Gastbeitrag 23.11.2015, 07:45 Uhr

Phänomen Influencer-Marketing: Wie werden Marken zu Meinungsbildnern?

In Zeiten der Digitalisierung des Handels und des rasant wachsenden Wettbewerbs spielen Social Media Influencer eine wichtige Rolle im Marketing-Mix. Sie werden eingesetzt, um Marken authentisch zu positionieren.
(Quelle: Shutterstock.com/racorn)
Von Harald Meurer, Gründer des Online-Portals Getmore
Die Grenzen zwischen sozialem Netzwerk und Verkaufskanal sind fließend und Käufer verlassen sich bei all der Reizüberflutung längst nicht mehr auf die klassische Werbung der Unternehmen. Kunden stehen Markenversprechen kritisch gegenüber und orientieren sich daher anders.
Statt aufwendiger TV-Spots und teurer Printanzeigen spielen heute die sogenannten Influencer bei Kaufentscheidungen eine Rolle. Meinungsbildner, die vor allem durch Social Media Gehör finden. Für die Marketeers bedeutet das eine Verlagerung der strategischen Maßnahmen: Weg von den vier P’s - Product, Price, Place, Promotion - hin zu den vier C’s - Customer, Cost, Convenience, Communication. Während bislang das Produkt im Vordergrund stand, sind es heute themenrelevante Inhalte, die Kunden an eine Marke binden.

Social Media, die Influencer-Ära

Die sozialen Medien haben den Influencer-Trend maßgeblich vorangetrieben. 70 Prozent der Deutschen sind täglich auf Facebook, Twitter und Co anzufinden. Blogs gelten mittlerweile als eine der einflussreichsten digitalen Ressourcen. Gleiches gilt für visuelle Kanäle wie Instagram oder Snapchat. Letztere haben früh erkannt, dass Bilder mehr Aufmerksamkeit erzielen als Text. Da sich Nutzer die Personen, denen sie folgen, aktiv aussuchen, ist die Aufnahmebereitschaft sehr hoch. Influencer haben somit eine Reichweite, basierend auf ihren Follower-Zahlen oder Abonnenten, die sonst nur mit hohen Werbeetats zu verwirklichen ist. Doch wie wird man zum Influencer?

Selbstinszenierung als Marketingtool

Während es früher noch unnahbare Idole wie Micheal Jackson oder Madonna gab, sind es heute sogenannte Social Media Stars, die für Konsumenten weitaus erreichbarer scheinen. Das Erfolgsrezept: Mehr oder weniger vorgetäuschte Authentizität. Dank Inszenierung ihres Lebens auf Social Media nehmen sie ihre Follower in eine scheinbar schöne Welt auf. Ein Paradebeispiel ist die 28-Jährige Chiara Ferragni, die als einflussreiche Modebloggerin gehandelt wird und allein bei Instagram 8,4 Millionen Follower zählt.
Personen wie sie gelten für viele Menschen als Vorbilder und können in der Konsequenz viel Einfluss auf das Image einer Marke ausüben. Heutzutage sind in jeder Branche Influencer zu finden, die sich an Social Media Kanälen bedienen. Dabei kommt es nicht immer auf einen großen Follower-Kreis an. Die durchschnittliche Reichweite eines "normalen" Social Media Nutzers beträgt zwar "nur" 350 Follower, dennoch ist dieser höchst relevant für Empfehlungen: 59 Prozent aller Menschen beraten sich mit ihrem engeren Umfeld, bevor sie einen Kauf tätigen.

Durch Influencer-Marketing Kosten sparen

Risiko und Chance liegen beim Influencer-Marketing für Unternehmen nah bei einander. Marken geben ihre Werbegewalt ab, steigern aber die Glaubwürdigkeit gegenüber Konsumenten. Hinzu kommt der finanzielle Vorteil, da Werbekosten eingespart werden. Ein Vergleich: Ein Influencer auf Instagram mit circa acht Millionen Followern rechnet pro Bild, das er oder sie für eine Marke postet, circa 5.000 bis 10.000 Euro ab. Ein TV-Spot zur Prime-Time kostet ab 25.000 Euro (exklusiver Produktionsaufwand) und erreicht circa fünf Millionen Zuschauer. Unternehmen haben nicht nur großes Potential ihren Abverkauf durch Influencer zu steigern, sondern auch ihr Image zu formen und zu verbessern.

Wie Interessen in Zukunft vereint werden

Zwei Drittel aller Kaufentscheidungen basieren auf Empfehlungen. 90 Prozent der Käufer glauben sogar, dass Empfehlungen die verlässlichste Form der Werbung sind. Die klassischen Maßnahmen verlieren daher immer mehr an Relevanz und zwingen Unternehmen umzudenken. 75 Prozent der Konsumenten geben an, sich auf Social Media über Produkte und Dienstleistungen zu informieren.
Die logische Konsequenz daraus ist, die Belange auf einem digitalen Marktplatz zu vereinen. Viele Unternehmen kooperieren bereits mit Plattformen, auf denen Produkte oder Dienstleistungen über Empfehlungsmarketing verkauft werden. Nicht zuletzt sind Cashback Prämien oder Provisionen attraktive Mittel, um in kurzer Zeit eine große Social Selling Community aufzubauen, sodass alle Seiten profitieren. 



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