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Google Venice

Google Update Venice "Hausaufgaben machen, Qualität erzeugen!"

Das aktuelle Google-Update sorgt derzeit für mehr Verwirrung als nötig.

Das aktuelle Google-Update sorgt derzeit für mehr Verwirrung als nötig.

Das letzte Google-Update mit dem Namen "Venice" sorgte für rege Diskussionen und stellenweise auch lautes Wehklagen in der SEO-Welt. Aber sind die Auswirkungen tatsächlich so tiefgreifend? INTERNET WORLD Business hat SEOs und Agenturen nach ihrer Meinung gefragt.

Von Zeit zu Zeit aktualisiert Google seinen Suchalgorithmus, was mit schöner Regelmäßigkeit zu Unruhe in der SEO-Welt führt. Zuletzt sorgte das "Venice"-Update (beziehungsweise insbesondere "Update 36") für Unmut: Dieses besagt, dass Suchergebnisse mit lokalem Bezug bevorzugt und damit besser gerankt werden.

Während sich manche in Foren lauthals beklagen, sie wären von Google abgestraft worden, schlagen andere moderatere Töne an. "Negative Auswirkungen des Venice-Updates konnte ich bisher nicht feststellen," erklärt etwa Thomas Langwaldt von der lokalen Allgäuer SEO-Agentur IT Rankdesign. Er optimiert die Seiten seiner Kunden ohnehin auf den lokalen Bezug und kann daher unter Umständen sogar von "Venice" profitieren. 

Wer profitiert also von "Venice" und wer verliert? INTERNET WORLD Business hat führende deutschen SEOs und -Agenturen um eine Einschätzung der Dinge gebeten. Lesen Sie auf den nächsten Seiten die Antworten von Pascal Fantou (Cogito Ergo), Marcus Tober (Searchmetrics), Frank Schräpler (Profi-Ranking) und Christian Mauer (Sumo).

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1. Welche Auswirkungen hat das Venice-Update?
2. Wie kann man auf das Update reagieren?
3. Wie lässt sich Venice zum eigenen Vorteil nutzen?
4. Wie erhält man einen objektiven, standortunabhängigen Überblick das Ranking einer Seite?
5. Wie kann die Leistung einer SEO-Agentur bewertet werden?

1. Welche Auswirkungen hat das Venice-Update?

Marcus Tober (Searchmetrics): "Das Venice Update betont lokale Ergebnisse in der Google Suche. Wer etwa in Berlin sitzt, bekommt für viele Suchbegriffe eher Ergebnisse aus Berlin angezeigt als ein Münchner. Das ist im Grunde nichts Neues, für naheliegende Begriffe wie 'Dachdecker' wurden schon immer lokale Ergebnisse bevorzugt. Aber in der Intensität und Breite hat sich diese Lokalisierung verschärft. Für SEOs bedeutet Venice vor allem, dass sie noch einmal genauer darüber nachdenken sollten, für welche Keywords sie mit welcher Unterseite gefunden werden wollen - ob es eventuell einen lokalen Bezug gibt."

Christian Mauer (Sumo): "Im Moment sind die Auswirkungen des Venice-Updates im täglichen Doing noch überschaubar, da die Veränderungen zum Einen nur einen relativ kleinen Anteil aller Suchanfragen betreffen und zum Anderen zunächst genauer analysiert werden muss, welche Schwerpunkte Google genau setzt beziehungsweise auf welche Details einer Webseite Google nun mehr oder weniger Wert legt. 
Übergeordnet betrachtet ist aus unserer Sicht auch noch nicht abzusehen, ob das Update bzw. die Algorithmusveränderungen in der jetzigen Form überhaupt Bestand haben werden, denn die Systematik dahinter ist - ganz Google-untypisch - ziemlich unlogisch. Bei zahlreichen betroffenen Suchbegriffen macht eine grundsätzliche lokale Einschränkung der Ergebnisse überhaupt keinen Sinn, da sie den User in einer sicherlich nicht gewünschten Weise bevormundet. Das kann zu deutlicher Unzufriedenheit mit dem Suchdienst führen und den einen oder anderen User eventuell auch mal nach Google-Alternativen suchen lassen. Die bisherige Lösung über Google Maps bzw. Places in den Suchergebnissen war da sicherlich besser."

Frank Schräpler (Profi Ranking): "Auf manche SEOs hat Update 'No. 36' große Auswirkungen, auf manche gar keine. Es hängt stark davon ab, welche Keyword-Sets/Branchen man betrachtet beziehungsweise als SEO betreut. Bei interessanten Einzelkeywords wie 'SEO' beispielsweise spüren sicherlich einige Anbieter negative Auswirkungen, da sie von lokalen Anbietern verdrängt wurden. Die Google-Rankings verlieren aus meiner Sicht durch die anscheinend etwas unüberlegte Auswahl der lokal ausgesteuerten Keywords deutlich an Qualität!"

