen der globalen Top-Pages: Lufthansa fällt innerhalb von vier Wochen von 700 auf 360, Vodafone Deutschland von 1.000 auf 57 und Deichmann von 800 auf 92 neue Fans pro Tag.
Ist daran nur die neue Chronik Schuld oder sind wir auch an einer Marktsättigung angelangt? Wir sind der Überzeugung, dass es eine Kombination beider Faktoren ist. Die neue Facebook Chronik konvertiert die Besucher ihrer Fanpage durch die fehlenden Willkommensseite nicht mehr konvertieren. Bislang gab es das sogenannte "Fangate", das neue Fans begrüßt und aufforderte, "gefällt mir" zu klicken. Viele Fans haben den Unternehmen gerne diesen Gefallen getan. Doch das "Fangates" gibt es nicht mehr, jeder potentielle Fan landet sofort in der Timeline (Chronik).
Umwandlung und Aktivierung von Interessierten? Offensichtlich sehr schlecht. Neben diesem Dilemma für die Fanpage-Besitzer sinkt auch die Bereitschaft der User, jede Fanseite zu liken. Durch die vielen Posts der Fanpages, die meist als Spam erlebt werden, leidet die eigene private Timline massiv. So geht der Fokus auf das private Umfeld immer mehr verloren. Die These ist, dass es sukzessive zu einer Rückbesinnung auf das private Umfeld kommt. In der Folge werden nur noch Fanpages sehr viel selektiver geliked.
Gibt es bei der aktuellen Entwicklung auch Gewinner? Nun, Facebook hat einen Nutzen, denn es muss wieder mehr in Ads investiert werden, um den Fanzuwachs wieder aktiv anzukurbeln. Und auch die Fanpages müssen sich wieder intensiver um ihre Kunden bemühen, um sie zum entscheidenden Klick zu verleiten - und dies ist doch zumindest im Sinne des Kunden!
Oliver Bargfeld ist Partner der Düsseldorfer Agentur Active Value



Das könnte Sie auch interessieren