Expert Insights 25.04.2018, 08:02 Uhr

Die vier größten Potenziale des Story-Formats

User posten mehr denn je, aber nicht mehr in Textform. Sie erzählen ihre Alltagsgeschichten in kurzen Stories. Auch viele Marken springen auf den Zug auf, da sie die Potenziale der Stories erkannt haben. Allerdings ist Achtung geboten.
Philipp Thurmann, Gründer und Geschäftsführer Strategie der Social-Media-Agentur Buddybrand
Können Sie sich noch an die Anfangszeit von Facebook erinnern, als sich ganze Dialoge im Pinnwand-Pingpong ereigneten? Als textbasierte Statusmeldungen so trivial sein konnten, dass sie fast schon Tagebuchcharakter hatten? Seitdem ist viel passiert. In den USA nutzten im vergangenen Jahr 79 Prozent der Nutzer Facebook vornehmlich, um Videos zu schauen, während im Vorjahr der Anteil an User Generated Content (UGC) auf der Plattform um 21 Prozent gesunken ist.
Aber lassen Sie sich nicht täuschen: Die Menschen posten mehr denn je - nur nicht mehr unbedingt auf Facebook und schon gar nicht mehr in Textform. Stattdessen erzählen sie ihre Alltagsgeschichten in kurzen Stories im Vertical-Video-Format. Auch viele Marken springen auf den Zug auf, da sie die Potenziale der Stories erkannt haben. Allerdings ist Achtung geboten: Stories zum Selbstzweck zu erstellen, weil es gerade irgendwie jeder macht, kann nicht zuletzt aufgrund des Fullscreen-Formats schnell zum kostspieligen und gleichzeitig nicht gewinnbringenden Unterfangen werden.

Stories erobern den Markt

Wer in der letzten Zeit die App von Facebook, Instagram oder Snapchat geöffnet hat, kann unmöglich die prominent platzierten, farbig umrahmten Profilbilder seiner Follower und Freunde übersehen haben. Dahinter verbirgt sich das kanalübergreifende Star-Format Stories. Snapchat war 2013 Vorreiter für die Stories. Die selbsternannte "Camera Company" ermöglichte ihren Nutzern als erste, die Highlights des Tages in kurzer Video- oder Bildform für 24 Stunden für alle Freunde sichtbar zu posten. Für Snapchat war das zu diesem Zeitpunkt bahnbrechend, da Snaps bis dato mit einer maximalen Lebenszeit von zehn Sekunden der Inbegriff von "Ephemeral Content" waren. Die Vergänglichkeit der Inhalte ist nach wie vor der große Charme von Snapchat.
Während bei Facebook und Instagram durch die Profile ein langfristiges Image einer Person oder einer Marke aufgebaut wird, bietet Snapchat 24-Stunden-sichtbare Momentaufnahmen. Dadurch werden viele banale und unverblümt-ehrliche Inhalte mit Freunden geteilt. Hier wurde und wird Social Media so genutzt wie 2007 das noch junge Facebook: als Schlüsselloch zum Alltag der Freunde und Bekannten.
Auf der anderen Seite des Social Web findet sich Instagram. Auf den Profilen stehen die besonders schönen oder gar perfekten Momente im Leben der Nutzer im Vordergrund. Das größte Kapital war damit dementsprechend bisher auch die größte Schwachstelle des Kanals. Denn durch den exklusiven Anspruch an die Inhalte posteten die Nutzer nur zurückhaltend und überwiegend bedacht. Diese Lücke versucht Facebook nun durch das Stories-Format zu schließen. Mit Erfolg: Heute nutzen über 300 Millionen Instagrammer täglich die Stories-Funktion; 200 Millionen mehr als noch vor einem Jahr.

Warum sind Stories so beliebt?

Erstens sind sie überall. Nach Snapchat zogen zunächst Facebook, dann auch Instagram und WhatsApp nach. Mit "Reels" steht auch schon ein YouTube Stories-Feature in der Pipeline. Nutzer testen eher etwas bereits Bekanntes in einem neuen Umfeld als etwas Neues in einem bekannten Umfeld. Deshalb wurde das bekannte und performante Feature schlicht von der Konkurrenz übernommen und adaptiert. Frei nach dem Motto "Steal with Pride".
 
Zweitens erleben wir durch Stories eine Renaissance des sozialen, digital-geteilten Tagebuchs. Die Nutzer können sich durch Kreativität statt durch Exklusivität abheben. Statt um Likes geht es in Stories darum, wer sich den Content angeschaut, oder mit anderen Worten, an dem eigenen Alltag teilgenommen hat. Die Inhalte sind demnach unverfänglicher, unkomplizierter und häufig sehr kreativ. Kurzum: es macht den Nutzern Spaß, ihren Alltag mit den Freunden zu teilen und andersrum auch am Alltag der anderen teilzuhaben.
 
Drittens: Es ist einfach. Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte und Videos sowieso. Durch die prominente Platzierung und Integration in die Apps sind Stories schnell aufgezeichnet und genauso einfach mit Hashtags, Umfragen oder animierten GIFs versehen. Das bildschirmfüllende Format erzeugt eine für Mobile unübertreffbare Immersion. Zudem halten immer neue Funktionen, die mit zwei Swipes und Klicks in die Story integriert werden können, den Spannungsbogen dauerhaft oben.



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