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Tim-Nedden
Plattformen 26.09.2018
Plattformen 26.09.2018

Gastkommentar Seller konzentrieren ihr Produktangebot - und Amazon profitiert

Tim Nedden, Gründer und Geschäftsführer der Agenturgruppe Finc3

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Tim Nedden, Gründer und Geschäftsführer der Agenturgruppe Finc3

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Der Multi Product Reseller, der Marken und nicht Markenwaren einkauft und auf Amazons Marketplace feilbietet, hat ausgedient. Eine ehemalige Erfolgsstory steht vor dem Ende. Doch bei genauerem Hinschauen wundert das nicht.

Von Tim Nedden, Gründer und Geschäftsführer der Agenturgruppe Finc3

Die Analyse des amerikanischen Marktplatz-Portals Marketplace Pulse, die vor einigen Tagen veröffentlicht wurde, gießt nur in Zahlen, was bereits absehbar war: Der Multi Product Reseller, der Marken und nicht Markenwaren einkauft und auf Amazons Marketplace feilbietet, hat ausgedient. Eine ehemalige Erfolgsstory steht vor dem Ende.
 
Doch bei genauerem Hinschauen wundert das nicht: Denn der Wertschöpfungsbeitrag von Resellern beschränkt sich darauf, Produkte auf Amazon anzubieten, die man entweder auf der Plattform noch nicht kaufen kann oder die es hier einen Tick günstiger als bei anderen Sellern gibt. Dieser Wettbewerbsvorteil griff nur, solange Markenhersteller nicht selbst an Amazon verkauften. Oder solange sie Amazon keine wettbewerbsfähigen Preise einräumten.

Keiner kann es sich leisten, auf Amazon zu verzichten

Inzwischen sind jedoch immer mehr Markenherstellern selbst auf Amazon aktiv, sei es im Vendor- oder im Seller-Programm. Keine Marke kann es sich heutzutage leisten, auf der Plattform nicht vertreten zu sein: Sie steht für fast 50 Prozent des deutschen E-Commerce-Umsatzes - in anderen Ländern ist der Marktanteil sogar noch höher. Sind Hersteller erst einmal direkt auf Amazon vertreten, können sie den Verkauf ihrer Produkte auf der Plattform direkt beeinflussen und haben gegenüber Sellern aufgrund der höheren Marge immer den längeren Atem.
 
Für die Seller bleibt die Flucht nach vorne: lukrative Nischen entdecken und Eigenmarken entwickeln, die ihnen Exklusivität bieten. So können sie sich dem direkten Preiswettbewerb mit anderen Sellern auf demselben Produkt entziehen. Und sich stattdessen über interessante Produkt-Features, Qualität oder Services differenzieren. Logisch, das funktioniert besser, wenn man sich auf wenige Produkte fokussiert, bei diesen aber exzellent ist. Und genau das belegen die Zahlen der Studie: Immer mehr Seller sehen ihre Zukunft in der Eigenmarkenentwicklung. Frei nach dem Motto: Weniger (aber exklusiver) ist mehr.
 
Für Amazon bedeutet das, dass die Attraktivität des Produktsortiments weiter zunimmt. Zwar wird es zunehmend weniger Anbieter desgleichen Produktes geben, aber immer mehr Variationen ähnlicher Produkte. Die Spezifizierung nimmt zu, Nischen werden gefüllt. Und Kunden haben zukünftig immer häufiger die Wahl zwischen etablierten Marken und aufstrebenden Newcomern.

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