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Googles AMP 1 Jahr Accelerated Mobile Pages: Das hat sich bisher getan

shutterstock.com/a-image
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Vor gut einem Jahr hatte Google ein neues Projekt vorgestellt. Es sollte dafür sorgen, dass mobile Webseiten schneller laden. Was ist nun - zwölf Monate später - aus den Accelerated Mobile Pages (AMP) geworden?

Der mobile Lesespaß hält sich oft in Grenzen. Webseiten auf Smartphones laden langsam und schwerfällig, die Nutzer brechen den Vorgang oft ab, ohne überhaupt eine Zeile des Artikels gesehen zu haben. Das wollte Google vor etwa einem Jahr ändern und rief sein Accelerated Mobile Pages (AMP)-Projekt ins Leben, das durchaus als Reaktion auf Dienste wie Apple News oder Facebooks Instant Articles zu verstehen ist.

Das Framework der Open-Source-Initiative ermöglicht es Publishern, ihr Datenvolumen zu reduzieren und ihre Seiten im Schnitt in weniger als einer Sekunde zu laden. Dazu muss lediglich ein Plugin installiert werden. Mittels AMP werden dann alle Inhalte über das Open-Source Framework AMP HTML ausgeliefert. Es besteht dabei aus einem sehr reduzierten und simplen HTML-, CSS- und JavaScript-Gerüst, das die Basis-Elemente nach und nach lädt, also erst Text, dann Bilder, Videos und Werbung.

Konkret sollen durch folgende Einschränkungen die Seiten beschleunigt werden:

  • Java Script: Nur die bereitgestellten Funktionen können genutzt werden
  • CSS: nur ein einziges <style>-Element im Quellcode mit maximal 50 Kilobyte Größe, einige ­CSS-Elemente sind gar nicht erlaubt
  • Keine Formulare

Zum AMP-Beginn waren neben internationalen Playern wie der BBC, der Washington Post oder El Pais auch einige deutsche Verlagshäuser mit dabei wie die Zeit und die Frankfurter Allgemeine.

Im Mai 2016 waren 640.000 Domains weltweit an Bord. Inzwischen hat Google bereits über 600 Millionen AMP-Dokumente indexiert, pro Woche kommen weitere vier Millionen dazu. 

Intro to AMP (Accelerated Mobile Pages)

Juni und Juli 2016: Fokus auf Werbung

Im Juni 2016 fokussierte sich Google verstärkt auf Anzeigen und launchte drei neue Anzeigenformate für AMP. Bei den neuen Anzeigentypen handelt es sich um Sticky Ads, die mehr Viewability bei uneingeschränktem Nutzererlebnis bieten sollen, sowie Flying Carpet Ads und schnell ladende AMP Ads für AMP-Seiten. 

Bereits einen Monat später kam dann der für viele längst überfällige Schritt: Google startete eine AMP speziell für sein Anzeigengeschäft, mit der Werbungtreibende auf Schnelligkeit optimierte Anzeigen erstellen können.

Mit der "AMP for Ads" werden die bisherigen Vorteile der Accelerated Mobile Pages eins zu eins auf das Werbegeschäft übertragen. Das heißt also: Werbekunden können ihre Anzeigen in AMP HTML designen, so dass der gesamte Inhalt - also der Content des Publishers und die Anzeige - simultan in "AMP-Geschwindigkeit" lädt.

Darüber hinaus will Google künftig auch Landing-Pages mit AMP-Geschwindigkeit anbieten. Werbungtreibende können damit sicherstellen, dass bei einem Klick auf ihre Anzeige auch die dahinterliegende Seite schnell geladen wird. Auch die Landingpages können mit AMP HTML erstellt werden.

September 2016: Fortschritte in der Suche

Das große Highlight kam dann aber im September dieses Jahres: Googles AMP verließ offiziell die Beta-Phase. Und das wiederum hieß: Wurden bisher in Sachen AMP nur Nachrichten-Seiten in der mobilen Websuche berücksichtigt, werden nun auch andere AMP-Inhalte in der mobilen Suche gekennzeichnet.

User sehen, sobald sie die Google-Suche auf ihrem mobilen Device nutzen, eine kleine Markierung, die das Suchergebnis eben als AMP-Seite ausweist. Das Ganze wird keine Auswirkung auf die Suchergebnisse haben, sondern soll dem Nutzer lediglich anzeigen, welche Websites schneller angezeigt werden als andere Ergebnisse.

Ein direktes Abhängigkeitsverhältnis

Aber was bedeutet das alles denn nun für die Publisher? Sowohl Googles AMP als auch Facebooks Instant Articles erfordern auf jeden Fall ein Umdenken bei der Erstellung und Verbreitung von Inhalten. Gerade für Verlage, die jahrelang auf die Hoheit eigener Inhalte mit der eigenen Plattform gesetzt haben, wird hier ein noch intensiverer Bruch stattfinden, meint Schahab Hosseiny, CEO von MSO Digital. Denn obwohl die Inhalte theoretisch auf dem eigenen Webspace gehostet werden, liegt die Cache-Datei - und damit der direkte Abrufpunkt des Artikels - auf den Servern der Tech-Riesen. Ein direktes Abhängigkeitsverhältnis.

Komplexere Monetarisierung des Contents

Daneben wird für Hosseiny auch die Monetarisierung des Contents komplexer: "Denn während auf der eigenen Website Werbeanzeigen in beliebigen Formaten angezeigt werden können, sind diese bei den mobiloptimierten Seiten von Google und Facebook deutlich eingeschränkt". Eine ganz klare Adressierung der zunehmend relevanter werdenden User-Experience im Mobile-Segment.

Der große Vorteil jedoch: Die Steuerung sowohl bei Google wie bei Facebook ist mit Googles DoubleClick-Lösungen kompatibel. "Damit ist zumindest die Einbindung jeglicher Vermarkter möglich, auch Google AdSense und AdExchange sind bei beiden Anbietern einbindbar. "Der Publisher hat also die freie Auswahl des Vermarkters", so der Chef von MSO Digital.

Fakt ist jedenfalls, dass für Nutzer das Erlebnis deutlich verbessert wird. Und: Verlage können ihre Nachrichten weit intensiver und breiter distribuieren, etwa in internetschwachen Regionen.

Studie: Regionalpresse ist mobil zu langsam

Auch bei der regionalen Tagespresse in der DACH-Region ist das Thema angekommen. Allerdings setzt aktuell nur ein Drittel von ihnen Googles AMP ein. Das zeigt eine Analyse von MSO Digital. Die Agentur testete 41 der nach Unique User reichweitenstärksten regionalen Tageszeitungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Von 20 regionalen deutschen Tageszeitungen nutzen demnach nur sechs die AMP-Technologie, in Österreich sind es vier von zwölf, bei den Schweizer Medien drei von neun.

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