Entschädigung wegen Metrik-Panne 08.10.2019, 09:58 Uhr

Facebook zahlt an Werbekunden 40 Millionen US-Dollar

Facebook hat zugestimmt, Werbekunden 40 Millionen US-Dollar Entschädigung zu zahlen. Advertiser hatten zwischen 2015 und 2016 aufgrund fehlerhafter Metriken und Statistiken mehr Budget für Marketingmaßnahmen auf der Plattform ausgegeben als üblich.
(Quelle: shutterstock.com/Frederic Legrand - COMEO)
Ende 2016 wurde bekannt, dass sich Facebook über die vergangenen zwei Jahre bei der Sehdauer der Videos verschätzt hatte. Die durchschnittliche Nutzungszeit wurde um 60 bis 80 Prozent zu hoch ausgewiesen. Werbekunden waren verärgert. Jetzt hat das Soziale Netzwerk einer Entschädigung zugestimmt, berichtet adage.com. Advertiser sollen 40 Millionen US-Dollar erhalten.
Der Grund für die Panne damals: Facebook hatte nur Videos in der Statistik berücksichtigt, die mindestens drei Sekunden lang liefen. Das sollte vermutlich dafür sorgen, dass Clips, die im Feed automatisch starten, vom User aber nur durchgescrollt werden, nicht in die Analyse einfließen.
Werbekunden zufolge führte das aber zu fehlerhaften, "aufgeblähten" Statistiken und Metriken. Die Clips der Werbekunden schienen plötzlich beliebter als sonst zu sein, was die Advertiser dazu veranlasste, auch mehr Geld als üblich in Marketingmaßnahmen auf Facebook zu stecken.

1,35 Millionen Werbetreibende

Die Bedingungen des Vergleichs zwischen Facebook und den Werbekunden wurden beim United States District Court in Kalifornien eingereicht. Die 40 Millionen US-Dollar will Facebook für den entstandenen Schaden im Zeitraum von 18 Monaten in den Jahren 2015 und 2016 bereitstellen. In der Sammelklage ist von 1,35 Millionen betroffenen Werbetreibenden die Rede. Im Laufe der Facebook-Klage tauchten auch Behauptungen auf, wonach das Soziale Netzwerk von den schlechten Zahlen viel früher gewusst hätte.
Facebook selbst hält die Klage für unbegründet, will aber zahlen, weil es "im besten Interesse des Unternehmens und der Werbetreibenden" sei, so eine Sprecherin gegenüber adage.com. Der Plattform nach betraf der Fehler nur Videos, die Marketers organisch auf ihren Seiten posteten. Bezahlten Anzeigen wären nicht berührt gewesen.

Die Folgen

Facebook behob damals den Fehler und führte neue Kennzahlen wie die Berechnungsmethode "Average Watch Time" ein. Die "falsche" Kategorie wurde in "3-Sekunden-­Videoaufrufe" umbenannt.
Die Metrik-Panne führte aber auch dazu, dass Advertiser in der Folge mehr Transparenz und Sicherheit auf allen digitalen Werbeplattformen forderten. Verlangt wurden mehr Verantwortungsbewusstsein und eine stärkere Kontrolle. Die Plattformen erkannten die Notwendigkeit, mit den Messdienstleistungen Dritter zusammenzuarbeiten: Facebook, YouTube und Twitter setzen seither auf das Media Rating Council, um ihre Kennzahlen zu überprüfen.



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