INTERNET WORLD Business Logo Abo

Entwicklerkonferenz I/O Google will mit Android die Welt beherrschen

Auf der Entwicklerkonferenz I/O hat Google gezeigt, wie es sich die Zukunft vorstellt: Mit dem Betriebssystem Android will der Konzern in alle Lebensbereiche vordringen - und stößt damit auf Kritik.

Google will sein Betriebssystem Android für zahlreiche neue Plattformen ausbauen und dadurch die (mobile) Welt erobern. Das ist die zentrale Botschaft der Entwicklerkonferenz Google I/O, die gestern Abend im Rahmen einer zweistündigen Keynote in San Francisco eröffnet wurde. Das Motto: "Design, Develop, Distribute". 

Der Allmachtanspruch des Internetkonzerns, der immer offensiver formuliert wird, trifft allerdings nicht überall auf ungeteilte Begeisterung. Vor dem Hauptquartier der Firma hatten bereits im Vorfeld der Veranstaltung Demonstranten ihre Zelte aufgeschlagen, die vor dem Verlust der Freiheit im Internet warnten. Drinnen ließ man sich die Stimmung - trotz Störaktionen vereinzelter Teilnehmer - allerdings nicht vermiesen. Die rund 6.000 Gäste - die meisten davon Entwickler - klatschten bei jeder neuen Ankündigung artig Beifall. Und Google hatte in der Tat einige Neuheiten im Gepäck.


Während es im Hardwarebereich - außer ein paar bereits angekündigten Smartwatches und einem Billig-Smartphone für Schwellenländer - nur wenig zu sehen gab, stand ganz klar das Betriebssystem Android im Mittelpunkt des Geschehens. Dieses beherrscht bereits die Smartphone- und Tablet-Welt - und diese Dominanz strebt Google nun auch in weiteren Bereichen an. Im Auto, im Wohnzimmer oder am Handgelenk - überall dort will der Konzern mit seinem Betriebssystem in Zukunft (noch stärker) Präsenz zeigen.

Projekt L: Neue Features für Smartphone und Tablets

Vor diesem Hintergrund hat Google gleich mehrere neue Android-Varianten vorgestellt: Die nächste Version für Smartphones und Tablets, die derzeit unter dem Namen "Project L" entwickelt wird, soll zahlreiche neue Funktionen bieten. Dazu zählt beispielsweise ein Mitteilungsdienst, der Meldungen und Hinweise auf dem Sperrbildschirm anzeigt. Zudem sollen fortan auch 64-Bit-Prozessoren unterstützt werden; auf bestehender Hardware werde Projekt L erheblich schneller laufen als die bisherigen Android-Versionen, verspricht Google.


Darüber hinaus wurde ein Android Extension Pack gezeigt, das die Grafikleistung für Spiele verbessern soll. Auch das Design wurde stark überarbeitet, das jetzt mit mehr Klarheit punkten soll. Gleichzeitig ist es nun möglich, Elemente der Benutzeroberfläche räumlich in mehreren Ebenen zu stapeln.


Neben Project L gab Google noch einen Ausblick auf zwei weitere Varianten: Android Auto und Android TV. Erstgenannte soll in Fahrzeugen die Benutzeroberfläche der Bordcomputer übernehmen, sobald ein Android-Smartphone damit verbunden wird. Fortan können zentrale Dienste wie Navigation, Kommunikation oder Musik vom Mobiltelefon eingespielt und gesteuert werden. Mit dem Konzept positioniert sich Google insbesondere gegen Apples Carplay, das einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgt. Zahlreiche Hersteller haben bereits angekündigt, das System verwenden zu wollen. Android TV wiederum wurde speziell für das Smart Home konzipiert und soll Google-Dienste in Smart-TV-Geräte oder Set-Top-Boxen integrieren.

Billig-Smartphones für Schwellenländer

Für Aufsehen sorgte auch die neue Smartphone-Plattform Android One, die Smartphones zum Preis von unter 100 US-Dollar ermöglichen soll. Das Referenzdesign sieht ein 4,5 Zoll großes Display, einen SD-Karten-Slot, Dual-SIM-Unterstützung und ein Radio vor. Mit dem Projekt möchte das Unternehmen eine Milliarde Menschen in Schwellenländern wie Indien als neue Kunden gewinnen.


Anders als erwartet, gab es indes keine Neuigkeiten zur Datenbrille Google Glass, die demnächst auch nach Europa kommen soll. Beobachter hatten mit der Präsentation einer neuen Consumer-freundlicheren Modellvariante gerechnet. Auch über Google+ wurde nicht gesprochen - im Vorfeld gab es Gerüchte, wonach der Internetriese sein soziales Netzwerk aufgrund der geringen Akzeptanz bei den Nutzern grundsätzlich überarbeiten wolle.

Kritikern ist das Lachen vergangen

Als Google vor einigen Jahren ein eigenes mobiles Betriebssystem ankündigte, wurde der Internetkonzern von vielen Marktbeobachtern nur müde belächelt. Heute ist den Kritikern das Lachen vergangen. Android dominiert inzwischen die Smartphone- und Tablet-Welt, und Google will noch mehr. Ziel des Konzerns ist es nun, in weitere Lebensbereiche vorzustoßen, um dort sein Betriebssystem auf breiter Basis zu etablieren.


Auf den ersten Blick profitieren Nutzer von den vielen neuen Diensten und Möglichkeiten, die ihnen Android im Alltag bietet. Doch freilich hat Google vor allem eines im Sinn: Geld verdienen. Und je breiter die Basis, desto intensiver werden Google-Dienste wie die hochprofitable Suchmaschine oder die Kartendienste genutzt, die mit Werbung bestückt sind. Diese Intention sollte man stets im Hinterkopf behalten, wenn man die Aktivitäten von Google - und vor allem den damit verbundenen Anspruch auf die mobile Alleinherrschaft - betrachtet.

Das könnte Sie auch interessieren