Wettbewerbsrecht 23.01.2014, 10:30 Uhr

Gekaufte Kundenbewertung

Im Dschungel der Vielzahl von Waren- und Dienstleistungsangeboten im Internet verlassen sich Verbraucher gerne auf die Meinungen und Empfehlungen von "Gleichgesinnten". Von anderen Verbrauchern erwarten Kunden das objektivste und ehrlichste Urteil. Dementsprechend haben sich zu der Vielzahl von Onlineshops diverse Bewertungsportale gesellt. Was aber, wenn die Bewertung nicht ganz so freiwillig und objektiv erfolgt, wie andere Verbraucher denken?
Gekaufte Kundenbewertung
Dr. Julia Blind, Rechtsanwältin
Die Betreiber von Onlineshops haben das Potenzial von Kundenbewertungen nämlich auch erkannt und ködern Kunden, zum Beispiel mit Warengutscheinen, damit diese eine positive Bewertung auf der eigenen Website oder den diversen Bewertungsportalen abgeben. Die Frage, ob dies erlaubt ist, hatte zuletzt das Oberlandesgericht (OLG) Hamm (Urteil vom 10.09.2012, Az. 4 U 48/13) zu entscheiden.
Es standen sich in diesem Rechtsstreit zwei Onlinedruckereien gegenüber. Die Antragsgegnerin verschickte an ihre Kunden eine E-Mail mit dem Text:
"Sehr geehrter Herr …, vielen Dank für Ihre Bestellung wir hoffen sehr das wir Ihre Erwartungen erfüllt oder vielleicht sogar übertroffen haben. Bitte bewerten Sie jetzt unsere Leistung – Sie benötigen dazu nicht mehr als 30 Sekunden. Hier geht es direkt zur Bewertungsabgabe: Sichern Sie sich jetzt bis zu 125,00 € für Ihre Weiterempfehlung! Schreiben Sie Ihren kurzen persönlichen Erfahrungsbericht über P auf einem der nachstehend genannten Portale und erhalten Sie jeweils einen 25,00 €-Druckgutschein!
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Die Antragstellerin mahnte die Antragsgegnerin wegen dieser Aufforderung ab, da die E-Mails auf die Erlangung einer bezahlten Empfehlung abzielten. Eine solche bezahlte Empfehlung sei irreführend. Als keine Unterlassungserklärung abgeben wurde, erwirkte sie eine einstweilige Verfügung. Auf den Widerspruch der Antragsgegnerin bestätigte das Landgericht die einstweilige Verfügung. Dem Rechtsstreit vorausgegangen waren mehrere gegenseitige Abmahnungen zwischen anderen Konzerngesellschaften der Antragstellerin und Antragsgegnerin.



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