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Hannes Detjen
Amazon 05.02.2019
Amazon 05.02.2019

Gastkommentar Kein Ende von Amazon-SEO durch neues Layout im Seller Central

Hannes Detjen, Inhaber, Gründer und Geschäftsführer der Remazing GmbH

Remazing

Hannes Detjen, Inhaber, Gründer und Geschäftsführer der Remazing GmbH

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SEO auf Amazon steht vor dem Ende. Das zumindest berichteten in den vergangenen Wochen verschiedene Medien. Für Hannes Detjen von Remazing ist das neue Layout des Amazon Seller Central jedoch kein Grund zur Panik.

Von Hannes Detjen, Inhaber, Gründer und Geschäftsführer der Amazon-Marketing-Agentur Remazing GmbH

SEO auf Amazon steht vor dem Ende. Das zumindest berichteten in den vergangenen Wochen verschiedene Online-Medien. Schenkt man den Berichten Glauben, ist die Suchmaschinenoptimierung auf Amazon bedroht, ja fast schon abzuschreiben.
 
Doch was genau ist eigentlich passiert? Ursprung der Aufregung ist ein Bericht der Agentur Revoic aus Köln, die einen Zusammenhang zwischen dem neuen Layout in Seller Central und einem absehbaren Ende von Schreibrechten für Verkäufer herstellte. Allerdings scheint dieser Schluss vage, um nicht zu sagen: kaum nachvollziehbar.

Löcher in der Argumentationskette

Zu den Fakten: Tatsächlich ist es so, dass Seller Central ein neues Layout hat. Endlich vereinfacht sich der Prozess einer Artikellistung und auch das Design ist deutlich verbessert. Und es stimmt auch, dass man Hinweise auf "Vorschläge" und "Empfehlungen" findet. Aber: An der Content-Erstellung ändert sich dadurch erst einmal nichts. Kann man nun daraus schließen, dass Amazon in Zukunft den Produkt-Content aus unterschiedlichen Quellen selbst zusammenstellen wird?

Es ist in der Tat so, dass Amazon aktuell auch eigenen Content erstellt, um bestimmte Produkte besser darzustellen. Dies aber ist weder neu noch bedrohlich, da Amazon schon immer kleinere Veränderungen am Content vorgenommen hat.

Doch die Schlussfolgerung, die der nicht genannte Autor in seinem Artikel aus dieser Entwicklung zieht, ist eine andere: Die Folge sei eine "automatisierte Erstellung der Produktdetailseiten", die das Ende von Keywords auf Amazon bedeuten könnte. Auch bestehe ein Zusammenhang zwischen dem neuen Logo-Design von Seller Central und weiteren, zukünftigen Änderungen. Diese Argumentationskette weist bei näherem Hinsehen mehr als kleine Löcher auf.

Deshalb im Folgenden eine kurze Stellungnahme mit drei Thesen:
 
1. Amazon schränkt in Zukunft die Möglichkeiten freier Content-Gestaltung ein

Dieses Vorgehen von Amazon ist bekannt und für den Online-Riesen in dreifacher Hinsicht sinnvoll: Erstens möchte Amazon das Kundenerlebnis verbessern. Dabei hilft eine größere Einheitlichkeit der Produktdetailseiten, denn so können Kunden leichter navigieren und alle Informationen einordnen. Außerdem soll der Kunde, wenn er beispielsweise nach einer weißen Box sucht, auch eine weiße Box finden. Eine schwarze Box als Suchergebnis ist vielleicht im Interesse des Verkäufers, aber nicht des Kunden.

Zweitens gibt es rechtliche Gründe für die Einschränkung der Content-Gestaltung, denn das Unternehmen möchte verhindern, dass irreführende oder falsche Produktinformationen auf seinen Seiten zu finden sind.

Drittens ist es für Amazon definitiv kein Nachteil, wenn die Werbebudgets erhöht werden, weil die organische Ranking-Optimierung limitiert ist. Aus diesen drei Gründen ist zu vermuten, dass in Zukunft strengere Richtlinien (Pflichtfelder, Zeichenlimitierungen, einheitliche Strukturen) eingeführt und auch umgesetzt werden.

Die Bedeutung von Keywords

2. Keywords bleiben ein wichtiger Teil von Amazon

Amazon zeichnet sich für die Kunden durch seine Suchfunktion aus, sie ist der Kern der Handelsplattform, denn nur so lassen sich schnell und einfach die gesuchten Artikel finden. Durch die große Konkurrenzsituation kann man sich darauf verlassen, dass die besten Ergebnisse den Ansprüchen an Preis und Qualität genügen Und: Zur Suche passen.

Die Produktsuchen sind unvorstellbar vielfältig, denn es gibt Millionen unterschiedliche Begriffe, nach denen täglich auf Amazon gesucht wird. Amazons Vision ist es - wenn irgendwie möglich - alle Produkte der Welt zu verkaufen. All diese Produkte unterscheiden sich ebenso sehr voneinander, wie die Begriffe, mit denen nach ihnen gesucht wird. Und was bringt Amazon und Kunden diese gigantische Anzahl an Produkten, wenn man sie nicht findet? Nichts, also wird Amazon auch in Zukunft sicherstellen, dass Keywords Produkten zugeordnet werden können.

3. Individualisierter Content und Branding werden - im Rahmen der Möglichkeiten - wichtiger

Bei der riesigen Menge an Produkten auf Amazon wird es weder kurz- noch mittelfristig möglich sein, für alle Produktkategorien vordefinierte Drop-Down-Menüs zur Auswahl von Artikelmerkmalen zu erstellen. Darunter würden Qualität und Genauigkeit der Listings enorm leiden.

Wir beobachten seit geraumer Zeit wie dies anderen Online-Marktplätzen nicht mal bei einem Bruchteil der angebotenen Produkte gelingt. Wenn eine solche Strategie durchgesetzt würde, wäre eine Einschränkung der Artikelvielfalt die unabdingbare Folge. Und das widerspricht eindeutig Amazons primären Interessen.

Falls es doch - entgegen jeder Erwartung - eine Möglichkeit geben sollte, solche Felder und Informationen schneller (oder sogar automatisiert) zu erstellen, wäre das außerdem kein Nachteil. Vielmehr würde es Vendoren und Sellern ermöglichen, mehr Zeit in Brand Content Optionen zu investieren. Zu diesen zählen Stores, A+ Pages oder Enhanced Brand Content. Und auch Bilder und Videos bekämen auf Amazon eine noch größere Bedeutung.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Zukunft rund um Amazon spannend bleibt. Doch das neue Design in Seller Central wird dafür kaum die Ursache sein.

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