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Eben-Sermon
Plattformen 01.08.2019
Plattformen 01.08.2019

Vice President eBay Deutschland Eben Sermon: "Besonders junge Online Shopper entdecken eBay"

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Im Interview erklärt eBay-Deutschlandchef Eben Sermon, wie er den Online-Marktplatz attraktiver machen und zur alten Stärke zurückführen will.

eBay Deutschland feiert in diesen Tagen sein 20-jähriges Bestehen. Das Jubiläum beschert dem Marktplatz-Pionier wieder die Aufmerksamkeit, die heute oft Rivale Amazon erhält oder auch neue Wettbewerber aus Fernost. Doch was, wenn die Jubiläumsfeierlichkeiten abgeschlossen sind? Beim Interview in der eBay -Zentrale in Dreilinden erklärte Deutschlandchef Eben Sermon, mit welchen Impulsen eBay seinen Spitzenplatz im E-Commerce behaupten will.

Herr Sermon, was bedeuten 20 Jahre in einer Branche, die noch immer so jung ist und stark von Disruption geprägt wird? Kann eBay auch in Zukunft die Entwicklung im E-Commerce mit neuen Impulsen mitgestalten?
Eben Sermon:
Es stimmt, dass 20 Jahre im E-Commerce eine lange Zeit ist. Ich selbst bin nun 12 Jahre bei eBay. So vieles hat sich in dieser Zeit verändert und entwickelt. Der E-Commerce-Markt in Deutschland liegt inzwischen bei einem Volumen von weit über 50 Milliarden Euro, Mobile hat den Markt signifikant beeinflusst und es gibt immer neue Shopping-Konzepte. Auch eBay hat sich in dieser Zeit immens verändert - von einer hauptsächlich auktionsbasierten Plattform hin zu einem Marktplatz mit einer einzigartigen Auswahl und vielen Festpreisangeboten, Mobile Apps und Advertising-Produkten. PayPal wurde integriert und wieder verkauft, wir haben Mobile.de übernommen, eBay Kleinanzeigen gestartet sowie zuletzt eBay Fulfillment und unsere neue Plattform Catch in den Markt gebracht. eBay hat den Handel mitgeprägt und sich dabei immer wieder selbst neu erfunden, und wir haben eine Verpflichtung unseren Händlern gegenüber, das auch weiterhin zu tun.

Im Vergleich mit neuen, jungen Wettbewerbern hat sich das Wachstum von eBay in den vergangenen Jahren deutlich verlangsamt. Hat eBay das Potenzial, wieder zur früheren Dynamik zurückzufinden?
Sermon:
Davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt! In Deutschland, wo wir neben dem klassischen Marktplatzgeschäft auch auf eBay Kleinanzeigen setzen, ist es uns 2018 gelungen, unseren Umsatz um acht Prozent zu steigern. Laut einer Studie von OC&C verbringen die Deutschen etwa 42 Prozent ihrer Online-Shopping-Minuten bei eBay.de oder eBay Kleinanzeigen. Das steht für eine außergewöhnlich hohe Relevanz, die weiter im Zunehmen begriffen ist. Worauf ich persönlich sehr stolz bin, ist, dass wir das Wachstum der aktiven eBay-Käufer im vergangenen Jahr um 16 Prozentpunkte beschleunigen konnten. Besonders junge Online Shopper entdecken eBay als Shopping-Destination und tragen dazu bei, dass wir auch in Segmenten, in denen der Anteil von eBay bislang noch nicht so stark war, kräftig zulegen. Die Herausforderung ist es nun, diese neuen Kunden an uns zu binden. Aber ich bin sehr optimistisch, dass uns das gelingt.

