Expert Insights 11.01.2018, 08:11 Uhr

Das Snap-tacle ist vorbei

Snapchat schwächelt, während Konkurrent Instagram weiter Boden gut macht: Wie kann Snapchat Instagram einholen und wie gelingt es der Plattform wieder attraktiver für die Nutzer und damit auch für Unternehmen zu werden?
Philipp Thurmann, Gründer und Geschäftsführer Strategie der Berliner Social-Media-Agentur Buddybrand
Snapchat geht die Luft aus. Auch wenn sich die Zahlen noch durchaus beeindruckend lesen: 3,5 Milliarden Snaps werden täglich verschickt und allein in Deutschland sind täglich fünf Millionen Nutzer auf Snapchat unterwegs. Bei der täglichen Verweildauer liegt die Plattform mit 30 Minuten vor dem direkten Konkurrenten Instagram (24 Minuten). Nichtsdestotrotz schwächelt Snapchat seit einiger Zeit und Instagram kann mit neuen Filtern und Funktionen, wie Abstimmungen und Stories, weiter Boden gut machen. Denn einerseits brachten Features, wie die 2017 veröffentlichten Spectacles, nicht den erhofften Erfolg für Snapchat, andererseits bewegt sich das Unternehmen auf einem Markt in dem gute Ideen schnell kopiert werden. Hinzu kam, dass selbst CEO Evan Spiegel zugeben musste, dass seine App zu kompliziert zu bedienen sei.
Das erste Jahr als börsennotiertes Unternehmen verlief also für das soziale Netzwerk alles andere als optimal, denn die Konkurrenz hat aufgeholt oder ist in Teilen sogar enteilt. Wie kann Snapchat also Instagram wieder einholen und wie kann die Plattform vor allem wieder attraktiver für die Nutzer und damit auch für Unternehmen werden?

Snapchat wird persönlicher

Einen ersten großen Schritt kündigte Evan Spiegel bereits im November diesen Jahres an: Snapchat bekommt ein Redesign. Die Startseite bleibt dabei wie gewohnt die Snapchat-Kamera und damit auch das Abgrenzungsmerkmal der App zu anderen sozialen Medien. Wichtigste Neuerung ist jedoch, dass zukünftig Content von Freunden getrennt von Content von Marken und Influencern angezeigt wird. Die Bedienung bleibt dabei intuitiv: Mit einem Wisch nach rechts öffnet man seinen persönlichen Feed, in dem die Foto- und Videobeiträge der Freunde angezeigt werden. Im Hintergrund arbeitet dabei ein Algorithmus, der den Content nicht mehr chronologisch auflistet, sondern Inhalte enger Freunde nach oben schiebt.
Der Clou: Der Algorithmus richtet sich dabei nach dem Nutzerverhalten, schaut man sich also die Stories bestimmter Leute öfter an, oder schickt ihnen regelmäßiger Nachrichten, werden Stories höher geranked und erscheinen früher im eigenen Newsfeed.
Ein Wisch nach links hingegen führt zum Discover Tab und den Beiträgen von Influencern und Unternehmen. Hier arbeitet der Algorithmus nach demselben Prinzip, jedoch mit einem Unterschied: Zusätzlich schlägt er mir Beiträge vor, die für mich interessant sein könnten. Als Grundlage dienen dabei die Influencer und Marken denen ich bereits folge.
Der Vorteil für Snapchat liegt dabei auf der Hand, denn ein persönlicheres Erlebnis sorgt für ein besseres Nutzererlebnis und bindet die User nicht nur langfristiger an die Plattform, sondern sorgt auch für steigende Nutzerzahlen. Wodurch sich für Snapchat wieder mehr Möglichkeiten ergeben, den Nutzern Ads auszuspielen, die für sie relevant sein könnten.



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