Online-Marketing 27.04.2015, 08:15 Uhr

Steigerungspotential bei KMU-Webseiten

Webseiten sind auch für KMU und deren Online-Marketing wichtig. In der Realität sieht das aber noch anders aus.
Viele verschiedene Webseiten
(Quelle: Angela Waye/shutterstock.com )
Konkretes Zahlenmaterial gibt es nicht, doch verschiedenste Untersuchungen weisen in ein und dieselbe Richtung: Rund 25 Jahre nach der Erfindung des World Wide Web tun sich vor allem KMU mit Webseiten noch richtig schwer. Nur etwa 70 Prozent der KMUs (kleinere und mittlere Unternehmen), so ein Marktforschungsergebnis des Dienstleisters Telegate, haben eine ­eigene Website.
Dabei offenbaren sich - je nach Betriebsgröße und Branche - signifikante Unterschiede. Während beispielsweise Gastronomen dem Web gegenüber recht aufgeschlossen sind, ist das Handwerk ­zurückhaltender. Hier besitzt nur jeder zweite Betrieb eine eigene KMU-Website. Dies hat direkte Auswirkungen auf das Marketing: Die Online-Kanäle werden deutlich zurückhaltender eingesetzt als dies beispielsweise in großen Unternehmen üblich ist. "Digitales Marketing ist in vielen Betrieben des Mittelstandes noch nicht angekommen oder die Auswirkung wird unterschätzt", sagt Michael Schöttler, Geschäftsführer der Agentur Imwebsein. "Besonders deutlich wird dies in Betrieben, die bisher über das Internet keinen aktiven Verkauf betreiben."

Nicht auf der Höhe der Zeit

Vielen kleinen Mittelständlern ist durchaus bewusst, dass ihre Marketingmaßnahmen nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind. Dies offenbart beispielsweise ­eine Umfrage unter 430 kleineren Fachhändlern aus dem Bau-, Wohnungs- und Energiesektor. Darin geben 87 Prozent an, dass ihre Kunden sich zuerst im Internet informieren, bevor sie zu ihnen in den Laden kommen. Konsequenzen ziehen sie aus dieser Erkenntnis aber nur bedingt: Ein Drittel der Werbeausgaben wandert nach wie vor in Print, obwohl nur 16 Prozent aller Kunden sich in Print Informieren.
Woran aber liegt es, dass viele KMUs nur zaghaft mit KMU-Webseiten und Online-Marketing experimentieren, obwohl ihr Betrieb seit vielen Jahren ohne Computer nicht mehr auskommt und alle Angestellten privat ihr Smartphone nutzen? Das lasse sich nicht so einfach beantworten, sagt Schöttler. "Generell lässt sich aber sagen, dass fehlendes Wissen über die Möglichkeiten des digitalen Marketings bei vielen Betrieben der Grund ist, wieso es keine Anwendung findet."

KMU-Webseiten mit den Internet-Riesen verknüpfen

Mangelndes Wissen und Überforderung - schon große Unternehmen, das zeigen Umfragen, geraten mit der komplexen Multichannel-Welt und dem Tempo, mit dem neue Kanäle entstehen und wieder verschwinden, an den Rand ihrer Kapazitäten. Bei Betrieben mit 50 oder weniger Mitarbeitern fehlt es erst recht an Know-how und den Ressourcen, um die digitale Marketingklaviatur zu bedienen. Viele ­lagern deshalb aus - und fühlen sich plötzlich vom Dienstleister abhängig. Doch Alternativen sind keine in Sicht.
"Ganz klar: Der Trend wird sich dahin entwickeln, dass jedes Unternehmen - egal welcher Größe - im Internet vertreten ist", sagt Rudolf Schneider, General Manager bei Telegate. "Hier gilt es dann, die KMU Webseiten so mit den Internet-Riesen Google und Facebook zu verknüpfen, dass Verbraucher sie schnell finden und nutzen." Das aber sei für kleine und mittelständische Unternehmen, die keine Online-Experten beschäftigen, schlicht nicht möglich.  

Hilfe für Unternehmen bei ihren KMU Webseiten

Zum Geschäftsmodell von Unternehmen wie Telegate zählt es, den KMU mit ihren Webseiten unter die Arme zu greifen und sie mit der Grundausstattung fürs Web auszurüsten. Dazu zählt der italienische Restaurant­besitzer in München ebenso wie der Textilladen in Aachen. Während Ersterer nun ­eine ansprechende KMU-Website samt Videoclip und aktueller Speisekarte offeriert, ist der Handarbeitsladen inzwischen mit einem gut gehenden Online-Shop im Netz. "Seitdem ich im Internet werbe, habe ich spürbar mehr Gäste gewinnen können", versichert Davide Capodieci, ­Inhaber des Ristorante La Fontana.
Es gibt viele Beispiele, die zeigen, wie ­effektiv digitale Marketingmaßnahmen sein können: vom Friseur mit der Facebook-Präsenz über die Arztpraxis, die auf ihrer KMU-Webseite eine digitale Anmeldung pflegt, bis hin zum Anbieter mittelalterlicher Kleidung, der im Netz eine Community aufgebaut hat. "Für kleine und mittlere Betriebe ist klassische TV- oder Radiowerbung entweder zu teuer oder nicht zielführend", meint Michael Schöttler. "Über Online-Marketing-Maßnahmen können sie aber gezielt die Kanäle ansteuern, in denen sich die Zielgruppe des Unternehmens befindet."
Ein Beispiel für die Effizienz einer systematischen Ansprache hat soeben Twitter vorgelegt. Das Unternehmen befragte 500 Personen, die auf Twitter einem Unternehmen kleiner oder mittlerer Größe folgen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Präsenz tatsächlich den Umsatz ankurbeln kann. 70 Prozent der Befragten gaben an, dass Twitter der Grund war, warum sie bei dem KMU, dem sie folgen, etwas gekauft ­haben. Und 91 Prozent sagten, demnächst dort ­einen Kauf tätigen zu wollen.

Verbände bieten Seminare zu KMU Webseiten an

Damit die kleinen Firmen hier nicht den Anschluss verpassen, räumen Institutionen wie die Industrie- und Handelskammern der Digitalisierung der Wirtschaft oberste Priorität ein und bieten unterschiedliche Seminare zu dem Thema an. Das Bundeswirtschaftsministerium hat das Land mit sogenannten E-Business-Lotsen übersät, die ebenfalls ihre Unterstützung für KMU-Webseiten offerieren - bei Fragen zum ­Datenschutz, der IT-Sicherheit oder zum mobilen Arbeiten.
Die Telekom hat die Mittelstandsinitiative gestartet und tourt mit ­einer Event-Reihe durch Deutschland, Thema aus dem letzten Jahr: "In sechs Schritten zum digitalen Unternehmenserfolg." Allerdings hat es Online-Marketing nicht leicht, im Fokus der Verbände zu bleiben. Im Moment zieht beispielsweise das Thema Industrie 4.0 viel Aufmerksamkeit auf sich - und Ressourcen. Was das in der Praxis bedeutet, zeigt ein Rechercheversuch beim Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW). Auf die Frage, ob man zum digitalen Marketing mit Zahlenmaterial oder Ansprechpartnern weiterhelfen könne, lautete die ernüchternde Antwort: "Da müssen wir leider passen."
Der deutsche Mittelstand schätzt den Nutzen von Online-Marketing-Maßnahmen inzwischen höher ein als den von klassischen Medien, meint Burkhard Leimbrock von ReachLocal. Er erklärt die Gründe.



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