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Enttäuschende Facebook-Quartalszahlen Facebook-Aktie taumelt auf Tiefststand

Keine Antworten auf drängende Fragen, aber nachlassende Wachstumsraten und Krisenstimmung bei verbundenen Unternehmen: Facebook hat zwei Monate nach seinem Börsengang viel Vertrauen vernichtet - und 37 Prozent seines ursprünglichen Werts.

Einen Millionenverlust hätten die meisten Investoren wohl noch achselzuckend hingenommen, schlechte Wachstumszahlen hingegen nicht. Nachdem Facebook gestern seinen ersten Quartalsbericht vorlegt hat, in vielen wichtigen Parametern niedrige oder negative Zuwachsraten bekannt geben musste und zudem kaum Konzepte für die Zukunft kannte, war für viele Anleger Schluss: Der Aktienkurs gab nachbörslich um elf Prozent nach und sank mit etwas unter 24 Dollar auf einen neuen Tiefstand.

Der Gesamtumsatz stieg zwar von 895 Millionen Dollar auf 1,18 Milliarden Dollar. Enttäuschend war aber das niedrige Umsatzwachstum von 32 Prozent, das zwar immer noch die (sehr tiefgesteckten) Analystenerwartungen übertraf, jedoch weit hinter den Vorgaben anderer junger Technologieunternehmen zurückblieb. Noch schlimmer: Das Umsatzwachstum entwickelte sich gegenüber den Vorquartalen negativ und auch das Nutzerwachstum kühlte sich ab. Dagegen stiegen die Kosten aufgrund der Aktienvergütungen für Mitarbeiter so stark, dass das Unternehmen mit einem Minus von 157 Millionen Dollar (Vorjahr: Plus 240 Millionen Dollar) gar in die Verlustzone rutschte. Eine Prognose für das laufende Geschäftsjahr wollte Facebook nicht abgeben.

Ein geringes Wachstum musste Facebook bei den Umsätzen je Nutzer verkünden. In den stark gesättigten Märkten wie USA oder Kanada betrug es 13 Prozent. Aber auch in den wachstumsstärkeren Regionen lag es nur bei knapp 16 Prozent.

Kritisch beäugt wurden die hohen Wachstumsraten bei der mobilen Nutzung. Mit mittlerweile 543 Millionen Nutzer ist deren Anteil gegenüber dem Vorjahr um 67 Prozent gestiegen. Eine Antwort, wie mit diesen Nutzern mehr Werbegelder verdient werden könnte, blieb Facebook erneut schuldig.

Mit Werbung konnte das Netzwerk 992 Millionen Dollar umsetzen (plus 28 Prozent gegenüber Vorjahr). Das Wachstum gegenüber dem vorangegangenen Quartal betrug allerdings nur 14 Prozent. Diese Entwicklung wird auf die ständig steigende mobile Nutzung und die geringeren Werbeerlöse, die dort erzielt werden, zurückgeführt. Werbung macht 84 Prozent des Gesamtumsatzes von Facebook aus.

Die restlichen rund 15 Prozent werden über den Verkauf virtueller Güter erwirtschaftet. Hier stagnieren die Umsätze seit drei Quartalen bei 192 Millionen Dollar, was ebenfalls der mobilen Nutzung geschuldet ist. Auf Smartphones kann Facebook keine Umsatzbeteiligung am Verkauf von Gütern oder Spielen verlangen.

Zudem gab es bereits gestern schlechte Nachrichten von Facebooks wichtigstem Spieleanbieter: Der korrigierte seine Geschäftsaussicht für das laufende Jahr nach einem verlustreichen Quartal (Minus von 23 Millionen Dollar) kräftig nach unten. Das Papier gab im nachbörslichen Handel um 40 Prozent nach und zog in der Folge auch Facebook um knapp neun Prozent nach unten.

Seit dem Börsengang vor zwei Monaten hat Facebook bereits rund 37 Prozent seines Werts verloren.

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