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Evan Spiegel

DLD in München Kritik an Tech-Riesen und der Hype um TikTok

Snapchat-Gründer Evan Spiegel auf der DLD in München

DLD / Hubert Burda Media

Snapchat-Gründer Evan Spiegel auf der DLD in München

DLD / Hubert Burda Media

Auf der DLD bekannte sich Snapchat-Gründer Evan Spiegel als TikTok-Fan und traut der Videoplattform zu, größer werden zu können als Instagram. Neben dem Snapchat-Gründer trat der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus auf, der Kritik an den Tech-Riesen übte.

Snapchat-Gründer Evan Spiegel zeigt Herz für die Konkurrenz: Er verbringt gern Zeit bei TikTok und ist nicht sauer, dass Facebook seine Ideen kopiert hat. "Ich liebe TikTok", bekannte Spiegel am Sonntag bei einem Auftritt auf der Innovationskonferenz DLD in München. Zudem schloss er auf Nachfrage nicht aus, dass die zum chinesischen Bytedance gehörende Videoplattform mit der Zeit größer werden könnte als Facebooks Instagram.

Snapchat war ursprünglich für seine von allein verschwindenden Fotos bekanntgeworden. Später führte der Dienst die sogenannte "Stories"-Funktion ein, in der Nutzer Bilder und Videos für einen Tag mit ihren Freunden teilen können. Instagram und andere Facebook-Dienste kopierten die Funktion und hängten Snapchat bei der Nutzerzahl noch weiter ab.

Auf die Frage, ob ihm das zusetze, antwortete Spiegel: "Ärgern würden wir uns, wenn wir nicht noch mehr Ideen hätten." Vielmehr helfe das Kopieren, die Idee bei den Nutzern noch populärer zu machen.

Neben dem Snapchat-Gründer trat der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus auf der DLD auf. Er sagte, das Streben nach Gewinn und Wachstum habe die Welt an den Rand des Abgrunds geführt. Auf der Konferenz, die einst von Begeisterung für das Silicon Valley geprägt war, trat in diesem Jahr tiefgreifendes Misstrauen gegenüber den Technologieriesen zutage. So warnte der CDU-Europapolitiker Axel Voss, Europa könne zur "Digital-Kolonie" Chinas und der USA verkommen.

Fast zu spät für ein Umsteuern

Yunus kritisierte, alle wüssten, dass es für ein Umsteuern fast zu spät sei und doch machten alle weiter wie bisher. "Das ist enorm frustrierend." Verantwortung dafür tragen aus Sicht von Yunus vor allem die Mächtigen in Politik und Wirtschaft - also auch diejenigen, die sich einmal im Jahr kurz vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos in München auf Einladung des Medienunternehmens Burda in der bayerischen Hauptstadt treffen.

Doch nicht nur Yunus hielt den Teilnehmern einen Spiegel vor. Die philippinische Journalistin Maria Ressa bezichtigte Netzwerke wie Facebook, ihre Plattformen förderten den Aufstieg autoritärer Politiker. Ressa berichtet über Menschenrechtsverletzungen im sogenannten Anti-Drogen-Krieg der philippinischen Regierung. Sie wurde in den vergangenen Jahren festgenommen und bedroht. Facebook gebe Regimekritikern zwar auch die Möglichkeit, ihre Botschaften zu veröffentlichen. Aber: "Wut und Hass verbreiten sich schneller." Diese Einschätzung unterstützte der US-Forscher Sinan Aral, der ein umfassendes Archiv von Twitter-Beiträgen ausgewertet hatte.

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