Entlassungen auch in Deutschland 13.01.2014, 15:04 Uhr

Tradedoubler strukturiert europaweit um

Für beträchtliche Unruhe sorgt die derzeitige Umstrukturierung beim schwedischen Performance-Marketing-Experten Tradedoubler. Büros werden geschlossen, Personal abgebaut. Gegangen ist auch Deutschlandchef Stefan Boos. Sein Nachfolger Matthias Stadelmeyer versucht, die Wogen zu glätten.
Neuer Tradedoubler-Deutschlandchef: Matthias Stadelmeyer
Neuer Tradedoubler-Deutschlandchef: Matthias Stadelmeyer
"Die Mitarbeiter waren nicht besonders überrascht", so fasste Matthias Stadelmeyer die Stimmung im Münchner Tradedoubler-Büro zusammen. Als Regional Manager DACH ist er künftig für die Geschicke des Unternehmens im deutschsprachigen Raum verantwortlich. Er folgte im Januar 2014 auf Stefan Boos, der erst im September 2013 zu Tradedoubler kam und jetzt wieder gegangen ist - ob aus eigenem Entschluss, ist nicht bekannt. Rund 40 Mitarbeiter hatte die Tradedoubler-Niederlassung in München, fünf Stellen wurden nach Stadelmeyers Angaben zu Jahresbeginn abgebaut. In Finnland und Dänemark machte der schwedische Performance-Marketing-Spezialist seine Büros komplett zu. Europaweit sollen rund 20 Prozent der 450 Mitarbeiter gehen. Bestätigen mag Stadelmeyer diese Zahlen nicht. Doch soll allein der Personalabbau rund sechs Millionen Euro im Jahr einsparen. 
Während manche Branchenbeobachter die Entlassungen mit der momentanen Schwäche im Partnerprogramm-Sektor zu erklären versuchen, lautet die offizielle Erklärung anders: Tradedoubler zieht sich sukzessive aus dem Display-Advertising zurück. Das Volumen der Display-Kampagnen sei seit geraumer Zeit rückläufig. In England wurde der Schnitt schon Anfang 2013 vollzogen, in Italien bleibt Display vorerst im Programm - und die damit betrauten Mitarbeiter unter Vertrag. Die Schließung der Büros in Finnland und Dänemark erklärt Stadelmeyer mit der Struktur der nordischen Kunden. "Die meisten von ihnen sind in ganz Skandinavien aktiv und können deshalb von Schweden aus betreut werden."
Die Zukunft des Unternehmens sieht Stadelmeyer eindeutig beim Performance-Advertising, vor allem im Bereich Technologie. Zukünftig soll das Affiliate Marketing und die dazugehörige Technik gemeinsam gemanagt werden. Auch das soll Geld sparen. Im Performance-Bereich will Tradedoubler 2014 durch Firmenübernahmen wachsen und hat sich zu diesem Zweck die Kasse gefüllt. Eine Anleihe in Höhe von 250 Millionen Schwedenkronen (ca. 30 Millionen Euro) wurde Ende 2013 ausgegeben und ist bereits überzeichnet. Zusammen mit den Barreserven summiert sich das frische Geld auf rund 50 Millionen Euro - genug Geld für den einen oder anderen Firmenkauf.    
Bereitsim Frühjahr 2013 hatte Tradedoubler für einiges Aufsehen in der Branche gesorgt, als das Unternehmen die übliche Network Fee von 30 Prozent halbiert hatte. Allerdings waren die Schweden längst nicht die ersten, die mit einem neuen Affiliate-Modell aufwarteten:Ingenious Technologies bietet eine Abrechnung quasi in Echtzeit.



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