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Stefan-Maria Creutz
Plattformen 28.10.2015
Plattformen 28.10.2015

Neuer Online-Marktplatz für Werkzeug Procato: "Eine Unterstützung für den Fachhandel"

Stefan-Maria Creutz, Geschäftsführer Procato

Procato

Stefan-Maria Creutz, Geschäftsführer Procato

Procato

Procato will es kleinen Geschäften ermöglichen, im Online-Umfeld mitzuspielen. Wie der Marktplatz für Handwerk dabei gegen Amazon und eBay bestehen soll, erklärt Geschäftsführer Stefan-Maria Creutz.

Sie sind mit Ihrem Marktplatz Procato im Juli 2015 gestartet, seit September läuft die Vermarktung. Was genau steckt hinter dem Projekt?
Stefan-Maria Creutz: Procato als E-Commerce-Marktplatz ist ein Unternehmen der Industrie in Partnerschaft mit dem Fachhandel. Führende Premiummarken wie Bosch, Fein, Festool, Fischer, Gedore, Kärcher und weitere haben dieses Unternehmen gegründet, um gemeinsam im E-Commerce auf einer Plattform ein relevantes Produktsortiment für das Handwerk abzubilden. Das Sortiment für Profi-Werkzeug, -Geräte, Verbrauchsmaterial und Ausstattung findet sich auch stationär, wird aber nun auch auf einem Online-Marktplatz zusammengefasst.
 
Was sind die Beweggründe für das Projekt?
Creutz: Wir sind konfrontiert mit einer Veränderung in den Verkaufskanälen. Vor allem der Fachhandel ist von den Veränderungen, die das Internet mit sich bringt, betroffen. Kleine stationäre Geschäfte haben kaum die Möglichkeit, eigene Strategien zu entwickeln, um mit den Direktvertreibern - das sind in diesem Umfeld unter anderem die Firmen Würth und Hilti, aber auch die Global Player Amazon und eBay - im Online-Umfeld adäquat mitzuspielen. Procato wird dem Fachhandel dabei eine Unterstützung bieten, mit einem breiten Sortiment gefunden zu werden. Dafür wird durch die Finanzkraft der Herstellerkooperation und das Know-how der Betreiber massiv und professionell in Internet-Traffic investiert.
 
Was ist nun die Funktion von Procato?
Creutz: Wir von Procato sind ein Branchen-Marktplatz und Vermittler aber selbst kein Händler - analog zu eBay, allerdings mit einem klar definierten Sortiment und Branchen-Fokus. Jeder Hersteller kann für sich entscheiden, mit welchem Sortiment er auf Procato vertreten ist. Auch die Präsentation der Produkte erfolgt über den Hersteller. Die Zielgruppe ist der Handwerker, der Profi oder der ambitionierte Privatkunde, der über Procato-Profiprodukte bei einem Fachhändler einkauft. Unsere Aufgabe ist neben der Premium-Präsentation der Produkte die zentrale Vermarktung der Plattform. Vergütet werden wir vom Fachhändler mit einer marktüblichen Transaktionsgebühr.
 
Wie sieht diese Vermarktung aus?
Creutz: Gemeinsam mit der UDG United Digital Group haben wir die technische Plattform auf Basis der Technologie Adobe Experience Manager (AEM) entwickelt. Ferner ist UDG mit der Umsetzung der Performance-Vermarktung betraut. Als Plattform der Industrie sind wir integraler Bestandteil der Vermarktung unserer Gesellschafter. Die Procato-eigenen Mittel fließen primär in die digitale Performance-Vermarktung. Durch die Herstellervermarktung wird dies durch weitere Offline-Maßnahmen wie etwa Print, PR oder Messe oder am POS ergänzt. 

So haben wir eine ganz andere Reichweite, als wenn wir lediglich die finanziellen Ressourcen hätten, die dem Unternehmen Procato zur Verfügung stehen. Wichtig für den Traffic ist zudem die Verlinkung der Hersteller-Webseiten. Der Hersteller hat seinen Produktkatalog mit Procato verlinkt, so dass User, die sich auf der Herstellerseite zu einem Produkt informieren direkt auf Procato und damit zum Fachhandel geleitet werden um das Produkt dort zu kaufen. Das ist eine organische Customer Journey, von der Produktinformation, Produktauswahl bis zum Kauf, ohne Medienbruch.

"Wir sind nicht nur eine Transaktionsplattform"

Ihr Sortiment umfasst ja aktuell sowohl kleinteilige Produkte wie auch große Maschinen.
Creutz: Ja, unser Sortiment umfasst alles für den Handwerker und den Gewerbetreibenden. Wir sind nicht nur eine Transaktionsplattform. Für uns als Industrieverbund ist auch das Thema Markenführung essentiell wichtig und die wechselseitige Adelung größerer und kleinerer Marken, die auf Procato vertreten sind. Dazu gehört eine umfassende Produktpräsentation mit tiefgehenden Informationen, Medien, Bildern, Sicherheitsinformationen etc. Wir haben viele kleinteilige Produkte, die für unsere Plattform eine hohe Frequenz mit sich bringen. Wir nennen diese Produkte Verbrauchsmaterial, wie etwa Schrauben oder Dübel. 
 
