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Wolfgang Heigl

Metasuche für Ferienhäuser HomeToGo: "Airbnb sehen wir nicht als Konkurrenten"

Wolfgang Heigl, Mitgründer von HomeToGo

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Wolfgang Heigl, Mitgründer von HomeToGo

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Der Mitgründer von HomeToGo, Wolfgang Heigl, stellt im Interview die Metasuchmaschine für Ferienhäuser und deren Expansionspläne in 2016 vor.

Der User ist im Web auf der Suche nach einem schönen Ferienhaus für die Familie. Gibt er hierfür eine Suchanfrage bei Google ein, bekommt er viele Anbieter angezeigt, die er alle erst einmal durchklicken muss. Für Wolfgang Heigl ein mühsamer Prozess, bei dem seine Metasuchmaschine Abhilfe schaffen soll. Der Mitgründer von HomeToGo erläutert im Interview, inwiefern sich der Reisemarkt in den vergangen Jahren verändert hat, warum User eine Metasuchmaschine für Ferienhäuser benötigen und welche neuen Technologien HomeToGo zur Suchergebnis-Optimierung entwickelt.

Können Sie kurz Ihr Suchportal HomeToGo vorstellen?
Wolfgang Heigl: Bei dem Portal handelt es sich um eine Metasuche für Ferienhäuser und -wohnungen. Das heißt der User sucht bei uns und kann dann sehen, bei welchen Portalen es welche Ferienunterkünfte gerade gibt und dort dann zum besten Preis buchen. Im Moment werden bei der Suchanfrage mehr als 150 Anbieter mit ungefähr 1,4 Millionen Ferienhäusern und -wohnungen durchsucht. Weltweit gibt es etwa 1.200 Anbieter. Das bedeutet für uns, dass wir für Europa bereits gut dastehen. Unser Ziel ist es aber bis Ende des Jahres 250 Anbieter in unsere Metasuche einzubinden. Darunter sind Anbieter, die zwischen mehreren hundert bis hunderttausende Unterkünfte haben.

Warum sollten die Nutzer in Zeiten von Google und Co auf ihre Metasuchmaschine zugreifen?
Heigl: Genau hier greift unser Ansatz: Wenn sie bei Google eine Suchanfrage für ein Ferienhaus zum Beispiel in Dänemark starten, bekommen sie als Ergebnis mindestens 15 bis 20 Anbieter von Ferienhäusern. Daran wird deutlich, wie fragmentiert dieser Markt ist. Wenn sie also dieselbe Sucheingabe über Google machen, wird es für den Nutzer vollkommen unübersichtlich. Hier möchten wir die User abholen und mit unserer Metasuche diese Portale durch eine Sucheingabe abfragen. Aus unserer Sicht ist die Metasuche die einzige Technologie, die hier eine zufriedenstellende und schnelle Suche gewährleisten kann.

Inwieweit hat sich der Online-Reisemarkt in den vergangenen Jahren verändert und wie gestaltet er sich Ihrer Meinung nach heute?
Heigl: Grundsätzlich handelt es sich beim Reisemarkt um einen alten und traditionellen Markt. Früher wurden Kleinanzeigen im ADAC-Magazin oder in der Süddeutschen Zeitung platziert. Diese Objekte konnten nicht direkt gebucht werden, sondern zunächst nur mit den Vermietern Kontakt aufgenommen werden. Die ganze Branche ist zurzeit im Umschwung. Es geht nun immer mehr weg vom Anzeigenmodell hin zum Buchungsmodell. Aber um hier einen guten Überblick zu gewährleisten, muss man den gesamten Markt betrachten. Meiner Ansicht nach geht der Trend weiter hin zu Online-Buchungen. Das zeigt sich auch anhand meiner persönlichen Erfahrungen, die ich mit dem Online-Flugportal Swoodoo gemacht habe. Mit Swoodoo hatten wir damals in Deutschland 35 Prozent der Online-Buchungen bei den Flügen. Mittlerweile sind es etwa 60 Prozent und der Trend ist weiter steigend. Vor allem die klassischen Urlaubsangebote werden immer häufiger online gebucht.

Wie genau definieren Sie Ihre Zielgruppe?
Heigl: Die Zielgruppe, die unser Portal in Anspruch nimmt, ist besserverdienend und zwischen 35 und  55 Jahre alt. Zudem sind mehr als 50 Prozent unserer Nutzer Familien mit Kindern. Denn gerade für sie ist es fast unmöglich ein gutes Angebot in einem geeigneten Hotel zu finden. Ich selbst habe diese Erfahrung gemacht und bin im vergangenen Jahr mit meiner Familie auf die Kanaren gefahren und habe dort verschiedene Ferienhäuser getestet und ausprobiert. Somit konnte ich herausfinden, welche Faktoren wirklich wichtig für Familien sind. Zudem wurde mir dadurch klar, wie schwierig es ist, das geeignete Haus für die Familie ausfindig zu machen. Und das ist es, was wir leisten wollen: Den Leuten mit unserer Suche das beste Produkt für ihre individuellen Anforderungen zu liefern.

