Umfrage der Next Media Hamburg 11.09.2017, 17:00 Uhr

Daten gegen Angebote: Das denken die Deutschen wirklich darüber

Die junge Generation der Deutschen ist bereit, für personalisierte Empfehlungen private Informationen herauszugeben und glaubt an die Vorteile datengesteuerter Geschäftsmodelle - mit dem Alter steigt laut einer Umfrage die Skepsis.
(Quelle: shutterstock.com/Rawpixel.com)
Von Enrico Gemsa
Data Driven Marketing ist längst gängige Praxis in der Online-Werbung und in sozialen Netzwerken. Aus den Informa­tionen, die die User im Internet hinterlassen, ermitteln Google und Co mögliche Nutzerinteressen und bieten hierzu passende Ergebnisse an. Doch was wäre, wenn die User sensible Angaben zu ­ihrer Person freiwillig an die Seitenbetreiber herausgeben, um auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Empfehlungen zu erhalten? Geben Nutzer ihre Daten heraus, wenn sie dann bessere Angebote vermittelt bekommen?
Mit dieser Frage befasste sich die Initiative Next Media Hamburg. Im März dieses Jahres führte sie zusammen mit dem Statistik-Dienstleister Statista eine repräsentative Umfrage durch. Das Ergebnis bestätigt, was der Datenjournalist Marco Maas bereits seit Längerem vermutet: "Fragen Sie heute einen Menschen, ob er automatisierte personalisierte Inhalte haben will oder einen linearen ungefilterten Zugang zu Nachrichten, bevorzugt er oftmals die ungefilterte Variante."
Allerdings zeigt die Umfrage unter 1.000 Befragten auch deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Während 56 Prozent der 18- bis 29-Jährigen großen Wert ­darauf legen, dass aktuelle Medien­inhalte deutlich mehr auf ihre Vorlieben eingehen, ist dies für 64 Prozent der Menschen zwischen 50 und 60 Jahren nicht wichtig. ­Dabei wünschen sich fast 90 Prozent beider ­Altersgruppen, vielfältige Medieninhalte zu erleben und auch von gegenteiligen Meinungen zu erfahren.
Die Bereitschaft, für personalisierte Inhalte Daten wie Vorlieben und Interessen gegenüber den Anbietern preiszugeben, ist ebenfalls unterschiedlich ausgeprägt. Fast die Hälfte aller über 50-Jährigen will diese Informationen über sich nicht preisgeben. Doch gerade einmal 17 Prozent der ­Befragten unter 29 Jahren teilen diese Ansicht. Ein ähnliches Verhältnis von etwa drei zu eins zwischen diesen Altersgruppen zeigt sich, wenn man die Anzahl derjenigen betrachtet, die bereits heute ihre persönlichen Daten zur Verfügung stellen (14 Prozent bei den 18- bis 29-Jährigen, 5 Prozent bei den 50- bis 60-Jährigen). Junge Nutzer sind also in diesem Punkt weniger kritisch als ältere.

Geschlecht, Alter und Interessen

Von den Befragten, die bereit wären persönliche Daten zu teilen, würden bis zu 88 Prozent Geschlecht, Alter und Interessen preisgeben. Deutlich mehr als die Hälfte würde auch aus den eigenen Hobbys kein Geheimnis machen. Bei den hochsensiblen Angaben nimmt das Vertrauen in die ­Online-Anbieter aber mit dem Alter tendenziell zu. Während nur 19 Prozent der 18- bis 29-Jährigen ihren Wohnort verraten, würden 38 Prozent der Befragten über 50 Jahre diese Auskunft ­geben. Auch auf Nachfragen nach Name und Adresse geben prozentual mehr als doppelt so viele Menschen zwischen 50 und 60 Jahren Auskunft als alle anderen Teilnehmer.
Die Umfrage der Hamburger Initiative sollte letztlich auch zwei sehr spezifische Fragen klären. Philip Dipner, Geschäftsführer der Content Fleet GmbH, vertritt die These: "Wenn der Content einen Mehrwert bietet, werden die User bereit sein, dafür zu zahlen. Allerdings nur, wenn vergleichbare Angebote ebenfalls Geld kosten."
Würden Nutzer also für personalisierte Medieninhalte zahlen? Von den hier Befragten wären zehn Prozent bereit dazu und ziehen mehrheitlich (95 Prozent) bei 10 Euro eine Höchstgrenze. Vielleicht liegt es daran, dass Informationen aus dem ­Internet im Grunde kostenlos sind. Marco Maas sieht hier den Unterschied: "Ich glaube nicht, dass die Personalisierung an sich ein Bezahlen rechtfertigt, es wird die Qualität der Empfehlung sein oder der ­Zugang zu exklusivem Material."
Diesen Ansatz beleuchtet die Umfrage unter einem besonderen Aspekt. Denn im Zusammenhang mit aktuellen Angeboten des Musik-Streamings sollten die Befragten eine Einschätzung abgeben, ob diese Form von ­Data-Driven-Geschäftsmodellen  eine Zukunft hat. Auch hier wird die unterschiedliche Auffassung der Generationen deutlich, denn fast 70 Prozent der Menschen bis 29 Jahre erkennen darin Entwicklungschancen - und stellen so gleichzeitig selbst das Potenzial für diesen Markt dar.




Das könnte Sie auch interessieren