Facebook stellt "Graph Search" vor 16.01.2013, 07:47 Uhr

Angriff auf Google

Facebook bringt eine neue Suchfunktion heraus und macht den Freundeskreis zur Datenbank. Die Treffer aus der so genannten "Social Graph Search" sollen relevanter sein als die der Websuche, weil sie sich auf Vorlieben und Empfehlungen von Kontakten beziehen - eine klare Kampfansage an den Konkurrenten Google. Zudem bieten die Trefferlisten auch neue Werbemöglichkeiten.
Facebook will Suche revolutionieren
Das soziale Netzwerk greift mit der Suche im Social Graph den Internetkonzern Google in seinem Kern an. Anders als die herkömmliche Websuche macht sich Facebook das Wissen im Netzwerk zu Nutze: Bei einer Suchanfrage werden die Inhalte der Mitglieder durchforstet. Das bedeutet, dass zum eingegebenen Stichwort Status-Nachrichten, Likes, Fotos und andere Angaben aller Kontakte abgefragt werden. Dabei bleiben die Privatsphäre-Einstellungen erhalten; es werden also nur öffentliche und solche Informationen angezeigt, die dem jeweiligen Mitglied auch ohne Suchfunktion zugänglich sind.
Die derzeitige Beta-Version, die als größere Suchleiste oben auf jeder Seite angezeigt wird, konzentriert sich auf vier Hauptbereiche:
  • Personen - "Mitglieder aus meiner Heimatstadt, die gerne wandern"
  • Fotos - "Fotos von Freunden vor dem Jahr 1999"
  • Orte - "Indische Restaurants, die indischen Freunden gefallen"
  • Interessen - "Filme die Regisseuren gefallen".
Nutzer können ihre Suchergebnisse unter eigenen Überschriften speichern.
Wie sehr die neue Suche ein Angriff auf Google ist, zeigt sich in einem Blogbeitrag, in dem das Netzwerk die Unterschiede zur normalen Websuche herausarbeitet: "Die Suche im Social Graph und die Websuche unterscheiden sich sehr. Die Websuche ist so ausgelegt, dass eine Reihe von Schlüsselwörtern (z. B. 'Hip Hop') eingegeben werden können und dann die besten mit diesen Schlüsselwörtern übereinstimmenden Suchergebnisse angezeigt werden. Bei der Suche im Social Graph kombinierst du einfache Sätze (z. B. 'meine Freunde in New York, denen Jay-Z gefällt'), um die Personen, Orte, Fotos und anderen Inhalte herauszufiltern, die auf Facebook geteilt wurden." Daten hat das Netzwerk genug; derzeit sind eine Milliarde Menschen bei Facebook zu finden, 240 Milliarden Fotos und eine Billion Verbindungen. Fragen, die dennoch unbeantwortet bleiben, reicht das Netzwerk an Microsofts Suchmaschine Bing weiter. Das IT-Unternehmen hält seit mehreren Jahren eine Minderheitsbeteiligung an Facebook.
Spannend wird sein, ob Facebook die neue Suche für die Einblendung von Werbung nutzt. Denkbar sind Textanzeigen, die auf die Suchbegriffe abgestimmt sind. Ein solches Angebot ist vor allem für lokale Unternehmen interessant. Davon ist auch Ben Moehlenhoff von eprofessional überzeugt: "Eine gute Platzierung in den Facebook-Suchergebnissen könnte im ersten Schritt für Restaurants, Bars und lokale Geschäfte interessant sein", glaubt der Social-Media-Experte. Später werde sich Facebook sich gezielt den Online-Shops zuwenden. Den Boden für eine solche Werbeform hat das Netzwerk schon bereitet und einen Test mit "Sponsored Results "im vergangenen Sommer abgeschlossen.
Die neue Social-Graph-Suche befindet sich derzeit in einer geschlossenen Beta-Phase. Mitglieder, die Facebook auf US-Englisch nutzen, können sich auf eine Warteliste setzen lassen, um die Suche auszuprobieren. Wie lange es dauert, bis die Funktion für alle freigeschaltet wird, ist noch unklar. Facebook selbst sagt, die Entwicklung der Suche sei erst am Anfang - und die weltweite Einführung werde "langsam" umgesetzt.
Die Aktionäre sind von der sozialen Suche nicht begeistert, der Aktienkurs fiel nach der Ankündigung auf unter 30 US-Dollar. Brancheninsider hatten für das Firmenevent eine neue iPad-App erwartet.



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