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Alibaba
Plattformen 24.01.2017
Plattformen 24.01.2017

Die Digitalwelt in Zahlen Alibaba auf großer Expansion: Wenn China zu klein wird

Alibabas Sitz in Xixi, Hangzhou, China

Alibaba

Alibabas Sitz in Xixi, Hangzhou, China

Alibaba

Jack Ma ist einer der reichsten Männer Chinas - vor allem dank Alibaba. Jetzt soll die E-Commerce-Plattform die Olympischen Spiele in die digitale Zukunft führen. Was steckt hinter dem Milliarden-Imperium?

"Ein Handelskrieg zwischen den USA und China wäre ein Desaster für die ganze Welt". Die Aussage stammt vom chinesischen Unternehmer Jack Ma, Gründer und CEO der Alibaba Group. Sie fiel erst vor wenigen Tagen auf dem Davoser Wirtschaftsforum und sorgte für viel Gesprächsstoff. 

Es heißt, Ma sei ein Philanthrop, wissbegierig und stur - jemand, der schon früh die englische Sprache lernte und Touristen kostenlos durch seine Geburtsstadt Zhejiang führte, um sein Englisch zu verbessern - neun Jahre lang. Diese Weltoffenheit spiegelte auch seine Rede in Davos wider. Denn Ma positionierte sich klar, er stellte sich gegen die von Donald Trump verbreiteten Ängste und panikschürenden Wahlkampfparolen und erklärte, er würde alles in seiner Macht stehende tun, um Handelskriege zu vermeiden. Notfalls auch sein Alibaba aufgeben.

Jack Ma

Jack Ma, CEO Alibaba

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Natürlich betonte Ma auch, man wolle erst einmal Trump Zeit zum Handeln geben und keine voreiligen Schlüsse ziehen. Auch ein Treffen mit ihm gab es schon. So ganz uneigennützig ist all das nicht. Denn Alibaba ist vor allem aufgrund des freien Handels zwischen den USA und China international erfolgreich. Über AliExpress verkaufen chinesische Händler ins Ausland, über das Portal Tmall bekommen chinesische Bürger ausländische Waren. Dass das auch in Zukunft so bleibt, ist für Alibaba wichtiger denn je.

Erfolgsstory Alibaba

Ma gründetet Alibaba 1999 - mit 60.000 US-Dollar Startkapital. Inzwischen arbeiten Top Manager wie Terry von Bibra (Karstadt, Yahoo, Amazon) als General Manager Europe bei der Alibaba Group. Inzwischen fährt Alibaba am Singles' Day innerhalb von nur fünf Minuten eine Milliarde US-Dollar Umsatz ein. Und Alibaba hat auf seinem chinesischen Markplatz 439 Millionen aktive Nutzer. Auch im wichtigen Mobile-Geschäft läuft es. Die Zahl der User auf Smartphone und Co stieg binnen drei Monaten um 23 Millionen auf 450 Millionen.

Im dritten Quartal 2016 konnte der chinesische E-Commerce-Riese seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 55 Prozent auf 34,3 Milliarden Yuan (4,58 Milliarden Euro) steigern. Der Gewinn lag bei 7,1 Milliarden Yuan. Das war zwar ein Rückgang von 69 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal, damals hatte allerdings ein Sondergewinn aus einer Neubewertung das Ergebnis in die Höhe getrieben.

Alibabas Ökosystem

Alibabas-Oekosystem

Alibaba

Alibaba ist mit seinen Diensten wie Taobao und Tmall die führende Handelsplattform in China und will - wie Amazon - auch verstärkt zu einem Cloud-Dienstleister werden. Schon jetzt ist die Alibaba Cloud in Sachen Umsatz Chinas größter Anbieter von öffentlichen Cloud-Diensten. Das übergeordnete Ziel jedoch heißt Expansion. Alibaba ist der chinesische Markt längst zu klein geworden. Man will internationale Marken und Partner und mehr internationale Kunden, kurz: Die Zeichen stehen auf Globalisierung. Unter diesem Aspekt überrascht auch der aktuelle Deal mit dem International Olympic Committee (IOC) nicht.

Wie viel die Olympia-Kooperation in Sachen "Cloud Services und E-Commerce Platform Services" genau wert ist, ist nicht klar. Die Schätzungen liegen zwischen 600 und 800 Millionen US-Dollar, der Deal gilt als der größte in der Olympischen Geschichte. Kein Wunder, steht Alibaba doch nun in einer Reihe mit großen Namen wie Coca Cola, Samsung oder McDonald's. Andere Sponsoren wie Panasonic und Bridgestone zahlten als Sponsoren jeweils rund 200 Millionen US-Dollar innerhalb eines olympischen Vierjahres-Zyklus.

Alibaba soll die Olympischen Spiele in die digitale Ära zu führen und sie effizienter machen. Mindestens bis 2028 wird die Handelsplattform weltweiter olympischer Partner sein. Vielen, vielleicht weniger online-affinen Konsumenten dürfte Alibaba aktuell noch kein oder kaum ein Begriff sein - das wird sich nun ändern.

Alibaba will künftig die Hälfte seines Umsatzes außerhalb Chinas machen. Im vergangenen Jahr kamen noch drei Viertel der Umsätze aus dem Heimatland. Viel steht und fällt also tatsächlich mit Trump, das Ganze ist und bleibt ein großes politisches Risiko. Trotzdem: Unrealistisch sind die Ziele nicht - höchstens ambitioniert bis mutig. Das passt zu Jack Ma. Er wurde früher "Crazy Jack" genannt - für ihn ein Lob: "Verrückt ist gut. Wir sind verrückt, aber nicht dumm."

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