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Dirk Schaefer CTO Crowdfox
Amazon 29.12.2016
Amazon 29.12.2016

Crowdfox nach einem Jahr Schäfer: "Eine Plattform für dynamisches Pricing"

Dirk Schäfer kümmert sich als CTO und COO seit Anfang 2016 um die Technik und das operative Geschäft von Crowdfox.

Unternehmen

Dirk Schäfer kümmert sich als CTO und COO seit Anfang 2016 um die Technik und das operative Geschäft von Crowdfox.

Unternehmen

Vom Clubkonzept hat sich Crowdfox verabschiedet. Die Plattform positioniert sich jetzt als "Schnäppchenparadies". Händler bietet sie einen weiteren Verkaufskanal und eine Alternative zu Amazon.

Als "erster B2C-Online-Kundenclub in Deutschland" startete Crowdfox im Oktober 2015. Das Kölner Start-up bot sich Händlern gegenüber vollmundig als eine Alternative zu Amazon an. Nach gut einem Jahr sieht die Lage anders aus: Sein US-amerikanisches Vorbild Jet.com wurde im August vom weltweit größten Handelskonzern Walmart übernommen und Crowdfox hat sich so gut wie vom Klubkonzept verabschiedet. Stattdessen positionieren sich die Kölner Kunden gegenüber jetzt als "Schnäppchenparadies", das 54-köpfige Team um Gründer Wolfgang Lang will aber Amazon immer noch Händler abspenstig machen: Dafür lockt das Unternehmen mit dem kostenfreien Verkauf und der Aussicht, Geschäftskunden ansprechen zu können.

Dieser Plan scheint aufzugehen: Nach Angaben des Unternehmens lagen die Einnahmen in den ersten acht Monaten dieses Jahres bei zehn Millionen Euro. Mehr als 100.000 Kunden sollen sich seit dem Start bei Crowdfox registriert haben, sie geben im Schnitt pro Kauf mehr als 200 Euro aus. 600 Händler hat das überzeugt, mit Crowdfox zu kooperieren. Die Plattform gestaltet nach der Analyse von Verkaufsdaten flexibel die Preise und profitiert von Margeneffekten sowie Transaktionskosten der Kunden. Mehr Geschäft sollen im nächsten Jahr laut COO Dirk Schäfer Geschäftskunden und mittelfristig die Internationalisierung bringen.

Crowdfox ist vor einem guten Jahr als Einkaufsclub und als Herausforderer von Amazon gestartet. Wie laufen die Geschäfte?
Dirk Schäfer: Wir liegen im Plan, haben inzwischen alle Shopsysteme in unsere Technik integriert und gerade die Plug-Ins für Plenty Markets, JTL, Magnalister und Shopware gestartet. So sind wir in der Lage, rund 2,5 Millionen Produkte abzubilden und anzubieten. Immer mehr Händler entscheiden sich für eine Kooperation mit Crowdfox, wir haben 2016 rund 600 Partner gewonnen, die über uns bereits gut verkaufen. Für Händler ist unsere Plattform weiterhin kostenlos und sehr einfach zu integrieren.

Crowdfox Marktplatz für Sparfüchse

Crowdfox startete im Spätherbst 2015 und wollte sich als Einkaufsclub positionieren. Inzwischen präsentiert sich das Kölner Unternehmen als Sparparadies für Kunden

Screenshot

Sie sprechen von "Plattform", ist Crowdfox kein Marktplatz?

Schäfer: Wir bauen keinen Marktplatz, sondern eine Plattform für dynamisches Pricing, die faire Preise für Händler und Verbraucher ausspielt. Heute werden bereits auf verschiedenen anderen Plattformen Preise nach Regionen oder auch nach Endgeräten festgelegt, das gibt es bei uns nicht. Bei der Preisgestaltung setzen wir auf Daten und semantisches Matching. Wir nutzen diese Marktkenntnis und legen Preise nach tagesaktuellen Niveaus fest. So bieten wir marktgerechte Preise, die in der Regel unter denen anderer Anbieter wie zum Beispiel Amazon liegen. Amazon hat je nach Kategorie eine Preisliste für die Amazon-Händler, die zwischen sieben bis über 20 Prozent Verkaufsprovision liegt.
 
