Gastkommentar 02.05.2018, 16:06 Uhr

F8: Die große Mark-Zuckerberg-Show

Zuckerberg meint es ernst mit Datenschutz und Privacy. Das hat man auf der F8 gemerkt, meint unser Gastkommentator Torsten Oppermann. Man spürte Veränderung, alle Key-People sprachen davon, so der MSM.digital-Gründer.
Torsten Oppermann, Gründer und Geschäftsführer, MSM.digital
(Quelle: MSM.digital)
Von Torsten Oppermann, Gründer und Geschäftsführer bei MSM.digital
Am 1. Mai zog es über 4.000 Entwickler, Partner und Agenturen auf Einladung von Facebook zur F8 nach San Jose ins McEnery Convention Center. Dieses Mal war die Ausgangssituation jedoch anders als sonst. Viele fragten sich, was Zuckerberg wohl verkünden wird bei all der Überschattung durch die Cambridge-Analytica-Geschichte? Sind da andere Dinge überhaupt noch wichtig?
 
Um 10 Uhr ging sie dann los, die Zuckerberg-Show. Er trat auf die Bühne, wurde umjubelt. Partner, Mitarbeiter, Presse und Fans klatschten gleichermaßen. Er war entspannt, humorvoll und nahm seine Vorladung vor die Senatoren auf die Schippe. Nicht übermütig. Respektvoll, aber trotzdem mit Humor.

"Man spürte Veränderung"

Facebook meint es ernst mit Datenschutz und Privacy. Sämtliche Plattformen werden und wurden hinsichtlich der Einstellungsmöglichkeiten überarbeitet. Neue Features basierend auf AI und globalen Support-Teams sollen Fake News verhindern. Die Mischung aus Technik, Screening sowie großer Awareness für die Wirkung, die manipulative Angriffe auf Wahlen und öffentliche Meinung haben, soll dafür sorgen, dass Fake-Accounts, Fake-Medien und Fake-News schneller auffliegen. Die Einstellungen zur Privatsphäre werden vereinfacht, die Daten, die geteilt werden, streng limitiert. Und es wird einen "Alles-vergessen"-Button geben - die sogenannte Clear-History-Funktion.
 
Zuckerberg meint es ernst. Das hat man gemerkt. Der Konzern hat gelernt. Im Herzen ist es ein Start-up. Nie fertig, immer in Entwicklung. "That’s why we build". Das passende Motto. Bei einem Prozent Fertigstellung seien sie erst auf ihrer Mission der "Connecting People". Über alle Plattformen Facebooks.
Mark Zuckerberg auf der diesjährigen F8.
(Quelle: Facebook)
Nun wird es natürlich wieder weitere kritische Stimmen geben, denen das alles nicht genug ist. Ich persönlich bin positiv gestimmt. Man spürte Veränderung, alle Key-People sprachen davon. Vom "Change". Von der Notwendigkeit, Privatsphäre und Daten zu schützen, Fake-News und Spammer zu erkennen und zu verbannen. Aber auch war der Drang nach vorne zu spüren, nach Innovation, nach Fortentwicklung sämtlicher Plattformen und Services. Und das ist gut so. Keine Lähmung durch Konzentration auf die Fehler. Die werden nun ausgemerzt. So gut es eben geht in einem Konzern, der kostenlose Services anbietet und werbefinanziert ist. Das sollte aber mittlerweile jeder wissen.

Diese drei Features sollten Werbungtreibende kennen

An Features und Themen, die Facebook auf der F8 ankündigte, sind das meine drei Favoriten:  
1. Facebook als Tinder-Killer?
Die wohl disruptivste Ankündigung war, dass Facebook ein Dating-Feature launchen wird. Da darf sich Tinder warm anziehen. Als Investor würde ich jetzt kalte Füße bekommen. Facebook wird ja im Prinzip schon lang als Dating-Plattform gebraucht. Nur nicht strukturiert und geschützt. Spannend fand ich die Ankündigung, dass den Dating-Status die eigenen Facebook-Freunde gerade nicht sehen können. Vielmehr, dass man wie im wahren Leben, wenn man auf Events und Veranstaltungen geht, sehen kann, wer dort hingeht und welche Interessen der- oder diejenige hat. Gechattet werden kann dann nur per Text. Aus Sicherheitsgründen. Keine Fotos, keine Videos. Geht ja nicht um Sexting, sondern um Dating. Das hat enormes Potenzial, schließlich ist Facebook das größte soziale Netzwerk der Welt. Spannend wird, wie Dating-Apps damit umgehen. Tinder setzt ja im Wesentlichen auf Facebook und Instagram als "Lieferant" für Bilder und Content.
 
