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Marktplatz
Plattformen 29.09.2021
Plattformen 29.09.2021

Marktplatz Convention in Köln ebay, Otto und Kaufland.de: Die drei großen Amazon-Verfolger im Pitch

shutterstock.com/Natee Photo
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Zwei Tage lang dreht sich in Köln alles um Marktplätze und Plattformen. Zum Auftakt der hybriden Marktplatz Convention lieferten sich ebay, Otto und Kaufland.de ein heißes Rennen im großen Marktplatz Speeddating.

30 Speaker, 22 Sessions: Die Nachfrage nach Tickets vor Ort war so groß, dass die erste Marktplatz Convention in Köln schon Tage vorher "ausverkauft" melden musste. Als hybrides Event bietet die Veranstaltung der INTERNET WORLD, die noch bis zum 30. September geht, jedoch auch einen digitalen Stream, für den es nach wie vor Tickets gibt.

Saal

Noch ist der Saal leer: die Marktplatz Convention 2021 im Komed im Kölner Mediapark

Ebner Media Group

Den ersten Tag der Convention eröffnete Moderatorin und INTERNET WORLD-Redakteurin Ingrid Lommer. In ihrer Einführung wies sie auf die Bedeutung der Plattformökonomie hin - und die Komplexität dahinter: Um die 170 Online-Marktplätze gibt es allein in der DACH-Region.

Die drei größten Amazon-Verfolger bekamen gleich zu Beginn die Gelegenheit, sich zu präsentieren, um anschließend ins Kreuzfeuer genommen zu werden. Sie mussten vor dem Publikum ihren USP erklären und darlegen, warum ihre Plattform für den Multichannel-Mix unverzichtbar ist.

Deins. Meins. ebay

ebay ist seit über 25 Jahren Online-Marktplatz und nach eigenen Angaben die Nummer zwei im deutschen Markt. 20 Millionen aktive Käufer in Deutschland, 159 Millionen weltweit. eBay versteht sich als Partner, "ist niemals Konkurrent" und unterstützt beim Auf- und Ausbau des Online-Geschäfts mit Tools, Programmen und Initiativen. Vertreten auf der Convention durch Heiko Johannisson, Head of Sports bei ebay.

Wie Johannisson betonte, ist ebay ist ein reiner Marktplatz, kauft also selbst nicht ein, hat kein eigenes Lager und verkauft nicht direkt. Man lebe davon, dass Händler jeder Größe Waren anbieten und verkaufen. Besonders sei auch, dass alle Handelsformen vertreten seien, von Neuware bis B-Ware, zertifiziert und refurbished. ebay eigne sich für jede Nische - man habe Käufer aus 190 Ländern. ebay kommt auf 915.000 Kundenkontakte pro Tag und 300 Milliarden Suchanfragen pro Tag - allein im August gab es 200 Millionen Visits.

Genaue Angaben zu Deutschland ließ sich Johannisson nicht entlocken, aber "in Deutschland sieht es gut aus, wir sehr zufrieden mit der Entwicklung." Den internationalen Schwund an Mitgliedern - zwei Prozent Rückgang im zweiten Quartal im Jahresvergleich - erklärt man damit, dass man den Fokus weg von sogenannten "Low-value-Käufern" - neudeutsch "Karteileichen" - mit geringem Transaktionsvolumen hin zu einer Käuferschicht mit höherem Käufervolumen verschieben möchte.

Und wo ist ebay stärker als Amazon? Im Bereich Autoteile etwa, hier käme man auf 50 Prozent Marktanteile dank viel Investment, ebenso gut laufe der Bereich "nischiges Zubehör, Kleinteile", etwa spezielles Angelzubehör. Im Fashion-Bereich hingegen gebe es noch Verbesserungspotenzial.

Otto Market

4,5 Milliarden Euro hat Otto im vergangenen Geschäftsjahr umgesetzt - ein erheblicher Anteil davon stammt bereits aus dem Marktplatzgeschäft. Und das wächst immer weiter, genauso wie Ottos Reichweite, erzählte Kim Niedner, der bei Otto den Aufbau des Marktplatzgeschäftes sowie die Entwicklung des digitalen Partnerportals Otto Partner Connect verantwortet.

Mehr als 10 Millionen aktive Kundinnen und Kunden bestellen auf otto.de und haben somit auch Zugang zu Otto Market, dem neuen Marktplatz von Otto. Jüngst konnte man einen neuen Meilenstein erreichen: 2.300 verkaufsfähige Partner gibt es auf der Plattform. Allein im letzten Monaten waren es rund 250.

Die Öffnung zum Marktplatz sei für Otto fundamental. Zukünftig wolle man sich auf drei Geschäftsfelder fokussieren: Wholesale, Marktplatz-Business und Service Provider.

Zum Bereich Produkte: Luft nach oben gibt es dem Manager zufolge noch bei der Kategorie Electronics - gut hingegen läuft es laut Niedner dafür im Bereich "Einrichten & Wohnen", "Fashion", "Lifestyle" und "Garden". Kunden bei Otto seien anspruchsvoll, hätten aber eine hohe Kauffrequenz und seien sehr "meinungsstark". Retourenquoten seien über den Marktplatz nicht angestiegen.

Drei Werte hält Niedner für die Zukunft des Marktplatzes hoch: Fairness, Partnerschaft und Compliance - man wolle eine hybride Plattform sein und noch in diesem Jahr die Advertising-Möglichkeiten ausbauen - konkret die Self-Service- und Analytics-Funktion.

Kaufland.de

Kaufland.de indes ist nach eigenen Angaben einer der am schnellsten wachsenden Online-Marktplätze Deutschlands. Der Marktplatz verbindet "geballte Handels-Power mit modernster Plattformtechnologie". Mit rund 32 Millionen Online-Besuchern monatlich sowie 1.300 Filialen in 8 Ländern, will Kaufland.de online und offline eine hohe Markenbekanntheit bieten und für eine optimale Reichweite sorgen, so Doreen Schumm, Head of Marketplace Sales Kaufland.de.

Zur Historie: 2007 wurde Hitmeister gegründet, drei Jahre später kam unabhängig davon der real Online-Shop dazu, die Fusion der beiden zum real.de Marktplatz geschah 2016. 2020 dann die Übernahme durch die Schwarz Gruppe und 2021 dann schließlich das Rebranding: Seitdem ist man als Kaufland.de unterwegs.

Durch die Migration von real.de auf kaufland.de hätte es in Sachen Händler und Partner keine Verluste gegeben, man erziele weiter Zuwächse und die stärkere Markenbekanntheit von Kaufland spiele nun auch in die Karten.

Stärkste Kategorien sind indes Elektronik, Garten, DIY-Bereich, Möbel und Sport. Noch verbesserungsfähig sei der Fashion- und Autozubehör-Bereich.

Fokus liegt nun unter anderem auf der Kommunikation in den stationären Märkten: Handzettel wurden und werden an Haushalte verschickt und es gab Launch-Kampagnen an den Kassen. Das Ziel: die Verbindung zwischen stationär und online stärken.

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