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Shitstorm Ahead

Shitstorm-Welle Woher der Trend zur Empörung?

Der Shitstorm ist ein mächtiges Werkzeug der Fans und Verbraucher

Der Shitstorm ist ein mächtiges Werkzeug der Fans und Verbraucher

In jüngster Zeit häufen sich die Berichte über Shitstorms auf Facebook: Vodafone, McDonalds, Galileo, alle bekommen sie ihr Fett weg, sei es wegen zu teuren Burgern, schlecht recherchierten Beiträgen oder mangelhaftem Kundenservice. Dennoch sollte man hier nicht zu viel hineininterpretieren, meint INTERNET WORLD Business-Redakteur Willi Würmseer.

Zugegeben, es ist schon auffällig, dass man in den letzten Tagen über mehr Shitstorms in den Social Networks gestolpert ist, als in den Monaten davor. Da kann man sich schon fragen, ob da womöglich ein Zusammenhang besteht, oder, geht man noch einen Schritt weiter, ob die Entrüstungsstürme womöglich inszeniert sind. Über diese Theorie  hat bereits Blogger Kai Thrun geschrieben, und auch die ARD Tageswebschau hat diesen Gedanken aufgegriffen - und sich dabei leider gehörig in die Nesseln gesetzt, denn die verdächtigte "Shitstorm-Agentur" entpuppte sich als harmlose Satireseite, die in keiner Weise mit der Beschwerdeflut bei Vodafone, Galileo und Co. in Verbindung steht. Der fehlerhafte Beitrag wurde mittlerweile entschärft, die Frage nach der inflationären Zunahme von Shitstorms bleibt jedoch offen.

Beiträge wie dieser auf der deutschen Facebook-Seite von McDonalds sorgten jüngst für Aufregung.

Urlaubszeit, Meckerzeit

Deutlich naheliegender als die Verschwörungstheorien über gekaufte Entrüstung sind die Erklärungsansätze, die das Social-Media-Newsportal Allfacebook.de anbietet. Demnach könne hier zunächst noch keine Rede von Shitstorms sein, sondern eher von "Hyper Engagement", also einem stark gesteigerten Engagement der Facebook-Fans auf einer Seite - was genau das ist, worauf Social-Media-Manager seit geraumer Zeit hinarbeiten. Die Interaktion mit dem Fan zählt mehr als die bloße Anzahl an Fans. Darüber hinaus nennt Allfacebook.de zwei durchaus richtige Überlegungen:

1. Facebook lässt Seitenadministratoren keine Beiträge mehr ausblenden.
Ein wirklich wichtiger Punkt. Früher konnten Admins unbequeme Kommentare einfach ausblenden, um zu vermeiden, dass sich eine Diskussion entwickelt. Der Verfasser des Kommentars und alle anderen Fans bekamen dies gar nicht mit. Das hat sich nun geändert: Beiträge müssen nun entweder gelöscht werden, was selbstverständlich nicht unbemerkt bleiben kann, oder sie bleiben eben stehen und sorgen für Likes und weitere Kommentare.

2. Es ist Urlaubszeit!
Zugegeben, ein simpler Grund, aber tatsächlich bedeutet das, dass nicht nur die Fans mehr Zeit haben, ihrem Unmut auf Facebook Luft zu machen, sondern auch, dass die Admins, Social-Media-Experten und Moderatoren der Unternehmen chronisch unterbesetzt sind. Darum haben kritische Beiträge, die beispielsweise am Freitagabend gepostet werden, oft das ganze Wochenende Zeit, ihre volle Wirkung zu entfalten.

Die Kritik war längst überfällig

Hinzu kommt außerdem, dass die Leute nach und nach ein Bewusstsein dafür entwickeln, was für ein mächtiges Werkzeug Kommentare in sozialen Netzwerken darstellen können - darüber wurde ja in den letzten Wochen auch oft genug und ausführlich berichtet.

Und abschließend darf auch folgendes nicht vergessen werden: In allen aktuellen Fällen, sei es Galileo, Vodafone, H&M oder McDonalds, handelte es sich um längst überfällige, absolut berechtigte Kritik, wenngleich auch mitunter etwas unglücklich und/oder polemisch formuliert. Tatsächlich wird es aber Zeit, dass sich die geprellten Kunden nicht mehr anonym in irgendwelchen abgelegenen Foren über schlechten Service und ein mieses Programm beschweren, sondern da, wo sie die Verantwortlichen auch tatsächlich erreichen können - und Facebook bietet dafür die perfekte Plattform.

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