Pascal Fantou (Cogito Ergo): "Zuerst einmal muss man sagen, dass Google in einem kontinuierlichen Fluss ständig versucht, bessere Ergebnisse zu produzieren. Für fast alle Unternehmen ist es irrelevant, welches vermeintliche Update gerade aktuell ist. Diese Energie ist besser in die Qualität und Einzigartigkeit des eigenen Angebotes gesteckt. 
Es ist in den letzten Monaten eine seltsame Hysterie entstanden, in der kleinste Seitenbetreiber hektisch werden und verkünden, dass Sie vom 'Google-Update xyz ungerechtfertigt abgestraft' wurden. Bei der näheren Analyse zeigt sich oft, dass weder das Symptom noch die Ursache richtig eingeschätzt wurden."

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2. Wie kann man auf das Update reagieren?
3. Wie lässt sich Venice zum eigenen Vorteil nutzen?
4. Wie erhält man einen objektiven, standortunabhängigen Überblick das Ranking einer Seite?
5. Wie kann die Leistung einer SEO-Agentur bewertet werden?

2. Wie kann man auf das Update reagieren?

Christian Mauer (Sumo): "Aktionismus halte ich zunächst für unangebracht. Was man natürlich unmittelbar tun sollte, ist zu prüfen, ob die eigene Seite bzw. das eigene Keyword-Set von den aktuellen Änderungen in relevantem Umfang betroffen ist - was nur bei einem geringen Anteil der Webseiten der Fall sein wird. Bei den meisten unserer gut 200 Kunden ist dies nicht der Fall."

Pascal Fantou (Cogito Ergo): "Wie auch an den Tagen vor jedem Update: Hausaufgaben machen, Qualität erzeugen, gut tracken. Ich betrachte ein Suchergebnis immer unter dem Aspekt: Wenn ich ein Redakteur wäre, und für diese eine Seite zuständig, was wäre dann meine Auswahl für meine (guten) Freunde. Solche Seiten sollte man produzieren.
Früher hätte ich "bookmarkable" dazu gesagt, heute in einem Wort "shareworthy" - also Wert, mit meinen Freunden geteilt zu werden."

Marcus Tober (Searchmetrics): "Wer mit einer nicht-lokalen Seite für lokale Suchanfragen gute Positionen anstrebt, wird es nun noch schwerer haben und wird sich letztlich nicht vor schlechteren Positionen bewahren können. Lokale und regionale Unternehmen sollten nun darauf achten, dass ihre Seiten tatsächlich auch die Herkunft wiederspiegeln.
Und bei Suchbegriffen, die einfach keinen lokalen Bezug haben, wird die Schärfe des Updates sicherlich wieder zurück genommen. Google achtet zunehmend auf die Klickraten in den Ergebnissen - und dort, wo keine lokalen Ergebnisse geklickt werden, werden diese auch wieder verschwinden."

Frank Schräpler (Profi Ranking): "Man könnte zum Beispiel viele lokale Ebuero-Adressen anmieten und sie promoten (was für die meisten Online-Projekte unrealistisch sein dürfte), oder aber mit 'lokalen Unterseiten' (also meinefirma-berlin.html, meinefirma-muenchen.html, etc.) Google davon überzeugen, dass man lokal relevant ist.
Letztlich ist das Problem, dass Google bei der Auswahl der Keywords nicht bedacht zu haben scheint, dass ein bekannter SEO/Alleinunterhalter/Coach natürlich auch zu seinen Kunden in die entfernteste Ecke Deutschlands fährt. 
Wenn man nach einem Einzelkey sucht, sollte aus meiner Sicht tatsächlich die deutschlandweit Besten, nicht die regional nächsten gelistet werden. Außer bei 100 Prozent lokalen Suchen zum Beispiel nach einem Friseur, Bäcker, Krankenhaus oder Hausmeister macht die momentane Vorgehensweise für mich keinen Sinn."

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3. Wie lässt sich Venice zum eigenen Vorteil nutzen?

Pascal Fantou (Cogito Ergo): "Dass der Kontext des Nutzers immer wichtiger wird, wissen wir schon seit den klassischen 'Wetter'-Suchen, die auf einmal regionale Wettervorhersagen im Ergebnis brachten. Das macht ja auch absolut Sinn. Wenn ich also einen lokalen Kontext habe, sollte ich das auch kundtun.
Und für die Zukunft kann ich mich fragen: welchen Kontext kann es noch geben? Aktuell ist der Autor ein wichtiges Thema, und so etwas wie Bewertungen gewinnt auch an Relevanz."

Marcus Tober (Searchmetrics): "Wenn ich ein lokales Angebot habe, werde ich durch das Update gewinnen. Ein Handwerker in Eschweiler wird es nun noch leichter haben, seine Kunden dort zu erreichen.
Etwas schwieriger wird das etwa für einen Anbieter, der sein Handwerk bundesweit anbietet. Dieser sollte seine regionalen Schwerpunkte identifizieren und dafür jeweils lokale Seiten entwickeln, also etwa 'Maler in München', 'Maler in Berlin', und so weiter."

Frank Schräpler (Profi Ranking): "Ja, wie bereits angesprochen durch inhaltlich lokalen 'Pseudo-Spam' - ich kenne bereits einige Kollegen, die dahingehend aufrüsten. Regionale Anbieter werden aus meiner Sicht nur relativ wenig zusätzlich profitieren, da sie auch zuvor schon gut gefunden wurden. Der Suchende hatte auch die letzten Jahre schon ausreichend Verständnis, um z.B. nach 'Krankenhaus Berlin' zu suchen."

