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Googles Buchprojekt liegt auf Eis

Googles Buchprojekt liegt auf Eis

Das ebenso ambitionierte wie umstrittene Projekt des US-Konzerns Google, so viele Bücher wie möglich zu digitalisieren und diese über das Internet zu vertreiben, ist zum Stillstand gekommen. In mehreren Ländern klagen die Verlage gegen das Projekt in seiner derzeitigen Form.

In den USA hat der zuständige Richter Denny Chin in New York eine für Anfang Oktober geplante Anhörung der Verleger und Autorenverbände auf deren Wunsch verschoben. Der Grund ist, dass die vorliegende Vereinbarung zwischen Google und den Verlagen noch nicht der endgültigen Fassung entspricht. Deshalb sei eine richterliche Entscheidung darüber derzeit nicht sinnvoll, teilte das Gericht mit.

Die Parteien wollen nun die von Google angekündigten Änderungen abwarten und danach über die weiteren Schritte beraten. Als Termin dafür steht der 6. November im Raum. Bisher sah das Abkommen vor, dass Google gegen eine Zahlung von 125 Millionen US-Dollar das Recht erhält, die Bücher aus Universitäten und Bibliotheken zu scannen und sie dann im Internet zu veröffentlichen. Davon betroffen seien auch mehrere Millionen urheberrechtlich geschützter Werke. Dagegen laufen weltweit die Verleger Sturm.

Gestern begann in Paris ein Prozess gegen Google, den der französische Verband SNE und der Schriftstellerverband SGDL angestrebt hatten. Sie werfen Google Fälschung vor, da der Konzern seit 2005 ohne Genehmigung rund 100 000 französische Bücher digital erfasst habe. Auch in Frankreich verhandele das Unternehmen mit der Nationalbibliothek über eine Digitalisierung ihrer Bestände. Diese ist an dem Angebot sehr interessiert, da ihr das Geld fehlt, um dieses Projekt selbst zu stemmen. Aus diesem Grund begrüßt auch die EU-Kommission die Pläne von Google.

In Deutschland wurde die Verschiebung positiv beurteilt. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries sagte, sie sei froh, dass die Parteien in den USA eingesehen hätten, dass nicht erst Fakten geschaffen werden können und man anschließend darauf warte, dass diese durch ein Gericht legalisiert würden. Die Bundesregierung stehe in dieser Frage hinter den deutschen Autoren und Verlegern und wird sich für deren Rechte stark machen.

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