Zu den spannendsten Neuerungen bei eBay Deutschland zählt Ihre Idee des "Distributed Commerce". Dabei geht es darum, das Warenangebot der Händler über andere Kanäle verfügbar zu machen. Können Sie das genauer beschreiben?
Sermon:
Die Idee ist, dass wir nicht nur darin investieren, möglichst viel Traffic auf unsere Seite zu ziehen, sondern vermehrt auch dorthin gehen, wo die Kunden bereits sind. In Deutschland sind das beispielsweise Google, eBay Kleinanzeigen und verschiedene Preisvergleicher. Wir haben damit begonnen, Partnerschaften mit diesen Unternehmen aufzubauen und unser Angebot dort zu integrieren. Bei unserer Tochter eBay Kleinanzeigen ist das naheliegend. Wir spielen Teile unseres Sortiments inzwischen auch bei Suchen über eBay Kleinanzeigen aus und sind dabei auf eine überraschend große Nachfrage nach Marktplatzangeboten gestoßen. Künftig wollen wir auch Angebote von eBay Kleinanzeigen in eBay.de integrieren und Suchergebnisse mit lokalen Kleinanzeigenangeboten anreichern.

Besteht dabei nicht die Gefahr, dass eBay wieder vermehrt als C2C-Portal wahrgenommen wird? Seit Jahren bemühen Sie sich ja darum, vom Image des "Online-Auktionshauses" wegzukommen…
Sermon:
Es stimmt, wir müssen dabei vorsichtig vorgehen. Aber ich denke, dass es eine immer deutlichere Abgrenzung zwischen den Marken eBay.de und eBay Kleinanzeigen gibt. Kleinanzeigen hat einen klaren Fokus auf lokalen, einfachen und kostenlosen Handel und hat damit sehr großen Erfolg. Auf dem eBay-Marktplatz sind dagegen heute 80 Prozent der Artikel Neuware zu Festpreisen und die Ware wird in der Regel national oder sogar international angeboten. Ich denke, es gibt inzwischen eine sehr klare Wahrnehmung, für was jede der beiden Plattform steht. Trotzdem werden wir gut darauf aufpassen, dass wir mit der Integration der beiden Kanäle bei den Kunden keine Verwirrung erzeugen.

"Hohe strategische Übereinstimmung mit Idealo"

Seit Ende 2018 sind eBay-Angebote auch über Idealo.de verfügbar. Wie erfolgreich ist diese Strategie?
Sermon:
Mit einer Plattform wie Idealo gibt es eine sehr hohe strategische Übereinstimmung. Wir achten darauf, dass die bei eBay.de am stärksten nachgefragten Produkte dort gut sichtbar sind und experimentieren mit Idealo Direktkauf, sodass Kunden dort gleich den Kauf abschließen können. Ich war selbst überrascht, wie sich das in kurzer Zeit zu einem beachtlichen Geschäft entwickelt hat. Es gibt kein anderes Land in Europa, in dem Preisvergleicher eine so große und wichtige Rolle spielen. Und so ist es uns möglich, über Idealo Kunden zu erreichen, die bisher noch nie bei eBay eingekauft haben - ganze 60 Prozent der Bestellungen über Idealo stammen von eBay-Neukunden. Inzwischen sprechen wir auch mit anderen Plattformen über ähnliche Partnerschaften.

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Mit der Shopping-App "Catch" will eBay Millenials und Mobile Shopper ansprechen.

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Verfolgt auch Catch, die im letzten Herbst gestartete Mobile-Shopping-Plattform von eBay, dieses Ziel der Neukundengewinnung?
Sermon:
Ja. Für Catch haben wir mit einem Drittentwickler zusammengearbeitet, der die APIs von eBay genutzt hat, um den Warenbestand von eBay.de in einem neuen Format zu präsentieren, das auf die Bedürfnisse und Interessen von Millennials zugeschnitten ist. Catch lädt zum Stöbern ein, setzt stark auf visuelle Reize, hat einen höheren Entertainment-Faktor und ist somit ein sehr inspirierendes ­Shopping-Erlebnis. Catch wächst sehr gut und wir nutzen den eBay-Marktplatz und eBay Kleinanzeigen, um weiter Millennials auf das Angebot aufmerksam zu machen. Für uns ist das im Moment noch ein Experiment, aber ich bin sehr optimistisch, was den Erfolg betrifft. Und wenn Catch gut funktioniert, können wir darüber nachdenken, in Zukunft Plattformen für andere Kundensegmente zu kreieren, die auf ihre jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten sind.

