Kommentar 25.05.2016, 17:00 Uhr

Werbevideos auf Facebook in Dauerschleife

Facebook weitet die Funktionen von Video-Anzeigen deutlich aus. Die Ads sind nun klickbar und kurze Spots werden automatisch wiederholt. Ob dem Nutzer die Dauerschleife gefällt, ist fraglich.
Facebook macht Werbevideos klickbar
(Quelle: Shutterstock.com/Rawpixel.com )
Wäre Facebook im Mittelalter erfunden worden, wäre es wohl ein eifriger Handwerkerbetrieb gewesen. Viele Tüftler arbeiten beständig daran, bestehende Produkte zu verbessern und neue zu entwerfen. Erst kürzlich gab die Facebook-Marketing-Schmiede bekannt, dass Retargeting nun auch auf Instagram möglich ist.
Gerade einmal 15 Tage später gibt es die nächste Nachricht von den fleißigen Entwicklern aus dem sonnigen Kalifornien. Die bei Advertisern beliebten Video-Anzeigen auf Facebook sind ab sofort komplett klickbar. Während die Landingpage im Hintergrund lädt, bekommt der Nutzer das Werbe-Video anstelle eines Ladescreens zu sehen.
Während die Landingpage lädt, sieht der Nutzer das Werbevideo.
(Quelle: Facebook)
Das klingt im ersten Moment natürlich großartig. Wem geht es nicht auf die Nerven, wenn man bei einer schlechten Internetverbindung Ewigkeiten auf einen Ladescreen starrt, um nach Sekunden oder sogar Minuten auf der Zielseite anzukommen. Facebook tut seinen Nutzern etwas Gutes und gönnt ihnen statt eines Ladescreens bunte Bewegtbilder von Unternehmen. Soweit so gut. Schließlich sind einige Werbespots highlightfähig und damit das Gegenteil von Langeweile.
"Alle Videos, die unter 30 Sekunden lang sind, werden automatisch wiederholt abgespielt, wenn sie im Newsfeed angeschaut werden", erklärt Facebook in seiner Pressemitteilung zu den neuen Video-Ads im Fortlauf. An dieser Stelle verschwindet der Gedanke des nutzerfreundlichen Netzwerks schlagartig. Der Satz bedeutet nämlich nichts anderes als: Wenn die Landingpage eine Minute lädt und das Werbevideo zehn Sekunden lang ist, sieht es der Nutzer gleich sechs (!) Mal hintereinander.

Wer seine Facebook-Präsenz pushen möchte, kommt kaum mehr um das Schalten von Anzeigen herum. Wir stellen euch die Facebook-Werbeformate und ihre Zielsetzungen vor.

Das wiederholte Abspielen in Kombination mit dem Drängen von Facebook auf kurze, mobil-gerechte Werbevideos entwickelt sich langsam zu einem Teufelskreis. Für den Nutzer gibt es Werbevideos in Dauerschleife. Das ist nervig, wird an der einen oder anderen Stelle zu negativen Reaktionen und langfristig zu Ablehnung führen.
Hinzu kommt noch der nicht zu unterschätzende Faktor, dass Werbevideos auf Facebook in der Grundeinstellung im "Autoplay"-Modus sind. Das heißt, sobald ein gewisser Anteil des Videos im Newsfeed sichtbar ist, startet das Video automatisch. Das kostet Datenvolumen in beträchtlichen Mengen. Dem Smartphone-Nutzer wird das wohl heiligste Gut immer mehr durch Werbeclips genommen und er schaltet die Autoplay-Funktion in seinen Einstellungen aus. Anleitungen dafür gibt es zu Hauf im Internet. Somit dürfte die Veränderung Video statt Ladescreen keine Jubelstürme bei den Nutzern hervorrufen.
Außerdem verdeutlicht die Neuerung, womit Facebook sein Geld verdient: Werbung. Während der User psychologisch mit Werbevideos in Dauerschleife bearbeitet wird, klingeln bei Facebook die Kassen. Die Rechnung ist einfach: mehr Werbedruck, mehr Präsenz für Marken im Kopf der Menschen, mehr Geld für den blauen Riesen. Den User hat man irgendwann verloren.



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