2. Revolution im Werbemarkt durch AR?
Ein weiterer klarer Fokus war im Bereich AR zu sehen. Nun werden alle Kameraplattformen - Facebook, Instagram und Messenger - voll AR-fähig. Und demnächst soll die Facebook-Kamera auch normale Fotos in 3D-Bilder per AI "umbauen" können. Computer Vision macht es möglich. Das ist vor allem für Werbungtreibende spannend. Wenn man, wie schon heute möglich, 3D-gerenderte und animierte Objekte in Facebook postet, können diese in Echtzeit über AR in die Umgebung des Users projiziert werden. Zum Beispiel die neue Vase. Der Nutzer kann sie gleich auf die Fensterbank im Wohnzimmer stellen. Wenn es gefällt, lässt sie sich mit nur einem Klick aus dem Facebook-Messenger heraus bestellen. Dadurch wird das heimische Wohnzimmer zum ganz eigenen Showroom. Asus, Nike und Sephora arbeiten hier schon jetzt eng mit Facebook zusammen, um Werbung spannender, ja, greifbarer zu machen.
 
3. Virtual Reality für den Massenmarkt
Während der Keynote kündigte Zuckerberg an, dass Oculus Go, das neue Stand-Alone VR-Headset für den Massenmarkt, für 199 US-Dollar ab dem 1. Mai überall erhältlich sei. Hugo Barra, Vice President Virtual Reality bei Facebook, stellte dann das neue Gerät ausführlich vor. Leicht, einfach zu nutzen und dank über 1.000 Apps mit genügend Content versorgt. Live-Konzerte, Brettspiele wie Monopoly von Hasbro und natürlich auch TV- und Video im Kinoformat, all das kann das schicke Headset. Natürlich noch mehr in Verbindung mit Facebook. So kann man seine Freunde einladen, gemeinsam durch virtuelle Urlaube zu reisen oder gemeinsam eine Serie auf Netflix zu gucken.
 
Die geschickte Verknüpfung von Facebook-Features mit der Oculus-Technologie könnte zur Entwicklung von spannenden Apps führen. Doch dazu benötigt es eine starke Truppe an innovativen Tüftlern, die neue Ideen erspinnen und entwickeln. Das weiß auch Zuckerberg und verschenkte mal eben 4.000 Geräte an alle Teilnehmer der Konferenz. Ein smarter Schachzug. Damit ist die Oculus-Plattform sofort auf der Agenda der weltweiten Facebook-Entwickler-Gemeinde. Man darf gespannt sein, was da noch kommt.

Wo bleibt die Facebook-Hardware?

Und doch gab es etwas Unausgesprochenes auf der Konferenz. Denn wenn nicht hier, wo sonst. Bereits im Januar wurden rund um die CES Gerüchte laut und Fotos im Netz geleaked von angeblicher Hardware aus Facebooks geheimen "Building 8".
Das Building 8 ist das geheime Labor auf dem Facebook-Campus, in dem am "next big thing" gearbeitet wird. Beim Leiter dieser geheimen Einheit, Andrew Bosworth, ist nun auch Oculus aufgehängt. Keiner weiß genau, was kommt und wann es kommt. Jedoch waren die Gerüchte sehr laut vor der F8, dass dort die ersten Innovationen angekündigt werden. Es bleibt spannend.
 
Ich bin sicher, dass die verschiedenen Plattformen und Initiativen des Konzerns - trotz all der Kritik momentan - langfristig für uns Werbungtreibende spannende Möglichkeiten zum Geschichtenerzählen und zum gezielten, messbaren Ausspielen dieser geben wird.



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