Streit wegen WhatsApp 27.09.2016, 12:45 Uhr

Behörde verbietet Facebook Datenaustausch

Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar schafft Fakten: Per Verwaltungsanordnung untersagt er Facebook mit sofortiger Wirkung den Datenaustausch mit der Messenger-App WhatsApp.
(Quelle: Shutterstock.com/ tanuha2001)
Wie der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit am heutigen Dienstag in einer Pressemitteilung bekannt gab, darf das Social Network Facebook ab sofort keine Daten von deutschen Nutzern mehr mit der Messenger-App WhatsApp austauschen. Eine entsprechende Verwaltungsanordnung hat der Leiter der Behörde, Johannes Caspar, erlassen. Der Hamburgische Datenschützer ist für Facebook zuständig, da die Deutschlandzentrale ihren Sitz in der Hansestadt hat.
Vorangegangen war der Versuch des Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), Facebook und WhatsApp zur Abgabe einer entsprechenden Unterlassungserklärung zu bewegen. Die beiden Unternehmen ließen die Frist am 21. September verstreichen.
Ende August war bekannt geworden, dass WhatsApp Nutzerdaten mit Facebook teilen will, eine entsprechende Berechtigung holte sich der Messenger-Dienst durch eine Änderung seiner Nutzungsbedingungen ein - ein Detail, das nahezu alle Nutzer einfach übersehen haben dürften. Mit diesem Schritt verstößt Facebook nach Ansicht von Experten allerdings gegen Vorgaben der EU. Im Jahr 2014 hatte Facebook den Messenger übernommen - und die EU hatte der Firmenfusion nur unter der Bedingung zugestimmt, dass beide Unternehmen weiterhin getrennt voneinander operieren würden. 

Verstoß gegen das nationale Datenschutzrecht

Auf diesem Status beharrt jetzt der Hamburgische Datenschutzbeauftragte. In der Pressemeldung heißt es: "Facebook und WhatsApp sind selbstständige Unternehmen, die die Daten ihrer jeweiligen Nutzer auf Grundlage ihrer eigenen Nutzungs- und Datenschutzbedingungen verarbeiten. Nach dem Erwerb von WhatsApp durch Facebook vor zwei Jahren haben sie öffentlich zugesichert, dass die Daten der Nutzer nicht miteinander ausgetauscht werden. Dass dies nun doch geschieht, ist nicht nur eine Irreführung der Nutzer und der Öffentlichkeit, sondern stellt auch einen Verstoß gegen das nationale Datenschutzrecht dar."
Behördenchef Johannes Caspar sorgt sich nicht nur um die Daten der rund 35 Millionen registrierten WhatsApp-Nutzer, sondern auch um die Daten von Personen, die nichts mit Facebook zu tun haben, deren Telefonnummern aber von WhatsApp erfasst wurden. Der Messenger scannt nämlich das Telefonbuch des Smartphones, auf dem er installiert wird, und gleicht alle gefundenen Telefonnummern mit der WhatsApp-Nutzerliste ab. Caspar verweist darauf, dass von diesen Nutzern keine Einwilligung zur Erhebung und Verarbeitung ihrer Daten vorliege. 
Von den beteiligten Unternehmen liegt derzeit noch keine Stellungnahme vor.  



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