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alaTest-CEO Arie Struik über die Folgen von Googles Panda-Update

alaTest-CEO Arie Struik über die Folgen von Googles Panda-Update "Google misst mit zweierlei Maß"

Kritisiert mangelnde Gesprächsbereitschaft bei Google: Struik

Kritisiert mangelnde Gesprächsbereitschaft bei Google: Struik

Googles Panda-Update hat die Preis- und Produktvergleichsdienste hart getroffen. Zu Unrecht, findet Arie Struik, Gründer und CEO von alaTest, und wirft dem Internetkonzern im internetworld.de-Interview mangelndes Verantwortungsbewusstsein vor.

Herr Struik, wie viel Traffic hat alaTest das Panda-Update gekostet?

Arie Struik: In Deutschland haben wir rund 35 Prozent des Traffics über Google verloren, in den USA und Großbritannien war es sogar noch mehr.

Wieso ist gerade alaTest so stark betroffen?

Struik: Mit Panda wollte Google die Qualität der Suchtreffer verbessern und die Inhalte der Contentfarmen blockieren. Erwischt hat es dabei jedoch auch seriöse Aggregatoren wie uns. Und das ist nicht richtig, denn alaTest hilft Konsumenten bei ihren Kaufentscheidungen, indem es ihnen einen Überblick über Testberichte und Bewertungen von Produkten liefert. Darf ich Ihnen ein Beispiel zeigen?

Sehr gerne.

Struik: Sehen Sie sich die deutschen Ergebnisse für die Kamera Olympus XZ-1 an: Auf Platz eins finden Sie den Hersteller selbst, dann folgt Google Shopping, anschließend kommen sieben Testberichte. Wenn Aggregatoren dem Nutzer schlechten Service bieten, dann dürfte auch Google Shopping nicht so weit oben stehen. Wenn sie guten Service bieten, dann müsste alaTest besser als Google Shopping ranken, weil wir weit mehr Berichte integriert haben. Und dass Google Testberichte für wichtig hält, zeigt deren prominente Platzierung. Komisch ist nur, dass Google dennoch uns für Spam hält und ihren eigenen Dienst für Qualität.

Hart hat es auch die reinen Preisvergleichsseiten getroffen…

Struik: Um weiterhin genügend Besucher zu bekommen, müssen Preisvergleichsseiten nun Textanzeigen für Begriffe buchen, zu denen sie vorher Traffic über die organische Suche bekamen. Das wird sich jedoch nicht lange rechnen, denn je mehr Firmen auf ein Keyword bieten, umso teurer wird es. Die Preisvergleichseiten haben einen weiteren Nachteil gegenüber Google Shopping: Während die Shops ihnen für jeden vermittelten Besucher eine Provision zahlen müssen, liefert Google Shopping ihnen den Traffic gratis.

Halten Sie Googles Vorgehen für Absicht oder ein Versehen?

Struik: Ich glaube, dass Google das Beste für den Nutzer will – sonst würden das Unternehmen ja seiner Mission widersprechen und Böses tun. Absicht ist jedoch, dass der Konzern für Diskussionen nicht erreichbar ist. Wer ein Monopol hat, hat auch Verantwortung – und die nimmt Google nicht wahr. Es gibt niemanden, an den wir – und andere - uns wenden können, obwohl wir seit Jahren immer wieder Gesprächen mit Mitarbeitern geführt haben und das Unternehmen interessiert an uns war.

Sie sprechen von Interesse – hat Google versucht, alaTest zu kaufen?

Struik: Wir haben seit mehreren Jahren darüber geredet, wie alaTest helfen kann, Google Shopping zu verbessern. Jetzt erscheinen wir auf Seite 50 der Suchergebnisse und Google auf Platz zwei. Das ist doch seltsam.

Wie gehen Sie jetzt weiter vor?

Struik: alaTest ist seit 2004 auf dem Markt, in 19 Ländern vertreten und hat 55 Mitarbeiter. Wir haben finanzielle Rücklagen und stabile Einnahmen. Deshalb setzen wir die internationale Expansion wie zum Beispiel aktuell in Russland fort und konzentrieren uns weiter auf die Qualität der Website mit Fokus auf den Konsumenten, und nicht auf den Panda-Algorithmus.

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