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Manunia Friedel

Fokusgruppe Mobile im BVDW 1 Jahr nach Mobilegeddon: "Der große Knall blieb aus"

Manunia Friedel (Bornholdt Lee), stv. Vorsitzende der Fokusgruppe Mobile im BVDW

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Manunia Friedel (Bornholdt Lee), stv. Vorsitzende der Fokusgruppe Mobile im BVDW

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Vor genau einem Jahr gab Google bekannt, mobil-optimierte Seiten im Ranking stärker zu berücksichtigen. Manunia Friedel von der Fokusgruppe Mobile im BVDW zieht Bilanz und nennt die wichtigsten Learnings.

Der 21. April 2015 sorgte bei vielen Webseiten-Betreibern für großes Kopfzerbrechen. An diesem Tag trat Googles - in Fachkreisen ehrfürchtig "Mobilegeddon" genannte - Algorithmus-Änderung in Kraft. Das Update berücksichtigt "Mobile-Friendly Sites" im Ranking seitdem stärker und sollte mehr Einfluss auf Webseiten haben als Penguin und Panda. Wie es nun, ein Jahr später, tatsächlich aussieht, erklärt Manunia Friedel (Bornholdt Lee), stellvertretende Vorsitzende der Fokusgruppe Mobile im BVDW.

Vor einem Jahr sorgte "Mobilegeddon" für einen wahnsinnigen Medien-Hype. Mit Blick zurück: War dieser gerechtfertigt?
Manunia Friedel: Das Schreckgespenst "Mobilegeddon" steht für die vor einem Jahr von Google bewusst herbei geführte, schlechtere Auffindbarkeit von nicht für mobile Endgeräte optimierten Webseiten. Der Medien-Hype war in gewisser Weise gerechtfertigt, denn schon im Mai 2015 zeigte eine Studie, dass nicht mobil-optimierte Webseiten bis zu 50 Prozent Ranking-Verluste aufwiesen. Aber alleine die hochstilisierte Begrifflichkeit "Mobilegeddon" ließ doch deutlich Schlimmeres befürchten.
 
Wie stark waren die Auswirkungen nun tatsächlich? Können Sie Zahlen nennen?
Friedel: Bei weitem nicht so extrem, wie viele es erwartet hatten. Viele Webseiten-Betreiber sind in diesem Zusammenhang nicht wegen des direkten Ranking-Verlusts auf Mobile-Experten zugegangen, sondern allein wegen Befürchtungen durch Googles Ankündigung an sich. Insofern hat das Update sicherlich zu einem höheren Anteil mobil optimierter Seiten geführt. Der große Knall blieb aber aus - auch weil Google diesen Übergang Stück für Stück gestaltet.
 
Wem hat das Update am meisten geschadet respektive genutzt?
Friedel: Genutzt hat es prinzipiell allen. Dem Betreiber der Seite, dem Nutzer und natürlich auch Google selbst. Wer das Thema bereits in den vergangenen Monaten angegangen ist oder gerade in den Startlöchern steht, kann seinen Mitbewerbern auch hier einen Schritt voraus sein und seine Seite durch eine zusätzliche Mobile-Optimierung im Google Ranking pushen, was sich wiederum deutlich auf den Traffic der Seite auswirken kann. Umgekehrt wird es natürlich zunehmend zum Nachteil, wenn die eigene Seite mit einer für Nutzer unfreundlichen Darstellung auf mobilen Geräten negativ auffällt.
 
Was sind die wichtigsten Learnings aus der Algorithmus-Änderung?
Friedel: Nicht in Panik verfallen, aber das Thema auf jeden Fall noch in 2016 angehen. Unabhängig von Googles Einstufung der Seiten im Ranking ist schließlich Fakt, dass mobil-freundliche Seiten Auswirkungen auf verschiedene KPI und die Benutzerfreundlichkeit haben. Aber es zeichnet sich doch seit Jahren ab, dass sich die Internetnutzung mehr und mehr in Richtung mobiler Endgeräte verschiebt. Wer diesem Nutzungsverhalten folgt, wird durch solche Anpassungen der Suchalgorithmen in aller Regel nicht vor Probleme gestellt. Es ist doch genau das, was Google selbst tut: Das Produkt den Bedürfnissen der Nutzer anpassen.
 
Erst kürzlich machte "Mobilegeddon 2" Schlagzeilen. Wie sehr ist das ernst zu nehmen?
Friedel: Es kann passieren, dass Websites, die zum angekündigten nächsten Google Update am 21. April noch nicht mobil optimiert sind, bei Google auf Dauer ein schlechteres Ranking erhalten werden. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass der Ranking-Verlust verzögert einsetzt und das Mobile Update somit sukzessive seine Wirkung zeigt. Das kann unter anderem auch an einzigartigem und für den Nutzer relevanten Content liegen, den Google honoriert. Auch beschränken sich die Ranking-Veränderungen überwiegend auf die mobilen Suchergebnisse. Ernst zu nehmen ist Mobilegeddon 2 aber auf jeden Fall. Selbst wenn die Auswirkungen nicht auf einen Schlag sichtbar sein werden - es wird sie geben, wenn auch schrittweise. 
 
Eine kleine Prognose: Was können wir von Google in Sachen Mobile und Algorithmus noch erwarten?
Friedel: Laut statista gab es 2015 weltweit 2,5 Milliarden mobile Internetnutzer. Ich habe keine Zweifel, dass Google sich mit seiner Suche auch weiter an den Nutzungsgewohnheiten seiner Nutzer orientieren wird - und die gehen nun mal mehr und mehr mobil ins Internet.

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