Ihr Vorgehen dürfte den Händlern nicht in den Kram passen, Crowdfox setzt eine Preisspirale nach unten in Gang.
Schäfer: Das tun wir nicht und das liegt auch nicht in unserem Interesse. Wir bieten Produkte zu einem günstigen Marktpreis an. Somit hat der Kunde einen ausgezeichneten Preis und der Händler sehr hohe Verkaufschancen bei Crowdfox. Durch unsere Aktualität bieten wir Kunden sowie Händlern optimale Verkaufserfolge, ohne eine negative Preisspirale auszulösen.
 
Angeblich sind aber bei Crowdfox nicht immer alle Angebote verfügbar und Sie verkaufen dann Produkte, die Sie auch bei Händlern bestellen, die nicht mit Ihnen kooperieren, oft auch solche, die Verkaufsbeschränkungen unterliegen.
Schäfer: Wir verkaufen die Ware, die unsere Partner uns zum Verkauf anbieten. Sollte ein Partner versehentlich Produkte mit Vertriebsbeschränkungen bei Crowdfox einstellen und wir gewinnen Kenntnis darüber, nehmen wir die Produkte aus dem Sortiment. 
 
Crowdfox will Schnäppchenparadies sein, welche Produkte sind bei Ihnen die Schnelldreher?
Schäfer:
Elektronik ist bei uns stark vertreten, Küchenzubehör sowie auch Spiele. Inzwischen laufen auch B2B-Produkte wie Werkzeuge, Angebote für den Arbeitsschutz oder kleinere Maschinen an. Wir verzeichnen in diesem Segment einen kontinuierlich steigenden Umsatzanteil.
 
Crowdfox startete als Club - gegen eine Mitgliedsgebühr sollten Verbraucher besonders billig einkaufen können. Wie viele zahlende Mitglieder haben Sie von diesem Konzept überzeugt?
Schäfer: Crowdfox ist weiterhin ein geschlossener Einkaufsclub und besonders interessant für User und Händler. Wir haben uns durch Tests dazu entschlossen, statt einer festen Mitgliedsgebühr eine Transaktionsgebühr zu erheben, die bereits im Kaufpreis enthalten ist. Mehr als 100.000 Kunden haben sich bei uns angemeldet. Momentan wachsen wir sehr erfolgreich um mehrere Tausend Neukunden pro Monat.
 
Wie und wo werben Sie für Crowdfox und machen das Angebot bekannt?
Schäfer: Unsere preisführenden Produkte bieten uns die Möglichkeit, nicht nur auf Google und Preissuchmaschinen, sondern auch auf anderen Marketingkanälen mit niedrigen Kosten Kunden zu gewinnen. Darüber hinaus werden wir kommendes Jahr verstärkt an der Außenkommunikation, sowohl im B2B- als auch im B2C-Markt, arbeiten. Hier gibt es mehrere Kanäle neben der Werbung, die wir zusätzlich nutzen werden.

"Ein neuer Verkaufskanal jenseits von Amazon"

Crowdfox für Geschäftskunden

Mehr Geschäft mit B2B: Crowdfox startet mit dem Verkauf an Geschäftskunden und baut dafür neue Services auf

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Wie binden Sie Händler ein, welchen Aufwand macht das?

Schäfer: Der Aufwand ist für Händler gering. Nach der Registrierung stellt er uns im ersten Schritt seinen vorhandenen Datenfeed zur Verfügung. Schnittstellen ermöglichen die einfache Integration. Das Crowdfox-System analysiert dann die Produkte, die der Händler freigibt, und sortiert dabei diejenigen aus, bei denen die Preisgestaltung nicht dynamisch angepasst werden kann. Wir bieten Händlern die Möglichkeit, große Stückzahlen zu verkaufen. Somit kann der Händler interessante Preise bieten und gleichzeitig seine Einkaufspreise verbessern. Darüber hinaus kann er Longtail-Produkte einstellen und über unseren Preisoptimierer, einem kostenlosen dynamischen Pricing, höhere Margen und Einnahmen generieren. Dieses Real-Time Pricing erspart eine Menge Arbeit und optimiert Verkaufserfolge. 
 
