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Plattformen 08.07.2020
Zalando
Plattformen 08.07.2020

Zuwächse bei Umsatz und Gewinn

Zalando: Corona treibt Online-Mode weiter an

shutterstock.com/nitpicker
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Zalando profitiert nach anfänglichen Schwierigkeiten immer stärker von dem veränderten Kaufverhalten der Verbraucher im Zuge der Corona-Krise. Das Unternehmen rechnet mit deutlichen Zuwächsen bei Umsatz und operativem Gewinn.

Der Online-Händler Zalando kann nach anfänglichen Schwierigkeiten immer stärker von dem veränderten Kaufverhalten der Verbraucher im Zuge der Corona-Krise profitieren. Das Geschäft zieht deutlich an, auch das zweite Quartal sah für Zalando gut aus. Die Aktionäre freut es. Was bei dem Unternehmen los ist, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

Lage bei Zalando

Der verstärkte Hang zu Internetbestellungen lässt derzeit die Geschäfte von Online-Unternehmen in die Höhe schießen. Davon profitieren zahlreiche Lieferdienste von Delivery Hero bis Hellofresh, aber auch Online-Händler wie Zalando. So rechnet das Unternehmen mit deutlichen Zuwächsen bei Umsatz und operativem Gewinn.

Im zweiten Quartal habe die Entwicklung "deutlich" über den mittleren Erwartungen der Analysten gelegen, kündigte das Zalando Mitte Juni an. Vom Unternehmen befragte Branchenexperten rechneten bisher beim Bruttowarenvolumen mit einer Steigerung um 19 Prozent. Für den Umsatz hatten sie einen Zuwachs von 16 Prozent im Auge. Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) sollte nach ihren Erwartungen auf 104 Millionen Euro steigen. Im Vorjahreszeitraum hatte Zalando ein bereinigtes Ebit von 102 Millionen Euro erzielt.

In den Monaten April bis Juni kamen die Einschränkungen durch den Corona-bedingten Lockdown wie die Schließung von Geschäften, Restaurants sowie die Kontaktbeschränkungen voll zum Tragen. Ein Großteil der Unternehmen auch aus der Konsumgüterbranche hatte daher bereits für das zweite Quartal noch schwächere Zahlen als in den drei Monaten zuvor angekündigt.

Bei Zalando verkehrt sich dies derzeit ins Gegenteil. Dabei läuft auch dort nicht alles rosig. So bekamen die Berliner im März ebenfalls die sinkende Konsumlust zu spüren, da die Kunden sich aus Unsicherheit im Zusammenhang mit der Pandemie mit Käufen zunächst zurückhielten. Das Unternehmen strich zunächst seine Prognose und hob ein millionenschweres Sparpaket aus der Taufe.

Schnellere Erholung als erwartet

Bereits Mitte April konnte das Management jedoch leichte Entwarnung geben und kündigte eine schnellere Erholung als erwartet an. Inzwischen rechnet der Konzern für das laufende Jahr wieder mit guten Geschäften: Die Erlöse dürften um 10 bis 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert von 6,5 Milliarden Euro zulegen. Das bereinigte Ebit soll dagegen zwischen 100 bis 200 (2019: 225) Millionen Euro liegen und somit schwächer als im Vorjahr. Damit liegen die neuen Vorgaben zwar auch unter den ursprünglich im Februar ausgerufenen und dann zurückgezogenen Zielen, aber deutlich über dem, was Experten zuvor erwartet hatten.

Zalando entwickelt sich dabei immer mehr zu einer Handelsplattform. Neben dem eigenen Handel bietet der Konzern auch anderen Markenherstellern Platz für ihr Geschäft - was für diese etwa in Zeiten von Corona ebenfalls immer wichtiger ist. Dabei erweitert Zalando das Spektrum stetig. Neben Mode und Schuhen bietet das Unternehmen inzwischen auch Kosmetik an. Dazu hatten die Berliner angekündigt, auch in das Geschäft mit Luxusmode sowie mit Secondhand-Klamotten einzusteigen. Dazu schneidert Zalando seinen Shop verstärkt auf individuelle Bedürfnisse der Kunden zu.

Das sagen Analysten

Analysten zeigen sich positiv gestimmt. Von den im dpa-AFX-Analyser erfassten Experten, die sich in jüngerer Zeit mit dem Papier beschäftigt haben, empfiehlt die Mehrheit die Aktie zum Kauf. Der Online-Modehändler dürfte ein starkes zweites Quartal hinter sich haben, schrieb Analyst Andrew Ross von der britischen Investmentbank Barclays. Der Fachmann hob seine Gewinnerwartungen weiter an. Allerdings sei die Aktie zuletzt auch schon stark gelaufen, schränkte er ein.

Tobias Sittig von Mainfirst rechnet dabei mit einer weiter starken Dynamik in den kommenden Quartalen. Für Markenhersteller sei der Online-Modehändler zunehmend die erste Wahl als Vertriebskanal im Kampf gegen den US-Platzhirsch Amazon,so Sittig. Der Online-Modehändler sei ein Gewinner der Covid-19-Krise, fasst DZ-Bank-Analyst Thomas Maul zusammen. Mit dem Bericht zum zweiten Quartal erwartet er eine Anhebung der Finanzziele für das Gesamtjahr. Die Viruskrise beschleunige den strukturellen Wandel im Modemarkt zugunsten des Online-Handels.

Die aktuellen Zahlen spiegelten die Beschleunigung des Megatrends wider, der weg vom stationären Einzelhandel und hin zum Online-Handel gehe, findet auch Mark Josefson von Pareto. Die Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 hätten die Rolle von Zalando in der Online-Welt von morgen klar gestärkt. Verbraucher gingen schneller zu Online-Shopping über als erwartet, so Christian Salis von Hauck & Aufhäuser. Dies sollte den Wachstumspfad des Internet-Modehändlers mittelfristig stützen.

Das macht die Aktie

Der kurzzeitige Corona-Schock, der das Papier im März zeitweise bis auf fast 27 Euro gedrückt hatte, ist längst überwunden. Positiv aufgenommene Zahlen zum ersten Quartal Mitte April und vor allem der optimistische Ausblick auf das Geschäftsjahr Anfang Mai brachten den Stimmungsumschwung. Seitdem erreichte der Kurs mehrfach neue Höhen. Sein aktuelles Hoch erreichte Zalando erst Anfang Juli bei 66,90 Euro.

Aktuell kosten die Aktien um die 65 Euro. Trotz des Rücksetzers im März kommt das Papier im laufenden Jahr auf ein Kursplus von rund 44 Prozent. Legt man das Corona-Tief zugrunde, beträgt die Wertsteigerung sogar rund 138 Prozent. Insgesamt ist Zalando für die Aktionäre seit dem Börsengang im Oktober 2014 vom Kursverlauf her eine Erfolgsgeschichte. So ging die Aktie zu 21,50 Euro an den Start. Eine Dividende hat Zalando allerdings bislang noch nicht gezahlt.

Mit dem steigenden Kurs nimmt auch die Marktkapitalisierung stetig zu. Derzeit kommt Zalando auf einen Börsenwert von mehr als 16 Milliarden Euro, was für einen Platz unter den Top 10 im MDax reicht.

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