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Internationaler E-Commerce Zehn Tipps zur Keyword-Lokalisierung

Trotz der (scheinbaren) Dominanz des Englischen im Netz bevorzugen es die meisten Surfer, Informationen in ihrer Muttersprache zu erhalten. Dies gilt insbesondere im E-Commerce. Händler werden daher nicht umhinkommen, Seiten in verschiedenen Sprachen zu betreiben, wenn sie international verkaufen wollen. Ein wichtiger Punkt dabei ist die Auswahl der richtigen Keywords in der jeweiligen Sprache. Zehn Tipps gibt Christian Arno, Gründer von Lingo24, das professionelle Übersetzungen anbietet.

1. Übersetzen Sie Keywords nicht einfach nur

Vermutlich haben Sie bereits Keywords, die Sie auf der deutschen Version Ihrer Website verwenden und die sich im Idealfall sogar schon bewährt haben. Wenn Sie eine Version Ihrer Seite in einer neuen Sprache schaffen, reicht es nicht, diese mit einem Wörterbuch zu übersetzen. Sie müssen vielmehr recherchieren, welche(s) der oft mehreren Wörter, die es für das jeweilige Wort in der Zielsprache gibt, von deren Sprechern für die Suche im Netz verwendet wird. Beispielsweise wäre "Fernsprecher" eine durchaus richtige Übersetzung für das englische Wort "telephone". Würde man es jedoch als Keyword in der deutschen Version einer englischen Seite verwenden, auf der man Telefone kaufen kann, wäre dies ein Fehler. Denn tatsächlich sucht man in Deutschland mit dem Wort "Telefon", wenn man sich ein solches im Netz kaufen will.

2. Gehen Sie nicht in die Denglizismen-Falle

"Handy" oder "Oldtimer" klingen englisch, sind es aber nicht. Es sind "denglische" oder pseudoenglische Worte, die kein Muttersprachler für die Dinge verwenden würde, für die wir sie benutzen. Ein Brite sucht nach "mobile phone" oder "mobile", ein Amerikaner nach "cellphone" oder "cell", denn das sind die Worte, die von ihnen für Mobiltelefone verwendet werden. Und das, was wir als "Oldtimer" bezeichnen, heißt auf Englisch "Classic Car".

3. Nutzen Sie Keyword-Tools

Wenn Sie ein deutsches Keyword in die Zielsprache übersetzt haben, können Sie nach Synonymen suchen, die in der jeweiligen Sprache von den Surfern gerne als Suchwörter benutzt werden. Das funktioniert nicht anders als im Deutschen und sie können sich dabei von speziellen Keyword Tools helfen lassen.

4. Finden Sie gute Suchbegriffe

Das Finden von passenden Suchbegriffen gestaltet sich in anderen Sprachen im Prinzip auch nicht anders als im Deutschen. Im Idealfall sollten Sie Wörter haben, die zwar von den Surfern häufig als Suchbegriff verwendet werden, jedoch nicht auf vielen Websites stehen. Natürlich versucht jeder, auf seiner Website die Worte stehen zu haben, die zum jeweiligen Gegenstand als häufigstes bei Google eingegeben werden. Entsprechend groß ist hier natürlich die Konkurrenz und die Chance geringer, unter die entscheidenden Top Ten bei Google zu kommen. Daher kann es sich lohnen, ein etwas weniger häufig eingegebenes Wort als Keyword zu verwenden, welches dafür auch nicht auf so vielen Konkurrenzseiten steht.

5. Bleiben Sie am Ball

Worte, mit denen nach bestimmten Dingen gesucht wird, können Modewörter sein. Wenn diese aus der Mode kommen, wird mit ihnen natürlich auch nicht mehr gesucht. Verwenden Sie diejenigen Synonyme, die aktuell als Keywords verwendet werden.

Leisten Sie sich einen Muttersprachler

6. Stellen Sie relevante Texte auf Ihre Website

Suchmaschinen versuchen, Texte zu finden, die relevant zu gegebenen Keywords sind. Da Computer jedoch Texte nicht verstehen, wird nach bestimmten Merkmalen gesucht, etwa nach dem Vorkommen der Keywords. Klassisches SEO ist der Versuch, Suchmaschinen anhand von bewusst geschaffenen Merkmalen wie der Keyword-Häufigkeit vorzugaukeln, dass ein Text relevant zum Keyword sei. Google wird jedoch immer besser darin, echte Relevanz zu erkennen. Tatsächlich kommen Texte mit wirklich relevantem und informativen Inhalt oft auf gute Plätze, ohne dass sie auf Keyword-Häufigkeit oder -Platzierung optimiert wurden.

7. Verwenden Sie Alltagsbegriffe

Oft sind Alltagsbegriffe bessere Keywords als korrekte Fachausdrücke. Eine Glühbirne heißt eigentlich "Glühlampe". Vermutlich suchen trotzdem mehr Leute nach "Glühbirne".

8. Glauben Sie nicht allen Versprechungen von Agenturen

Wenn eine kleine Agentur behauptet, Websites in -zig Sprachen erstellen und optimieren zu können, ist Vorsicht angebracht. Stellen Sie fest, wie viele Mitarbeiter sie hat, teilen Sie die Anzahl der angegeben Sprachen durch die Anzahl der Mitarbeiter und stellen Sie sich dann die Frage, ob jemand fünf oder zehn Sprachen so gut beherrschen kann, dass er optimale Web-Texte darin erstellen kann.

9. Verwenden Sie Domains mit der lokalen TLD

Zumindest bei Google bekommen Websites mit der Top Level Domain des jeweiligen Landes offenbar einen Relevanz-Bonus. Das zeigt ein einfaches Experiment: Suchen Sie bei google.de, google.at und google.ch zum Beispiel nach "Bier" und sehen Sie, wo die Brauereien her sind, die jeweils auf der ersten Seite erscheinen.

10. Leisten Sie sich einen Muttersprachler als SEO-Texter

Die richtige Person für die Lokalisierung einer Website ist ein Muttersprachler, der in seiner Heimat wohnt oder zumindest immer noch gute Verbindungen dorthin hat. Wenn Sie beispielsweise einen Webshop für Wintersportartikel betreiben und einen französischen Bekannten haben, der gerne Ski fährt, sollten Sie ihm eine gediegene Einladung zum Essen versprechen. Mit seiner und der Hilfe der vorigen neun Tipps können Sie nämlich eine um Welten bessere französische Version Ihres Shops erstellen, als irgendein SEO, der dazu sein Schulfranzösisch abstauben muss. Solche Idealfälle sind jedoch nicht immer gegeben. Soweit sie Lokalisierungen also von Dienstleistern durchführen lassen, achten Sie darauf, dass Ihre Texte unbedingt von Muttersprachlern erstellt und optimiert werden.

Wie sich Händler auf Online-Marktplätzen gelungen präsentieren, lesen Sie in "Produkte erfolgreich bei eBay listen".

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