Wenn man die Strategie hinter Catch weiterdenkt, könnte eBay künftig mit einer ganzen Reihe von Apps und Portalen das Potenzial neuer Verkaufskonzepte wie zum Beispiel Social oder Video Shopping erproben…
Sermon:
Auf jeden Fall. Es gibt gerade bei jungen Konsumenten ein großes Interesse, auf neue, andere Art und Weise online einzukaufen. Im Moment ist das noch recht klein, aber es gibt einen klaren Trend zu Dingen wie Gamified Shopping oder Shopping per Video-Feed. Wenn ich das selbst ausprobiere, habe ich den Eindruck, dass ich dafür wohl schon zu alt bin. Aber für die jungen Zielgruppen ist das hoch attraktiv und wir werden weiterhin verschiedene Shopping-Formate testen.

Seit Ende 2018 bietet eBay für Händler erstmals einen eigenen Fulfillment-Service an. Wie ist die erste Resonanz auf das Angebot?
Sermon:
Wir haben eBay Fulfillment im Oktober 2018 in Zusammenarbeit mit Fiege, Hermes und Plentymarkets gestartet, und das ist das erste Mal, dass wir in den Bereich Logistik so massiv hineingehen. Zum ersten Mal in seiner Geschichte hat eBay eine Technologieplattform entwickelt, die zwischen unserem Marktplatz, einem Marktplatzdienstleister und einem Logistikanbieter steht. Nach Plentymarkets kommt bei den Software-Partnern nun auch JTL hinzu und bald folgen weitere Anbieter. Unseren Händlern bieten wir dabei Preispunkte, die sehr attraktiv sind - vor allem für kleinere und mittlere Händler und auch gerade, wenn man sie mit anderen Plattformen vergleicht. eBay-Plus-Artikel, die bis um 20 Uhr bestellt werden, sind dabei mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent am nächsten Tag bei den Kunden. Die Nachfrage von Händlerseite ist sehr groß. Jeden Tag treffen mehr Artikel in unserem Lagerhaus ein. Wir arbeiten hart an diesem Projekt, wir lernen viel und haben das Gefühl, dass es sich in eine gute Richtung entwickelt. Bis zum Weihnachtsgeschäft ist es unser großes Ziel, eine Vielzahl von Händlern mit relevantem Inventar in das Fulfillment-Programm zu bringen.

Während andere E-Commerce-Plattformen beim Thema Logistik auf ihre eigene Infrastruktur zurückgreifen können, ist eBay als reiner Marktplatzbetreiber auf die Zusammenarbeit mit dem Logistiker Fiege angewiesen. Ist das ein Nachteil?
Sermon:
Wie bei jedem Investment ist auch eBay Fulfillment erst einmal mit gewissen Anlaufkosten verbunden. Aber indem wir das Inventar vieler Händler bündeln können, erhalten wir höchst attraktive Konditionen für das Fulfillment. Und indem wir mit Partnern zusammenarbeiten, die ihre Investitionen bereits unabhängig von uns getätigt haben, sind die Kosten wesentlich geringer, als das bei vergleichbaren Programmen anderer E-Commerce-Plattformen der Fall ist.

"Deutschland ist einer der kompliziertesten Märkte in Sachen Payment"

Im Frühjahr hat eBay angekündigt, seine neue, zentrale Zahlungsabwicklung bald auch in Deutschland einführen zu wollen. Welches Feedback haben Sie seitdem darauf erhalten?
Sermon:
Wir haben auf unsere Ankündigung bereits viel positive Resonanz von Händlerseite erhalten. Sie sehen, dass wir eine Palette von neuen Zahlungsmöglichkeiten schaffen und so den Kunden eine breitere Auswahl beim Bezahlen bieten. Ich selbst freue mich sehr, dass Deutschland als weltweit zweite eBay-Landesgesellschaft für die Umsetzung der neuen Zahlungsabwicklung ausgewählt wurde. Der Grund dafür ist übrigens interessant: Deutschland wird als einer der kompliziertesten Märkte in Sachen Payment betrachtet. Es wird davon ausgegangen, dass, wenn sich die Zahlungsabwicklung in Deutschland gut implementieren lässt, das dann auch in jedem anderen Markt der Fall sein wird. Die Umsetzung hängt allerdings noch von der behördlichen Zustimmung ab.

eBay-Campus

Die Deutschlandzentrale von eBay in Dreilinden ist seit 2017 die berufliche Heimat von Eben Sermon. Zuvor war der Brite zehn Jahre für eBay in Zürich tätig.

