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CPX Performance Marketing Gipfel Online Marketing ohne Google und Facebook ist möglich, aber sinnlos

shutterstock.com/OlegDoroshin
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Dass Google und Facebook aus unserer Online-Marketing-Welt nicht mehr wegzudenken sind, dürfte jeder verstanden haben. Wie sich das in der Praxis zeigt, versuchten die Redner des CPX Performance Marketing Gipfels aufzuzeigen.

Google, Google, Facebook, Facebook, Facebook, wieder Google und Mobile: So fällt zumindest das zugegebenermaßen sehr geraffte Fazit des gestrigen CPX Gipfels aus. Stolze 18 Experten aus der großen weiten Performance-Marketing-Welt gaben Insights, sprachen über die neuesten Trends und versuchten ihren Zuhörern eines deutlich zu machen: Online Marketing ohne Google und Facebook ist möglich, aber sinnlos.

Wenig verwunderlich, dass Google das auch so sieht. Keynote-Redner Dominik Wöber, Head of Performance Solutions DACH und CEE bei Google Germany, eröffnete den Gipfel und beschäftigte sich mit der schon öfter gehörten Frage, ob das mobile Web denn nun wirklich tot ist. Die Diskussion ist insofern legitim, als dass Apps inzwischen die häufigere Nutzungsfrequenz, bessere Conversionrates und - bei Shopping-Anwendungen - die höheren Warenkörbe aufweisen. Wie Wöber erklärte, ist die Debatte auch eine, mit der man sich inhouse beschäftigt. Denn wenn Google heute mit Großkunden über deren Performance Marketing und über die Gestaltung und Aussteuerung von entsprechenden Kampagnen spricht, geht es vor allem um eines: Die Optimierung für Mobile.

Wöbers nicht ganz so überraschende Antwort: Selbstverständlich ist das mobile Web noch nicht der Macht der Apps erlegen, das wäre deutlich zu früh gegriffen. Denn Downloads, egal von welcher Länge, sind und bleiben eine Blockade für die Nutzer. Die Absprungrate ist nach wie vor hoch, was Werbungtreibende viel Geld kostet. Eine genannte Studie ergab etwa, dass die durchschnittlichen Kosten für einen User beim App-Download bei 4,00 Euro liegen, bei mobile Web Usern seien es 0,35 Euro. Ein weiteres App-Problem: Die mobilen Anwendungen werden oft nur einmal genutzt und danach vergessen beziehungsweise wieder gelöscht.

Progressive Web Apps

Ein spannender Ansatz für Wöber, der das beste beider Seiten kombinieren möchte, ist die Progressive Web App Technologie, ein Projekt diverser Browser-Hersteller. Sie gilt als nächste Stufe moderner Webanwendungen, erklärte der Google-Mann. Progressive Web Apps ähneln nativen Anwendungen und bieten dank aktueller Browserstandards unter anderem Offline-Verfügbarkeiten, Push-Notifications im "richtigen Moment" oder Datensynchronisation im Hintergrund. 

Auch erste Tester gibt es bereits. airberlin ist die weltweit erste Airline, die eine Progressive Web App entwickelt hat. Sie soll die besten Funktionen der airberlin-App und Web-Applikation vereinen und verfügbar machen. So sollen Fluggäste beispielsweise nach einem einmaligen Web Check-in jederzeit auf der Welt ortsunabhängig und ohne Internetverbindung ihre Bordkarte und weitere Reiseinformationen abrufen können.

Facebook Performance Hacks

Als wirkungsvoller Performance-Marketing-Kanal hat sich längst auch Facebook etabliert. Zahlreiche Unternehmen gaben Einblicke in ihr persönliches Facebook Advertising. So auch Malte Galus, Digital Advertising Manager bei construktiv. Er war maßgeblich mitverantwortlich bei der Betreuung des Online Shops by Sharlene. Der Anbieter von Baby-Kleidung und -Zubehör ging als absoluter Facebook-Neuling an den Start, es gab zunächst auch keinen eigenen Online Shop, die Waren wurden über Amazon vertrieben.

Ziel von construktiv war es, ein eigenes Business für by Sharlene aufzubauen, primär dank professionellem Facebook Advertising. Auf der CPX präsentierte Galus seinen Zuhörern acht Facebook Performance Hacks, seine Learnings aus der Zusammenarbeit mit by Sharlene.

  • Hack #1: Wenn kein direktes Tracking möglich ist - im Fall von by Sharlene erlaubte Amazon selbst natürlich kein Tracking - empfiehlt es sich, Affiliate-Portale dafür zu nutzen und entsprechend auf die Produkte zu verlinken.
  • Hack #2: Nutze den "But no one else would"-Trick beim Facebook Targeting. Das heißt: Beim Targeting nach Interessen empfiehlt es sich möglichst tief zu filtern, etwa: Während beispielsweise "Tiger Woods" auch Nicht-Golfern ein Begriff ist, kennen Rickie Fowler vermutlich nur Menschen, die sich etwas näher damit beschäftigen.
  • Hack #3: Nutzer Facebooks Audience Insights und Googles Display Planer zum Analysieren der Zielgrupe
  • Hack #4: Kontrastreiche Anzeigen performen besser
  • Hack #5: Werbeanzeigen splitten, um verschiedene Targeting-Filter auszutesten
  • Hack #6: Lookalike-Targeting ausreizen
  • Hack #7: Geräteübergreifendes Retargeting gezielt einsetzen
  • Hack #8: Google AdWords nicht vergessen und mit Facebook-Kampagnen verlängern

Am Ende des Tages blieb dann bei rauchenden Köpfen eines festzuhalten: Mobile ist nicht nur Alltag, sondern beansprucht die Führungsrolle. Und: In einer always-on-Gesellschaft muss auch die Werbung - egal, über welchen Kanal - im 24/7-Modus sein, antizyklische und phasenweise ausgesteuerte Kampagnen gehören der Vergangenheit an. Das Internet schläft nicht, gute Werbung darf es auch nicht.

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