INTERNET WORLD Business Logo Abo
Facebook-Armband

Neuer Prototyp Facebook Neuro-Motor Wrist: Ist das "the next big thing"?

Facebook
Facebook

Facebook arbeitet an einer neuen Technik, die den Umgang des Menschen mit digitalen Systemen revolutionieren könnte. Ein Armband misst die Nervensignale des Menschen und übersetzt Handbewegungen in Computerbefehle. Die Möglichkeiten erscheinen grenzenlos.

Vor nunmehr 14 Jahren schickte sich das iPhone an, den Umgang des Menschen nicht nur mit dem Internet, sondern mit digitalen Systemen insgesamt grundlegend zu verändern. Heute nutzen weltweit immer mehr Menschen auf der Welt ausschließlich ein Smartphone, um ins Internet zu gehen, Medien zu konsumieren oder insgesamt digitale Dienste zu nutzen. Als Interface dient ein Touchscreen, immer häufiger auch die Stimme.

Und immer häufiger kommt die Frage: War es das? Was ist "the next big thing"?

Die Antwort darauf könnte eine Technologie sein, an der Facebook intensiv arbeitet, berichtet das US-Portal "New-Atlas": Ein Armband, welches die Nervenströme misst, die durch das Handgelenk gehen. Das Gerät, Facebook nennt es "Neuro-Motor Wrist", ist im Moment noch im Prototypenstadium und entsprechend klobig (siehe Aufmacherbild). Es gehört aber nur ein überschaubares Maß an Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass die Technik so weit schrumpfen könnte, dass sie in eine Armbanduhr passt, oder in einen Handreif.

Jedes Fingerglied wird erfasst

Das Neuro-Motor Wrist ist in der Lage, die Bewegungen jedes einzelnen Gliedes einer Hand zu erfassen und genau abzubilden. In Kombination mit einer Augmented- oder Virtual-Reality-Brille erlaubt ein Paar solcher Armbänder zum Beispiel das Tippen auf einer virtuellen Tastatur, die nur der Nutzer sieht, für alle anderen ist da nur eine Tischplatte, auf die der Nutzer mit seinen Fingern tippt.

In virtuellen Umgebungen auf einen Gegenstand zeigen, diesen Gegenstand mit den Fingern berühren und bewegen, dies alles könnte mit dem Neuro-Motor Wrist ganz einfach und natürlich ablaufen. Wer bereits einmal eine aktuell existierende Virtual-Reality-Applikation mit einem Data Controller ausprobiert hat, der weiß, dass die heutigen Lösungen von einer intuitiven Nutzung weit entfernt sind - natürlich geht anders. 

Die neue Technologie entstand in den Facebook Reality Labs (FRL), die auch in die Entwicklung der Oculus-VR-Brillen eingebunden sind. FRL-Forschungsleiter Thomas Reardon sieht in den Armbändern eine Revolution des Human Machine Interfache (HMI, Mensch-Maschine-Schnittstelle). Die Anordnung als Armband sei kein Zufall, zitiert "News Atlas" den Software-Entwickler: "Erstens kann man es dort bequem tragen, und zweitens gibt es keinen anderen Ort, wo all unsere Fähigkeiten so zusammenlaufen. Das Hirn sendet an kein Körperteil so viele Neuronen aus wie an die Hände."

Zum perfekten Interagieren mit digitalen Objekten fehlt jedoch noch ein haptisches Feedback, auch das wollen die Forscher noch in das Armband integrieren. Außerdem soll die Technologie in ein AI-gestütztes Betriebssystem eingebettet werden, das Nutzerintentionen erkennt und das Interface entsprechend einrichtet. Für nahezu alles, was man im Internet machen kann, ergibt das völlig neue Möglichkeiten - natürlich auch für den E-Commerce.

Gesellschaftliche Debatte erforderlich

Brillen, die die reale Welt mit der digitalen verschmelzen lassen, Armbänder, die diese digitale Welt im Wortsinn greifbar machen - das alles klingt nach Science Fiction. Erinnerungen an den dystopischen Science-Fiction-Thriller "Minority Report" kommen auf. Facebook ist bei der grundsätzlichen Entwicklung des Neuro-Motor Wrist schon relativ weit, angeblich kann bereits jetzt jedes einzelne Neuron ausgelesen werden, das das Hirn an einen Muskel in den Händen schickt.

Dennoch ist das System vermutlich noch Jahre von seiner Marktreife entfernt. Mit der Veröffentlichung des derzeitigen Entwicklungsstandes möchte Facebook aber auch eine gesellschaftliche Debatte über die Auswirkungen anstoßen, die es haben könnte, wenn Realität und virtueller Raum nahtlos miteinander verschmelzen. 

Das könnte Sie auch interessieren