Christian Mauer (Sumo): "Für Unternehmen, die tatsächlich lokalen Bezug aufweisen, etwa zahlreiche Filialen in Deutschland besitzen, würde das Update in jetziger Form natürlich neue Möglichkeiten zur Positionierung eröffnen, da Webseiten ohne diesen lokalen Bezug nach hinten durchgereicht werden und ich mich mit einer entsprechenden Anpassung auf meiner Seite lokal stärker positionieren kann.

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5. Wie kann die Leistung einer SEO-Agentur bewertet werden?

4. Wie erhält man einen objektiven, standortunabhängigen Überblick über die Ranking-Qualität einer Seite?

Pascal Fantou (Cogito Ergo): "Zum einen gibt es da Toolanbieter wie Searchmetrics, deren Brot-und-Butter-Geschäft darin besteht, valide Daten zu liefern. Dass das durch die Fragmentierung der Suchergebnis-Seiten immer schwerer wird, ist klar. Meiner Meinung ist aber das wichtigste Thema nicht das reine Ranking, sondern der Traffic und die daraus folgenden Conversions.
Der nächste Schritt sind dann Potenzialanalysen, das fließt ins Ranking mit ein, aber natürlich auch Suchvolumen, Wettbewerbsstärke, historische Conversions und andere."

Frank Schräpler (Profi Ranking): "Letztlich nur durch die Umstellung der Google-Suche auf 'Deutschland' oder 'DE' (linke Spalte, Voreinstellung ist der von Google vergebene Standort - unsere eigenen Inhouse-SEO-Tools sind schon lange darauf umgestellt).
Wirklich objektiv ist das aber nur dahingehend, dass man ein allgemein vergleichbares Ranking sieht. Wie viel Traffic daraus resultieren könnte, kann man nach dem Update daraus leider nicht mehr ableiten. Da die zusätzlichen lokalen Treffer (bisher) erst ab Position 4 eingeschoben zu scheinen werden, ist nun also das Ziel, mit den wichtigsten Keywords in die generischen Top-3 Rankings zu gelangen. Das galt für einen guten SEO aber auch schon zuvor."

Christian Mauer (Sumo): "Falls meine Seite bzw. Keywords überhaupt davon betroffen sind, ist der einfachste Weg, ich ändere meinen 'Standort' im Google-Ergebnis manuell auf 'Deutschland', dann bekomme ich noch ziemlich neutrale Ergebnisse. Auch scheinen die großen SEO-Tools wie etwa Sistrix bei ihren Auswertungen keinen lokalen Bezug zu berücksichtigen und daher neutrale Platzierungsauswertungen zu bieten.
Das Problem ist natürlich, dass die User die 'Neutralisation' des Standortes nicht vornehmen, bedeutet, ich weiss dann zwar, wie meine Seite theoretisch bzw. lokal neutral im Vergleich zu anderen Seiten rankt, aber jede einzelne Abfrage eines Users hat dann einen Bezug zu einem Ort und wird andere Ergebnisse hervorbringen. Ich habe also keinen Überblick mehr über die praktische Sichtbarkeit meiner Seite."

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3. Wie lässt sich Venice zum eigenen Vorteil nutzen?
4. Wie erhält man einen objektiven, standortunabhängigen Überblick das Ranking einer Seite?
5. Wie kann die Leistung einer SEO-Agentur bewertet werden?

5. Wie kann die Leistung einer SEO-Agentur bewertet werden?

Marcus Tober (Searchmetrics): "Es ist für Kunden und SEOs nun noch wichtiger, sich in den Zielvereinbarungen nicht nur auf die Rankings einzelner Suchbegriffe zu fokussieren. Andere, vernünftige KPIs sind via Google-Traffic verkaufte Einheiten, Conversions, Traffic, und so weiter. Hier müssen SEO-Agentur und Kunde in einen vertrauensvollen Dialog treten." 

Frank Schräpler (Profi Ranking): "Ich denke, mittelfristig wird Update No. 36 den SEO-Markt eventuell etwas 'bereinigen', da insgesamt auf weniger trafficstarke Positionen optimiert werden kann. Das wiederum wird Google weitere neue Adwords Kunden bescheren und die Adwords Kosten weiter in die Höhe treiben. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt ...
Abgesehen davon wird sich die SEO-Leistung aber auch weiterhin an konkreten SEO-Trafficmengen und Conversions via Google bemessen lassen und dadurch mit Adwords-Kosten vergleichbar bleiben. SEO wird auch nach No. 36 die beste kommerzielle Traffic-Alternative zu Adwords bleiben." 

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2. Wie kann man auf das Update reagieren?
3. Wie lässt sich Venice zum eigenen Vorteil nutzen?
4. Wie erhält man einen objektiven, standortunabhängigen Überblick das Ranking einer Seite?
5. Wie kann die Leistung einer SEO-Agentur bewertet werden?

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