Fake-News-Seiten: Lügen als Geschäft

Netzwerke reagieren zögerlich 

Auf Werbeeinblendungen angesprochen, die auf Websites mit rechtlich grenzwertigen Inhalten erscheinen, reagieren die Networks schmallippig. Wer bei Google oder Amazon anruft und von Beispielen berichtet, wird freundlich gebeten, doch einmal einen Screenshot zu schicken, weitere Aktionen bleiben im Vagen. Auf Anfrage teilt etwa der (Anfang Dezember ausgeschiedene) Google-Sprecher Klaas Flechsig mit: "Wenn Sie konkrete Beispiele für Fake-Artikel haben, auf denen sich Adsense-Anzeigen befinden, schicken Sie mir gerne die Links oder Screenshots, ich lasse das dann mal durch die Adsense-Kollegen prüfen." Außerdem verweist er darauf, dass Google erst unlängst seine Kriterien für Publisher verschärft habe: "Wir haben unsere Adsense-Programmrichtlinien ­angepasst und untersagen es nun auch, Google-Anzeigen auf Seiten zu platzieren, auf denen Informationen über den Pub­lisher, den Content oder über den Hauptzweck der Web-Property falsch dargestellt, falsch angegeben oder verheimlicht werden." 
Im Kern ist das kein wirklich schlechter Plan. Er verfängt aber nur bei den Seiten, die tatsächlich längere Zeit erhalten bleiben sollen. So findet sich beispielsweise auf der Website der Pegida-Bewegung keine erkennbar von einem Ad-Netzwerk vermittelte Werbung. Andererseits kann es sich Pegida auch nicht leisten, ihre Domain einfach so aufzugeben und unter einer neuen Domain ihr Anzeigenglück so lange zu versuchen, bis sie wieder auf den Index des Werbepartners gerät. 
Glücksritter, die auf das schnelle Geld setzen, können das durchaus: Eine Seite wie Denver Guardian ist in zwei, drei Stunden online - Wordpress sei Dank. Passende Domain-Adressen sind schnell registriert, wobei die Flut neuer Top-Level-Domains das Spiel eher einfacher als schwerer macht. Dann bei verschiedenen Ad Networks anmelden und warten. Sobald eine erfundene Meldung über die sozialen Medien die Runde macht, gehen die Zugriffszahlen hoch, und der Rubel rollt. Wenn das Ad Network das Spiel bemerkt und die Notbremse zieht, macht man halt eine neue Seite auf - oder man wechselt schlicht den Ad Provider. Fake-Profi Jestin Coler berichtet im Interview mit NPR von Dutzenden von Ad Networks, welche seine Reichweite gern ausnutzen würden.

Adtech-Anbieter Appnexus zeigt Haltung

Während sich Werbevermarkter in Deutschland noch hinter ihren Richtlinien verstecken, schaffen US-Anbieter Fakten. So hat der Adtech-Anbieter Appnexus dem ultrarechten Breitbart-Netzwerk die Freundschaft gekündigt: Man werde ab sofort keine Anzeigen mehr an Breitbart-Seiten ausliefern, ließ das Unternehmen Ende November mitteilen. 
Profi-Lügner Coler kann darüber vermutlich nur lachen - und setzt einfach ein paar neue Seiten auf. Er hat übrigens auch eine Erklärung dafür, weshalb nur ultrarechte Fake News rasant zunehmen: "Ich habe versucht, für Liberale zu schreiben, aber das klickt nicht so gut."

Strategien gegen Fake-News-Werbung

Werbungtreibende haben nur begrenzt Möglichkeiten, gegen die Platzierung ihrer Werbung auf Hate Pages vorzugehen:
  • Im Setup des Ad Networks politische Seiten ausschließen
  • Webanalyse-Files auf verdächtige Domains untersuchen
  • Auf Hinweise in Social Networks achten und zweifelhafte Domains manuell sperren
  • Die Community um sach­dienliche Hinweise bitten



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