INTERNET WORLD Business Logo Abo
Bundeskartellamt Bonn
Security 26.04.2021
Security 26.04.2021

Tracking Verbände reichen Wettbewerbsbeschwerde gegen Apple ein

Shutterstock/nitpicker
Shutterstock/nitpicker

Protest gegen die geplante Datenschutzfunktion "App Tracking Transparency": Eine Gruppe deutscher Verbände hat eine Wettbewerbsbeschwerde gegen Apple wegen der geplanten neuen Datenschutzregeln eingereicht.

Apple führt in Kürze seine unter Werbern nicht unumstrittenen Datenschutzfunktion ATT (App Tracking Transparency) ein. Eine Gruppe deutscher Verbände hat nun eine Wettbewerbsbeschwerde gegen den US-Konzern wegen der geplanten neuen Datenschutzregeln eingereicht. Auf iPhone und iPad werden Apps künftig die Nutzer um Erlaubnis fragen müssen, wenn sie für Werbezwecke ihr Verhalten quer über verschiedene Dienste und Websites nachverfolgen müssen. Da viele Nutzer dies ablehnen dürften, bangen diverse Anbieter um ihr Werbegeschäft.

Kein Kommentar von Apple

Über die Beschwerde berichtete am Montag zunächst die "Financial Times". Das Bundeskartellamt bestätigte den Eingang. "Wir schauen sie uns jetzt erst einmal an", sagte ein Sprecher. Von Apple gab es zunächst keinen Kommentar. Zu einer ähnlichen Beschwerde in Frankreich hatte der Konzern betont, dass er Datenschutz als Menschenrecht betrachte und die Nutzer entscheiden müssten, mit wem sie ihre Daten teilen.

Die Verbände kritisieren, der Konzern schließe "faktisch alle Wettbewerber von der Verarbeitung kommerziell relevanter Daten im Apple-Ökosystem aus". Gleichzeitig nehme Apple seine eigenen Dienste jedoch von den geplanten Änderungen aus und sammle selbst erhebliche Mengen Nutzerdaten. Die Beschwerde reichten unter anderem der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft ZAW, die Organisation der Mediaagenturen OMG, der Markenverband sowie die Verlegerverbände BDZV und VDZ ein

Neue Regeln kommen mit iOS 14.5

Die neuen Regeln werden mit der nächsten Version des iPhone-Betriebssystems - iOS 14.5 - greifen, die demnächst zum Download bereitstehen dürfte. Damit App-Anbieter einen Nutzer zur Personalisierung der Werbung erkennen können, haben Apple-Geräte eine spezielle Kennnummer, die IDFA. Künftig werden App-Anbieter die Nutzer ausdrücklich um Erlaubnis fragen müssen, wenn sie auf diese ID zugreifen wollen. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass viele Nutzer das Tracking zu Werbezwecken ablehnen werden.
Die deutschen Verbände argumentieren, "der von Apple vorgegebene Informationsgehalt der Erklärung sei so oberflächlich gehalten, dass App-Entwickler ihre Nutzer nicht ausreichend über die Zwecke der Datenverarbeitung aufklären können".

Im Herbst hatte Apple die Anti-Tracking-Funktion als Teil seines Privacy-Konzepts angekündigt. Die Einführung wurde jedoch mehrfach verschoben, um den Marketing-Fachleuten mehr Zeit zu geben. Doch nun gibt es keinen Aufschub mehr: Mit iOS 14.5 wird die Anti-Tracking-Funktion nun definitiv eingeführt, was die Marketing-Branche auf Schlingerkurs bringt.

In den vergangenen Monaten lief vor allem Facebook gegen Apples Pläne Sturm. Gründer und Chef Mark Zuckerberg warnte unter anderem wiederholt, das neue Verfahren werde das Geschäft von kleinen und mittleren Unternehmen belasten, die insbesondere in der Corona-Pandemie auf personalisierte Werbung angewiesen worden seien. Die Macher der Foto-App Snapchat begrüßten dagegen die Änderungen und kündigten an, sich anpassen zu wollen.

Das könnte Sie auch interessieren