Crowdfunding: "Regulierung erzwingt Professionalisierung"

Crowdfunding: Nicht nur für neue Geschäftsideen

In Deutschland wurden vergangenes Jahr etwa 140 Millionen Euro durch die Crowd finanziert. Die Schwarmfinanzierung wird immer beliebter. Wie entwickelt sich Seedmatch?
 
Sauer: Diese Summe bezieht sich auf alle Formen des Crowdfunding, auf das anlageorientierte Crowdfunding entfallen rund 29,8 Millionen Euro. Seit dem Start 2011 sind wir stetig gewachsen. Inzwischen wurden über Seedmatch mehr als 80 Projekte mit rund 24 Millionen Euro finanziert, vergangenes Jahr hat ein Star-tup die Höchstsumme von drei Millionen Euro erreicht. Wir haben im Laufe der Zeit gemerkt, dass sich Crowdfunding nicht nur für die Finanzierung neuer Geschäftsideen und Start-ups eignet, sondern auch für erneuerbare Energien und Green Tech oder Immobilien-Projekte und junge Wachstumsunternehmen. Daher haben wir mit Econeers und Mezzany neben Seedmatch zwei spezialisierte Crowdfunding-Plattformen ins Leben gerufen. Crowdfunding insgesamt wird in seiner Bedeutung weiter steigen. Darauf reagieren wir. So arbeitet Seedmatch zum Beispiel mit einer Bank zusammen. In der Zukunft können und sollen weitere Formen von Kooperationen nicht ausgeschlossen werden.
Gibt es erkennbare Schwerpunkte bei den Unternehmen und Projekten, die Geld suchen?
 
Sauer: Anhand der Start-ups, die sich bei uns bewerben, lassen sich die aktuellen Innovationstrends ablesen. Sie beschäftigen sich oft mit Ideen für den E-Commerce, mit neuen mobilen Dienstleistungen; auch innovative Technologien sind darunter, beispielsweise aus der Biotech-Branche. Wir achten bei der Auswahl der Bewerbungen auch darauf, Nischen aufzubrechen und neue Ideen vorzustellen. Im vergangenen Jahr haben wir erstmals einem jungen Unternehmen aus der Pharmabranche geholfen, Geld für die Entwicklung eines Medikaments einzusammeln. Für die Pharmabranche und ihre hohen rechtlichen Auflage ist ein Crowdfunding zwar ziemlich gewagt, aber das Start-up wollte sich unbedingt mit der Crowd finanzieren, um unabhängig von großen Konzernen zu bleiben - was am Ende auch von Erfolg gekrönt war.
 
Crowdfunding gilt ja nicht nur als Strategie zur Kapitalbeschaffung, sondern auch als Strategie, für sich zu werben oder eine Community aufzubauen, die meistens auch noch aktiv mit eigenen Ideen Angebote und Produkte verbessern hilft. Trotzdem halten sich mittelständische Unternehmen sehr zurück bei dieser Finanzierungsform  - kann hier das KASG für mehr Sicherheit sorgen?
 
Sauer: Ob das KASG den Mittelstand weiter an Crowdfunding heranführen kann, muss sich erst zeigen. Sicher sind die Marketingeffekte und auch das Community-Building im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne auch für den Mittelstand interessant. Mit Mezzany haben wir eine Plattform geschaffen, über die auch die Finanzierung eines Mittelständlers mit starkem Wachstums und hohem Kapitalbedarf denkbar wäre.

Kreativität kennt keine Grenzen: Auf Crowdfunding-Plattformen finden die verrücktesten Ideen ihren Platz. Indiegogo hat aktuelle, innovative und tatsächlich auch etwas verrückte Kampagnen gesammelt, die sich rund um das Thema Technik drehen. Mit dabei: ein Tracking-System für UFOs und ein Solarmodul für unterwegs.





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