Neupositionierung 10.10.2017, 13:00 Uhr

Commerce Marketing: Wie sich Criteo neu erfinden will

Es sei Zeit für eine Weiterentwicklung gewesen, meint Alexander Gösswein, Managing Director Central Europe bei Criteo: Der einstige Retargeting-Anbieter will sich transparenter zeigen und setzt künftig auf ein Commerce-Marketing-Ökosystem.
Will weg vom reinen Retargeting: Alexander Gösswein, Managing Director Central Europe bei Criteo
(Quelle: Criteo)
Das Geschäftsmodell des französischen Unternehmens Criteo lässt sich längst nicht mehr in einem 140-Zeichen-Tweet zusammenfassen. Gegründet 2005 in Paris, ist die Firma heute in über 30 Ländern aktiv. In Deutschland agiert Criteo von München aus. Groß wurde Criteo mit Retargeting - das heutige Geschäftsmodell umfasst aber inzwischen weit mehr als nur die Wiederansprache von Online Shoppern.
Criteo will sich neu positionieren - eine Entwicklung, die für Alexander Gösswein, Managing Director Central Europe, überfällig war. Seit August 2017 bewirbt das Unternehmen sein neues Commerce-Marketing-Ökosystem, ein Netzwerk von zehntausenden Retailern, Marken und Publishern. Basis ist eine integrierte Marketing-Technologie auf Grundlage von Machine Learning. Unter diesem Ökosystem bringt Criteo peu à peu Händler-Lösungen auf den Markt, die es als geschlossene Einheit mit Amazon aufnehmen sollen.
Das Unternehmen will sich dabei einen Trend zunutze machen: "Amazon macht es vor: Die Suche verlagert sich zusehends in Richtung der Shops. Player wie Amazon schaffen ihre eigenen geschlossenen Walled Gardens. Wir halten geschlossene Ansätze für falsch und haben uns daher für eine offene, transparente Plattform entschieden, die auf der Bereitschaft zum Data Sharing beruht", erklärt Gösswein.
Das heißt: Das, was die großen Namen wie Zalando, Otto, Media-Markt-Saturn - und eben auch Amazon - schon länger mit ihren eigenen Vermarktern machen, will Criteo nun für den Rest des Marktes etablieren: mit der Vermarktung von Werbeflächen bei E-Commerce-Anbietern zusätzliche Abverkäufe und Umsätze generieren.

Neue Zusatzeinnahmen

Das Hauptaugenmerk dabei liegt auf den zur dmexco vorgestellten Sponsored Products. Um sich bei den Händlern unentbehrlich zu machen, übernahm Criteo im Herbst vergangenen Jahres HookLogic und deren Advertising Exchange für Marken. In den USA arbeiten bereits alle großen Namen wie Walmart, Toys’R’Us, Macy’s, Target oder Staples mit der Plattform. Mit der HookLogic-Lösung können die Retailer gesponserte Werbeplatzierungen - Native Product Ads - in ihren Produktsuchergebnissen verkaufen. Sie werden auf den Webseiten der E-Commerce Player angezeigt.
Nach Großbritannien, Frankreich, den USA und Holland ist das seit September auch in Deutschland möglich. Das Prinzip ist das gleiche, nur der Name wurde mit "Criteo Sponsored Products" geändert. Notebooksbilliger ist der erste Händler, der sich so Zusatzeinnahmen erschließen möchte. "Wir sprechen derzeit mit vielen Händlern und Marken", meint Gösswein, das Interesse sei groß.
Notebooksbilliger.de nutzt als einer der ersten deutschen Retailer die Criteo Sponsored Products.
(Quelle: Criteo)
Sponsored Products werden als native Produkt-Listings in definierten Bereichen auf der Notebooksbilliger.de-Webseite angezeigt. Klicken Nutzer auf die Ads, bleiben sie in der jeweiligen E-Commerce-Umgebung, was die Konversionsraten erhöhen soll.

"Kunden sind auch online promiskuitiv"

Die Sponsored Products sind für Criteo der erste Schritt in das neue "Commerce-Marketing-Ökosystem". Daneben gibt es eine Reihe anderer neuer Lösungen, eine davon ist "Customer Acquisition", das sich noch im Beta-Stadium befindet. "Kaum ein Kunde ist ein uniquer Nutzer eines bestimmten Online Shops. Das ist wie beim Offline Shoppen: Man besucht viele Läden während eines Einkaufsbummels, die Kunden sind auch online promiskuitiv", so Gösswein. Das wiederum macht sich Criteo nun in der Neukundenansprache zunutze.
Mit der Customer Acquisition sollen werbende Unternehmen neue Umsatzmöglichkeiten erschließen können. Laut Criteo mangele es bestehenden Ansätzen zur Neukundengewinnung an Genauigkeit. "Marketingtreibende wissen zudem nicht, ob ihr aufgewendetes Budget wirklich die Nutzer erreicht hat, die am ehesten kaufen."
Customer Acquisition soll die Probleme beheben. Dahinter verbirgt sich eine Performance-basierte Akquise-Lösung, die bisherige Verhaltensdaten, also das Surfverhalten und Shopping-Interessen, analysiert. Daraus wird dann ein Profil des idealen Zielnutzers erstellt. Händler können die neuen Kunden, die dem Zielprofil entsprechen, mit personalisierten Produktempfehlungen adressieren. Voraussetzung dabei ist die Bereitschaft der Händler, die Daten zu teilen. Das alles soll dann die Konversionsraten maximieren und Werbeausgaben sowie den ROI optimieren, weil Kosten nur anfallen, wenn der Shopper erfolgreich angesprochen wird.

Tech trifft Handel

Wer ist Criteo also heute? Ein Tech-Unternehmen mit dem Handel im Fokus, meint Gösswein: "Wir sind nicht mehr nur ein Retargeting-Anbieter, sondern verfolgen darüber hinaus ein neues Commerce-Marketing-Modell. Unser USP ist, dass wir im Vergleich zu den Walled Gardens offen, transparent und high performant sind." 550 Milliarden US-Dollar Handelsumsätze würden pro Jahr über das Criteo Ecosystem verzeichnet.
Man sei in einer ständigen Entwicklung, das neue Ökosystem böte dafür viele Möglichkeiten. Im Vordergrund stünde immer das Netzwerk aus Retailern, Marken und Publishern - das soll auch so bleiben. Gemischt mit einer Portion Machine Learning und der Macht der Daten stehe einer Commerce-Zukunft so nichts im Wege, glaubt Gösswein. "Wir sind gerüstet für das Retail Marketing der Zukunft."




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