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Neben dem Wettbewerb durch andere Online-Marktplätze wird eBay auch immer öfter durch Händler herausgefordert, die sich im Windschatten von Zalando oder Otto selbst zu Marktplatzbetreibern wandeln. Wie beurteilen Sie deren Chancen?
Sermon:
Es ist anspruchsvoll, einen wirklich funktionierenden Marktplatz aufzubauen. Wir beobachten, dass einige Unternehmen gute Fortschritte machen, während andere zu kämpfen haben. Zum einen braucht es für einen funktionierenden Marktplatz ein sehr dynamisches Händlernetz. Es bedeutet einen beträchtlichen Aufwand, ein breites Warensortiment aufzubauen, die nötigen Tools und API-Feeds zu schaffen und den Händlern die erforderlichen Daten zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig muss man es schaffen, unter den Kunden genügend Nachfrage nach den Marktplatzangeboten zu schaffen. Mit all dem sind sehr signifikante Investitionen verbunden.

Bedeutet die steigende Anzahl der Marktplätze, dass der Wettbewerb größer wird, attraktive Händler und Hersteller auf die ­jeweilige Plattform zu bringen - besonders wenn es um exklusive Partnerschaften geht?
Sermon:
Meine Beobachtung bei der Zusammenarbeit mit Markenherstellern und Händlern ist, dass der entscheidende Aspekt ist, eine wirklich tiefgehende Partnerschaft aufzubauen. Etwa wenn es darum geht, wie sich eine Marke auf einem Marktplatz darstellen kann. Oder bei der Erstellung von gemeinsamen operativen Plänen für die Zusammenarbeit. eBay hat damit umfangreiche Erfahrung und hat in der Vergangenheit bereits viel in den Aufbau dieser Partnerschaften investiert. Zudem sind wir ein reiner Marktplatzbetreiber und treten mit den angeschlossenen Händlern und Marken niemals in Konkurrenz. Allein im letzten Jahr haben sich mehr als 60 relevante Marken neu zum Verkauf auf eBay.de entschlossen und wir arbeiten hart daran, diese Partnerschaften zu pflegen und zu entwickeln.

Blicken wir zum Schluss in die Zukunft: In fünf Jahren wird eBay sein 25-jähriges Jubiläum in Deutschland feiern. Welche Weichen müssen jetzt gestellt werden, damit es dann auch wirklich etwas zu feiern gibt?
Sermon:
eBay steht heute dafür, dass wir der Marktplatz mit der dynamischsten Vielfalt an Händlern weltweit sind - egal ob es sich dabei um kleine Manufakturbetriebe, mittelgroße Händler oder große Marken handelt. Dass das so bleibt, ist der wichtigste Faktor, damit eBay weiterhin erfolgreich ist. In den nächsten Jahren wollen wir gut mit unseren bestehenden Verkäufern zusammenarbeiten und weiterhin neue Händler mit attraktiven Produkten zu eBay bringen. Dabei ist es wichtig, dass wir unser Warenangebot auf eine gleichermaßen attraktive und struktu­rierte Weise darstellen, die es den Kunden ermöglicht, sich einerseits inspirieren zu lassen und andererseits schnell das zu finde, was sie suchen. Dabei müssen wir den Ansprüchen neuer, junger Kundengruppen gerecht werden. Und wir werden weiterhin immer als Partner der Händler auftreten und nie als Wettbewerber. eBay ist ein menschlicher Marktplatz und ein menschliches Unternehmen mit viel Herz. Und das ist es auch, was mich dazu bewogen hat, dem Unternehmen so lange Zeit treu zu bleiben.

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