Neue Filter zur Suchergebnisoptimeirung

Welche neuen Filter zur Suchoptimierung planen Sie für Ihre Metasuche?
Heigl: Auf unserer Website kann man leider bisher nur mit exaktem Datum suchen. Ich bin persönlich aber der Meinung, dass dies nicht den Reisegewohnheiten von Familien entspricht. Denn an sich hat man immer ein Zeitfenster zur Verfügung, in dem man den Urlaub plant. Dementsprechend werden wir in naher Zukunft auch eine "Zeitraum-Suche" ermöglichen, die es in dieser Form noch auf keinem anderen Portal gibt. Durch diese Suche kann der User angeben, dass er innerhalb von drei Monaten sieben, zwölf oder vierzehn Tage wegfahren möchte und das Ergebnis kommt innerhalb von wenigen Sekunden. Dabei handelt es sich um einen klaren technischen Vorteil und erspart unseren Kunden eine enorme Suchzeit. Das ist essentiell für uns, denn eine Metasuche muss neben dem eigentlichen Überblick dem User immer auch einen einzigartigen Nutzen liefern.

Welche Vermarktungsstrategien verfolgen Sie? Welche Kanäle nutzen Sie hierfür?
Heigl: Das ist bei uns alles sehr klassisch. Wir machen ein bisschen TV-Werbung, SEM und SEO bei Google. Im Marketing kämpft am Ende jeder mit denselben Mitteln. Langfristig setzt sich nur derjenige durch, der ein klares Alleinstellungsmerkmal hat. Die Nutzer müssen gerne zu einem zurückkommen, ohne dass man die Marketingkanäle wieder bedienen muss. Das ist ein großer Fehler von vielen Start-ups. Zu oft wird sich auf die Marketingstrategie konzentriert und das Produkt aus den Augen verloren. Grundsätzlich befinden wir uns auch hier noch in der Startphase. Mit einem richtigen Marketingbudget werden wir Anfang 2016 starten.

Wie finanziert sich die Seite HomeToGo?
Heigl: Wir werden von unseren Partnern für Traffic und Buchungen der Nutzer, die wir Ihnen schicken, bezahlt.

Wie wollen sie sich gegen Mitbewerber wie z.B. holidu oder airbnb am Markt durchsetzen?
Heigl: Airbnb sehen wir nicht als Konkurrenten, sondern als potentiellen Partner. Zudem konzentriert sich Airbnb auf eine andere Zielgruppe und fokussiert sich auf große Metropolen. Generell ist es aber so, dass man nach einer gewissen Zeit nie der einzige am Markt ist. Ich denke aber, dass wir ein sehr erfahrenes und erfolgreiches Gründerteam sind. Ich habe beispielsweise Swoodoo in der DACH-Region erfolgreich als Marktführer etabliert und an Kayak verkauft oder Nils Regge hat das Ferienhausportal Casamundo zum Marktführer gemacht.  Wir haben dementsprechend viel Erfahrung mit dem Reisemarkt und der Metasuche an sich.

Wodurch und in welchen Formen kommen bei Ihnen Partnerschaften zustande, inwiefern profitieren die Partner voneinander?
Heigl: Entweder kontaktieren die Portalbetreiber uns oder wir gehen auf diese zu. Wir betreiben in diesem Bereich auch eine aktive Ansprache. Bis Ende des Jahres wollen wir bis zu zehn neue Länder akquirieren, darunter Spanien, Italien, Frankreich und Holland. In diesen Ländern ist vor Ort ein Country Manager, der potentielle Partner besucht, mit ihnen verhandelt und sie später auch betreut.

Wie sehen die weiteren Pläne von HomeToGo für 2015 aus?
Heigl: Wir wollen in diesem Jahr auf mehr als zwei Millionen Objekte wachsen und mehr als 250 Anbieter akquirieren. Des Weiteren möchten wir unsere Seite in bis zu zehn Sprachen anbieten und unseren Suchalgorithmus weiter optimieren.

Im April konnte HomeToGo mit Acton Capital Partners und DN Capital neue Wachstumsfinanzierer gewinnen. Mit diesem neuen Kapital möchte die Metasuchmaschine für Ferienhäuser sein Wachstum stärken und weiter international expandieren.

Anbieter von Reiseportalen verzeichnen einen immer höher werdenden Anteil an Smartphone- und Tablet-Nutzern. In diesem Jahr könnten die mobilen Seitenaufrufe erstmals klassische Webseiten überholen.

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