Expert Insights 21.03.2018, 08:05 Uhr

Marketing in Zeiten des Social Internet of Things

Plattformen, wie wir sie heute kennen, werden verschwinden. Stattdessen wird sich das Social Internet of Things weiter entwickeln. Werbung im klassischen Sinne wird es nicht mehr geben. Vernetzte Dinge entscheiden und handeln - und das ohne den Menschen.
Ingo Notthoff, Leiter Marketing bei T-Systems Multimedia Solutions
Hier eine Anzeige, dort ein Sponsored Post: Social Media Marketing ist spätestens seit der Geburt von Facebook im Jahr 2004 ein beliebtes Mittel der Kommunikationsexperten weltweit, um Nutzer zum Kauf zu bewegen. Doch Plattformen, wie wir sie heute kennen, und die Art, wie sie Menschen miteinander vernetzen, werden verschwinden. Stattdessen wird sich das Social Internet of Things (IoT) weiter entwickeln und etablieren. Werbung im klassischen Sinne wird dann verschwinden. Vernetzte Dinge entscheiden und handeln - und das ohne den Menschen. 
Machen wir uns nichts vor: Die Vergänglichkeit ist allgegenwärtig. Wir werden alle nicht jünger - und die Social-Media-Plattformen altern mit uns mit. So auch Facebook. Dennoch spielt der alte Hase unter den Vernetzungsmöglichkeiten weiterhin eine relevante Rolle in vielen Unternehmensstrategien. Der neue Algorithmus, den Facebook seit Anfang diesen Jahres anwendet, macht denen allerdings zum Teil einen Strich durch die Rechnung. Denn: Relevanz und Lokalität sowie Familien und Freunde werden höher priorisiert. Facebook wird wieder sozialer. Sozial - das ist das Stichwort. Unter "sozial" verstehen wir erstmal eine Vernetzung von Menschen, ein soziales Gefüge - so, wie es Facebook jetzt wieder stärker versucht im digitalen Raum abzubilden.
Im Zeitalter des Internet of Things (IoT) und der künstlichen Intelligenz weitet sich dieser Begriff jedoch mehr und mehr auch auf Dinge aus. Dann sprechen wir auf einmal von einem Social IoT. Smarte Objekte, sei es der Thermomix, mein Apothekenschränkchen, mein Smartphone oder mein Kühlschrank, sprechen direkt miteinander und bilden ihr eigenes, menschen-unabhängiges Netzwerk. Der Mensch greift nicht mehr aktiv ein, wird aber Nutznießer dieses Roboter-Netzwerks. Er profitiert durch Empfehlungen der Dinge oder auch durch ihre autonomen Handlungen. Da die Dinge über den Bekanntenkreis des Menschen hinaus großflächig miteinander kommunizieren, können sie auf Daten und Informationen zugreifen, die ihnen wiederum helfen, den Menschen ihr Leben zu erleichtern.

Vernetzte Dinge entscheiden autonom, was "ihre" Menschen brauchen

In ein paar Jahren werden sich meine Küchenmaschine und mein Terminkalender darüber unterhalten, dass heute mein Hochzeitstag ist und daher Lebensmittel für das Lieblingsgericht bestellen. Richten sie dann Alexa aus, dass am Abend pünktlich nach Feierabend, bereits romantische Musik aus dem Lautsprecher erklingen soll? Fragt Alexa dann noch bei ihren "Freunden", anderen Amazon Echo-Lautsprechern, nach, welche Musik denn bei Paaren im gleichen Alter mit ähnlichen Vorlieben gerne gewählt wird, um besser vorbereitet zu sein?
Das Prinzip ist simpel: Unsere Dinge zu Hause oder an unserem Arbeitsplatz haben Zugriff auf Millionen von anderen Dingen und den gespeicherten Informationen ihrer Nutzer. So können sie vollkommen selbständig, ohne Intervention des Menschen, Services und Lösungen für den Menschen finden und vorschlagen und sogar eigenständig "in Auftrag geben".
 
Ein weiteres Szenario: Das Apothekenschränkchen zu Hause soll immer eine Reihe von bestimmten, rezeptpflichtigen Medikamenten beinhalten. Unser heutiges Vorgehen: Neigt sich eines der Medikamente dem Ende zu, besorgen wir uns einen Termin beim Arzt und gehen anschließend mit dem Rezept in die nächstgelegene Apotheke, um unser Medikament abzuholen. Sind wir schon etwas moderner, bestellen wir das Medikament vielleicht sogar in einer Online-Apotheke.
Was jedoch, wenn meine umfassende Gesundheits-App auf meinem Smartphone durch die RFID-Erkennung der Medikamente genau weiß, welche Medikamente in meinem Schränkchen sind? Mehr noch: Was, wenn sie auch weiß, wann diese ablaufen oder wie viele Tabletten noch in der Packung erhalten sind? Ein autonomes Netzwerk der Dinge könnte so weit gehen, dass die App automatisch meinen Arzt benachrichtigt, wenn ein neues Rezept notwendig wird. Dieser sendet es dann direkt an eine Online-Apotheke und das neue Medikament steht vor meiner Haustür, bevor mir als Mensch überhaupt aufgefallen ist, dass es zur Neige ging.
Der Endnutzer greift in diesem Szenario nicht ein einziges Mal in den Prozess der Dinge mit ein, sondern erhält am Ende der Kette nur den Service, den er brauchte. Die Zwischenschritte müssen ihn nicht länger tangieren, seinem Leben wird die organisatorische Komplexität genommen. Die möglichen Anwendungen können sich auf alle Bereiche ausweiten, wie Umweltmanagement, Lagerbestände, Produktmanagement, Smart Home, den Arbeitsplatz, Sicherheit, Überwachung und und und.....



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