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Payment Julia Houben Paylobby
Payment 13.07.2018
Payment 13.07.2018

Julia Houben, Payment-Expertin "Payment hat sich zum techgetriebenen Segment entwickelt"

Die Payment-Expertin Julia Houben

Die Payment-Expertin Julia Houben

Fusionen, Übernahmen, Joint Ventures - im Markt der Payment Service Provider ist gerade viel los. Doch warum dreht sich der Markt so schnell? Ein Gespräch mit der Payment-Expertin Julia Houben.

Der Payment-Markt ist momentan stark in Bewegung, die Konsolidierung bei Payment Service Providern (PSP) ist voll im Gang. Während die einen Geschäftsbereiche abgeben, Joint Ventures eingehen oder fusionieren - so zum Beispiel Six Payment Services, BS Payone und Concardis - erzielen andere wie Wirecard und Adyen Traumwerte an der Börse. Zu den Hintergründen sprachen wir mit Julia Houben, Geschäftsführerin des Payment-Vergleichsdiensts Paylobby.de. 

Warum kommt es gerade jetzt zu dieser Konsolidierung?
Julia Houben: Heutzutage reicht es nicht mehr aus, nur noch einen kleinen Teil der Wertschöpfungskette im Zahlungsabwicklungsbereich abzudecken. Moderne Händler erwarten von ihrem Anbieter neben der Dienstleistung fürs Acquiring auch Lösungen zur Betrugsverhinderung, Omnichannel-Lösungen ebenso wie Systeme, die höchsten Sicherheits- und Datenschutzansprüchen genügen. Jeder Händler möchte darüber hinaus seinen Kunden ein erstklassiges Zahlungserlebnis ermöglichen ohne hierzu allzu viel in die IT-Anbindung zu investieren. Diese Anforderungen erhöhen den Druck auf die Acquirer beziehungsweise Payment Service Provider in Europa.

Zudem werden mit der Umsetzung der PSD2 in nationales Recht in Zukunft Kartentransaktionen weiter zurückgehen. Das wird zu einem weiteren Preisdruck im Bereich Acquiring führen. Diesen müssen PSPs über höhere Umsatzvolumina kompensieren. Höhere Transaktionsvolumina sind beispielsweise über große international agierende Kunden zu erreichen. Die Fusion der Concardis Payment Group und Nets A/S ist das jüngste Beispiel zweier Unternehmen, die die europäische Expansion weiter forcieren und damit ein gutes Portfolio für expandierende E-Commerce-Unternehmen schaffen.

Warum geben gerade die Banken Ihre PSPs ab, wie zum Beispiel die Sparkassen ihren PSP BS Payone oder im vergangenen Jahr ein deutsches Bankenkonsortium seine Tochter Concardis?
Houben: Payment hat sich von einem langweiligen Nebengeschäft der Banken in ein dynamisches tech-getriebenes Segment entwickelt. Um hier mithalten zu können, sind hohe Investitionen und dynamische Strukturen erforderlich, zwei Dinge womit sich Banken auch aufgrund erhöhter Eigenkapitalanforderungen und Haftungsrisiken schwer tun. Zudem benötigen Händler europaweite oder sogar weltweite Lösungen. Hier können Banken mit lokal fokussierten PSPs nicht konkurrieren.

Warum sind im gegenzug Unternehmen wie Wirecard und Adyen so erfolgreich?
Houben: Wirecard und Adyen haben zur richtigen Zeit erkannt, dass die Händler All-in-One Lösungen für den Bezahlvorgang suchen. E-Commerce-Unternehmen wollen verschiedenste Zahlungsmöglichkeiten wie zum Beispiel Kreditkarten, Paypal, Rechnungskauf, Lastschrift über eine Plattform anbieten und dabei auch nur einmal den Aufwand für die Vertragsgestaltung und technische Integration haben. PSPs wie Wirecard und Adyen sind stark mit ihren Kunden gewachsen, unter anderem auch weil sie weltweiten Marktzugang für das Cross-Border Geschäft bieten. Die Internationalisierung ist nach wie vor eine große Wachstumschance für E-Commerce-Unternehmen. Aber das Payment im Check-out Prozess muss auf die jeweils lokalen Bezahlmethoden angepasst werden, um erfolgreich zu sein. Adyen arbeitet hier mit integrierten lokalen Payment-Anbietern wie PrimeiroPay in Brasilien zusammen. Diese haben den Vorteil, Zahlungen lokal im Endkundenland verarbeiten zu können, was europäischen Händlern erst ermöglicht, in solchen Märkten aktiv zu werden. 

Wer sind künftig die relevanten Player im deutschen PSP-Markt?
Houben: Zukünftig werden die Unternehmen den Markt beherrschen, die verstehen, dass Payment ein wichtiger Teil der Customer Experience ist. Bezahlen macht keinen Spaß, also muss der Bezahlvorgang in den Hintergrund rücken, aber gleichzeitig sicher sein und nahtlos verschiedene Verkaufskanäle verknüpfen.  Man kann auch einen Trend dahingehend beobachten, dass Zahlungsanbieter weltweit Zahlungsabwicklung ermöglichen wollen und hierbei in großen Märkten wie Deutschland in die jeweiligen populären lokalen Bezahlmethoden hineinwachsen. Zudem gibt einen globalen Trend hin zu Wallet-Anbietern, gestartet von PayPal und nun gefolgt von Apple und Google, dem sich auch Deutschland nicht entziehen werden kann.

Welche Auswirkungen hat die Konsolidierung für die Shop-Betreiber in Deutschland?
Houben: Mit der Konsolidierung in Deutschland entstehen europäische Payment-Riesen, die das Cross-Border-Geschäft für Shop-Betreiber vereinfachen und Händlern die jeweiligen lokal populären Bezahlmethoden als Produkte europaweit oder gar weltweit anbieten. In Deutschland wird sich die Relevanz internationaler Payment-Lösungen erhöhen, zum einen durch die hohe Popularität von PayPal, zum anderen durch die Tatsache, dass viele Banken zum Girokonto noch eine oftmals kostenfreie Visa oder Mastercard Debit Karte dazulegen werden. Die Größe bietet den Payment-Anbietern die Möglichkeit, in Zukunftstechnologien wie die biometrische Authentifizierung oder Künstliche Intelligenz zur Betrugserkennung zu investieren.

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