Das Portal gibt es nur in Deutschland?
Creutz: Wir sind zunächst in Deutschland gestartet, wir werden in Zukunft internationalisieren. Unsere Gesellschafter sind alles Global Player. Allerdings ist es so, dass Kunden über Procato immer bei einem Fachhändler kaufen. Wenn wir internationalisieren, müssen wir jeweils die lokale Handelslandschaft abbilden. Und da geht es dann um mehr als nur einen reinen Sprachwechsel auf der Plattform.
 
Wie sieht es mit der stationären Verknüpfung aus, Stichwort Click und Collect etc.?
Creutz: Wir integrieren den Fachhändler in seiner Regionalität. Das heißt, anders als bei eBay und Amazon mit reinem Paketversand, kann man bei Procato und damit bei den Fachhändlern immer den Lieferkanal wählen. Das ist natürlich auch der klassische Paketversand, dazu gehören aber auch Click und Collect, die direkte Lieferung auf die Baustelle oder die Expresslieferung. Das ist abhängig vom Service, den der Händler bietet.
 
Wie suchen Sie Ihre Partner aus?
Creutz: In der ersten Phase haben wir zusammen mit den Herstellern die Händler gemeinsam angesprochen. Inzwischen kommen zahlreiche Händler auf uns zu. Wir wählen dabei nach folgenden Kriterien: Zum Einen muss ein Ladengeschäft vorhanden sein und zum Anderen muss er ein Warenwirtschaftssystem im Einsatz haben, weil wir vom Händler regelmäßig Preise und Verfügbarkeit zum Sortiment erhalten.

"Amazon, eBay und die Direktvertreiber sind die Wettbewerber"

Wer ist Ihre Konkurrenz? Amazon und eBay?
Creutz: Wenn wir jemanden als Konkurrenz bezeichnen, dann sind es die Direktvertreiber aber natürlich auch Amazon und eBay. Ein Direktverteiber wie Würth ist heute sehr relevant für den Handwerker und macht das auch hervorragend. Durch ein relevantes professionelles Sortiment und dieses Cross-Channel-Angebot, ob stationär oder 24/7 über das Internet oder mobil von unterwegs. Diese bundesweite Vernetzung der Fachhändler über ein relevantes Profi-Sortiment versuchen wir über Procato zu erreichen. Der Handwerker soll immer seinen nächsten Fachhändler über Procato finden können.
 
Wir werden die Besucherströme von Interessenten im Internet weg von Amazon und Co auf uns lenken, um dann auch in den organischen Suchtreffern möglichst weit oben zu landen. Schon jetzt findet der User bei der Suche eines bestimmten Produkts aus der Handwerker-Ecke Procato auf den oberen Rängen bei Google. Er ist dann bei Klick auf unsere Webseite direkt in der Fachhandelslandschaft. Umgekehrt würde aber nie ein einzelner Fachhändler so weit oben bei Google auftauchen. Insofern ist es nicht vermessen zu sagen, dass Amazon, eBay und die Direktvertreiber die Wettbewerber sind.
 
Wie beurteilen Sie andere lokal-orientierte Projekte wie "Mönchengladbach bei eBay", ist es das gleiche Konzept?
Creutz: Nein, keineswegs, aus folgendem Grund. Wenn man im Internet unterwegs ist, interessiert einen die Regionalität nur sekundär - außer es gibt beispielsweise den Bedarf der sofortigen Lieferung. Denn Aspekte, die es im Stationären gibt, wie das begrenzte Sortiment und die begrenzte Verfügbarkeit, gibt es im Internet nicht. Mich interessiert als User nicht die Abbildung der lokalen Strukturen.
 
Die Besonderheit an Procato ist nun, dass das gesamte Sortiment von Top-Marken zur Verfügung steht und das in andauernder Verfügbarkeit.  Eine Stadt, die sich im Netz abbildet, bietet im Vergleich dazu eben nur ein verknapptes Sortiment in einer verknappten Verfügbarkeit, die im Internet keine Rolle spielt. Interessant wäre für eine Stadt sicher, wenn Sie Partnerschaften mit Top-Marken einginge und ein Kunde frei aus deren Vollsortiment wählen kann und die Produkte dann vor Ort beim Händler abholen kann, oder geliefert erhält.

Was sind Ihre mittelfristigen Ziele: Können Sie ein paar Zahlen nennen?
Creutz: Wir haben aktuell 25 Marken im Sortiment. Die Zielgröße für die nächsten zwei Jahre ist etwa 75 bis 100 Marken auf der Plattform zu haben. Von der aktuellen Nachfrage ausgehend ist das auch realistisch. Daneben stehen in den nächsten Monaten der Reichweiten- sowie der Partnergewinn an erster Stelle. 

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