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Bitkom-Studie über die Bedeutung des Internets für die Bundestagswahl

Bitkom-Studie über die Bedeutung des Internets für die Bundestagswahl Das Web als Wahlkampfhelfer

Hier wird Politik gemacht: der deutsche Bundestag

Hier wird Politik gemacht: der deutsche Bundestag

Rund 60 Prozent aller Bundesbürger informieren sich online über Politik, für fast 40 Prozent ist das Internet sogar wahlentscheidend. Das ergab eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des Hightech-Verbands Bitkom. Von den 18- bis 29-Jährigen nutzen demnach bereits 55 Prozent die sozialen Medien, um online über die Politik zu diskutieren.

Am 22. September 2013 findet die Wahl zum 18. Deutschen Bundestag statt. Entscheidenden Einfluss auf den Ausgang wird der Einsatz des Internets durch die politischen Parteien haben - sagen zumindest 37 Prozent aller Wahlberechtigten in Deutschland. Unter den 18- bis 29-Jährigen ist mit 48 Prozent sogar fast die Hälfte dieser Meinung, ergab eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Hightech-Verbands Bitkom.

Insbesondere die sozialen Medien sollen in diesem Jahr eine zentrale Rolle im Wahlkampf spielen. "Das Internet wird den Wahlkampf bestimmen wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik", prognostiziert Bitkom-Präsident Dieter Kempf. "Die Online-Kampagnen könnten für die Parteien zum Zünglein an der Waage werden, um die entscheidenden Stimmen zu erringen". Laut Umfrage informieren sich 60 Prozent der Bundesbürger über politische Themen im Web. Im Jahr der letzten Bundestagswahl 2009 waren es erst 45 Prozent. Unter den 18- bis 29-Jährigen recherchieren aktuell 80 Prozent im Internet über politische Themen, bei den 30- bis 44-Jährigen sind es 75 Prozent.

Hohe Beteiligung im Netz

Besonders beliebt als Informationsquelle für politische Inhalte sind demnach vor allem die Webseiten der klassischen Medien: 84 setzen auf die Nachrichtenseiten von Spiegel, FAZ, Welt oder n-tv. Bereits mehr als ein Drittel (35 Prozent) informiert sich in sozialen Netzwerken über Politik, unter den 18- bis 29-Jährigen mit 55 Prozent sogar mehr als die Hälfte. Webseiten von Ministerien oder Behörden nutzen  28 Prozent der Politikbegeisterten und 25 Prozent die Internetpräsenzen der politischen Parteien; 16 Prozent surfen auf politischen Blogs und immerhin zwölf Prozent auf den Webseiten einzelner Politiker.

Die oft bemängelte geringe Wahlbeteiligung scheint nicht für das Netz zu gelten: Ein Drittel (32 Prozent) der Bundesbürger konsumiert nicht nur politische Inhalte, sondern nimmt aktiv am Wahlkampf im Internet teil. Unter den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 63 Prozent. "Grund für die hohe Aktivität der Jüngeren ist die breite Nutzung sozialer Netzwerke, die das Erstellen, Kommentieren und Teilen politischer Inhalte dramatisch vereinfachen", sagte Kempf. So "liken" oder teilen 42 Prozent der Jüngeren politische Inhalte in sozialen Netzwerken wie Facebook, Google+ oder Xing. In der Gesamtbevölkerung sind es dagegen nur 15 Prozent. Ein Viertel (24 Prozent) der Bundesbürger gab dazu an, sich bereits an einer E-Petition oder Online-Petition beteiligt zuhaben. Das entspricht rund 16 Millionen Personen. Unter den 18- bis 29-Jährigen sind es 38 Prozent. Aggregiert man die unterschiedlichen Beteiligungsformen, sind 45 Prozent der Bundesbürger im Web politisch aktiv geworden, unter den Jüngeren sogar 58 Prozent.

Merkel, Steinbrück und Brüderle und die sozialen Netzwerke

Dass die Politik und das Internet schon lange keine Berührungsängste mehr haben, zeigt auch eine Analyse der Online-Plattform Pluragraph für den Bitkom. Demnach verfügen aktuell 86 Prozent aller 620 Bundestagsabgeordneten über ein Profil in mindestens einem sozialen Netzwerk. Drei Viertel (76 Prozent) sind bei Facebook vertreten, 50 Prozent bei Twitter, 41 Prozent bei Youtube und 25 Prozent bei Xing. Im Ranking der Politiker in sozialen Netzwerken liegt Kanzlerin Angela Merkel mit rund 246.000 Unterstützern vorne. Peer Steinbrück kommt derzeit auf rund 43.000 Unterstützer, Jürgen Trittin auf rund 33.000 und Gregor Gysi auf 20.000. FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle erreicht in sozialen Netzwerken rund 3.200 Personen.

Die wichtigsten Themen

Die wichtigsten netzpolitischen Themen sind laut Umfrage der Datenschutz und die IT-Sicherheit. 96 Prozent der Bürger sagen, dass sich die neue Bundesregierung stärker als bisher um den Datenschutz kümmern sollte, 95 Prozent nennen die Bekämpfung der Internetkriminalität. 84 Prozent meinen, die Vermittlung von Internetkompetenz bei Kindern und Jugendlichen sollte Priorität haben. 79 Prozent der Bürger fordern eine Reform des Urheberrechts und 76 Prozent die Sicherung der Netzneutralität. Interessant ist auch: Aktuell halten mit 54 Prozent mehr als die Hälfte der Bürger keine Partei für kompetent bei Internet-Themen.

Wie die neuen Medien den Wahlkampf von US-Präsident Barack Obama beeinflussten, erklärte sein Technikchef Harper Reed auf den Next13.

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