Was bezahlen Händler dafür?
Schäfer: Wir nehmen vom Händler nichts, weder Einrichtungsgebühren noch Provisionen. Crowdfox übernimmt bei einem Verkauf lediglich Produkte zu den Konditionen der Händler und verdient an Transaktionsgebühren sowie an Margen, die das System realisiert. Die Rechnung sieht folgendermaßen aus: Setzt ein Händler Waren über seinen Online-Shop ab, muss er zusätzlich Payment- und Marketingkosten für Google & Co. einkalkulieren. Bei einem Verkauf über Amazon fällen ebenfalls Verkaufsgebühren an. Insgesamt wird der Händler etwa zehn Prozent oder mehr auf seinen kalkulierten Verkaufspreis aufschlagen, um seinen angepeilten Gewinn zu sichern. Bietet er uns das Produkt nur acht Prozent billiger an, können wir gegenüber den Kunden einen attraktiven Preis bieten, trotzdem erzielt der Händler zwei Punkte zusätzliche Marge. Interessant wird es für den Händler, wenn die zusätzlichen Verkäufe über Crowdfox die Einkaufskonditionen bei Herstellern verbessern. So können schnell zehn zusätzliche Prozentpunkte zusammenkommen. 
 
Mit dieser Rechnung treten Sie als Herausforderer von Amazon an?
Schäfer: Sicherlich bieten wir eine interessante Alternative zu Amazon für Kunden und Händler. Als deutsches Unternehmen mit einem effizienten, hochautomatisierten Prozess können wir preislich sowie kostentechnisch Vieles bieten. Darüber hinaus werden Händler bei uns fair behandelt. Mit Crowdfox bauen sie sich ohne zusätzlichen Aufwand einen neuen Vertriebskanal jenseits von Amazon auf. Spannend ist sicher, dass über Crowdfox immer mehr Unternehmen kaufen. Wir bieten ihnen ein schnell wachsendes, günstiges Sortiment von nur einem Kreditor. Händler können sich über Crowdfox ein neues Marktsegment erschließen.
 
Sie verkaufen die Waren, stellen die Rechnungen. Daraus folgt doch, dass Händler bei Crowdfox die Kundenbeziehung und Daten aufgeben und sich wie bei Amazon ebenfalls in Abhängigkeit begeben.
Schäfer: Das ist nicht der Fall, da wir die Daten mit den Händlern teilen und der Händler die Ware an den Kunden verschickt. Wir stellen zwar die Rechnung, aber Kundendienst und Versand übernimmt der Händler.
 
Und das ist auch mit Datenschutzregeln zu vereinbaren?
Schäfer: Crowdfox ist ein deutsches Unternehmen, daher liegt bei uns ein besonderes Augenmerk auf der Sicherheit der Kundendaten. Die Weitergabe an den Händler erfolgt mit der Zustimmung von Kaufenden und ist für sie sinnvoll, völlig transparent und in Übereinstimmung mit allen gesetzlichen Bestimmungen. Bei uns dürfen nur Händler verkaufen, die sich auch an diese halten.
 
Ist der Preis tatsächlich alles beim Kaufen?
Schäfer:
Nein, auf keinen Fall. Zusätzlich muss der Service passen, die Liefergeschwindigkeit, die Sortimentstiefe und -breite und vieles mehr. Für Geschäftskunden kommen zusätzlich Prozesskosteneinsparungen, Kreditorenkonsolidierung, persönlicher Service und viele weitere Dinge dazu. Unsere Technologie ist sogar in der Lage, den stationären Handel einzubinden, um beispielsweise die Lieferzeit zu beschleunigen. Das könnte sinnvoll sein, um beispielsweise Ersatzteile schneller zu liefern. Das ist aber noch Zukunftsmusik.

B2B fiel im Gespräch öfter: Wie hoch ist der Anteil an Unternehmenskunden?
Schäfer: Wir haben Crowdfox Business gerade gestartet und einen relevanten Anteil von Geschäftskunden gewonnen. Gerade in den Kategorien Elektronik und Büro vergleichen Unternehmen Preise auf B2B-Portalen und bei Discountern. Die Abgrenzung zwischen B2B- und B2C-Kunden verschwimmt bei den Suchbegriffen immer mehr. Außerdem registrieren wir erstes Interesse aus dem Ausland - von Händlern ebenso wie von Kunden. Neben dem B2B-Geschäft wird also auch die Internationalität für Crowdfox in Zukunft auf dem Plan stehen.

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