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Plattformen 28.08.2014
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Big Data im E-Commerce Zalando will persönlich werden

Shutterstock.com/Ollyy
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Der Modehändler Zalando gestaltet seinen Shop neu und möchte künftig seinen Kunden eine Startseite nach ihren Vorlieben präsentieren. Dazu setzt das Unternehmen auf Big Data.

Modischer, komfortabler und wichtiger für den Kunden: Im September erneuert Zalando seine Website und auch den Markenauftritt. Wichtigste, neue Funktion auf der Shop-Site: der so genannte Personal Feed. Der Modehändler mit Sitz in Berlin nutzt dafür Big Data und das Wissen über das Surf- und Kaufverhalten seiner Kunden. Die bekommen künftig das Sortiment von Zalando nach ihren Vorlieben gezeigt. Wer sich als Fan oder Träger eher sportlicher Mode erweist, dem werden beim Besuch des Shops zuerst T-Shirts, Jeans und Sneakers eingeblendet, er kann sich danach zu den Highheels, Blusen und Röcken oder Anzügen vorarbeiten.

"Der Personal Feed ist eine Funktion, auf die wir sehr stolz sind", meint Zalando-Chef Robert Gentz bei der Präsentation der Website im Osten Berlins. "Wir haben beim Aufbau unseres Markenimages bisher vor allem auf Bekanntheit und Spaß aufgebaut, jetzt wollen wir die Werbeaussagen mehr auf Mode und Lebensstil ausrichten."


 
Im schicken Zalando-Studio nahe des Berliner Ostbahnhofs zeigten die drei Gründer und Vorstände Robert Gentz, Daniel Schneider und Rubin Ritter außerdem den neuen Werbespot, mit dem das Unternehmen jetzt auf Sendung geht: Statt "Schrei vor Glück" heißt der Claim nun "Genieße deinen Stil" oder - cooler auf Englisch: Enjoy your Style. Im Spot stört die hübsche, blonde Zalando-Kundin erst den ersten, etwas steifen Catwallk einer Modeschau und danach mit einem neuen Zalando-Paket das Diktat und die Kleiderregeln der greisen Modeikone: sehr auf weibliche Konsumenten ausgerichtet, weniger ironisch-lustig, ein bisschen düster.
 


Viel Show, wenige Fakten


 
Ach ja, Zahlen präsentierte das Vorstandstrio ebenfalls. Allerdings haben die Vorstände die groben Kennziffern des ersten Halbjahres 2014, die schon heute Morgen bekannt gegeben wurden, nicht weiter vertieft: So folgten keine Aussage zum Nettogewinn, keine zur Profitabilität in anderen europäischen Märkten, keine zur Umsatzrendite. Dafür aber nahm Ritter, der Finanzexperte im Gründerkreis, Stellung zu den Millionen-Subventionen, die das Unternehmen im Lauf seines fünfjährigen Bestehens erhalten hat: "Ja, wir haben 35 Millionen Euro von Ländern und vom Staat bekommen, davon wurden 15 Millionen ausgezahlt", so Ritter. "Wir sehen das nicht als Problem, wir haben viel investiert, aber auch 7.000 Jobs in Deutschland geschaffen. Ich denke, die Subventionen waren eine der besseren Anlagen von Bund und Ländern."


 
Auf den Börsengang ging keiner der Vorstände ein. "Der ist eine Option unter mehreren", so Ritter. "Wir haben viel in unsere Marke und unser Geschäft investiert, aber jetzt zeigen wir auch, dass wir damit schwarze Zahlen schreiben können." Die Fragen nach den Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr oder nach geplantem Wachstum in den kommenden Jahren, ließ der Finanzexperte indes offen. "Erfahrungsgemäß wird sich das Wachstum verlangsamen, weil wir nicht mehr aggressiv expandieren und internationalisieren in den nächsten Jahren, sondern das Geschäft jetzt konsolidieren."

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