Relaunch der Seite 19.01.2017, 09:00 Uhr

LinkedIn: "Microsoft war und bleibt ein großer Kunde von uns"

Gezielt Fachkräfte und Einkäufer ansprechen und Angebote vermarkten: Das Karrierenetzwerk LinkedIn wandelt sich zunehmend zur Wissensplattform. Ein Gespräch über Content Marketing und Employer Branding.
Alexandra Kolleth (li) und Barbara Wittmann leiten seit Mai 2016 die Geschäfte von LinkedIn im deutschsprachigen Raum.
(Quelle: LinkedIn )
Zum Schluss noch eine neue Benutzeroberfläche: LinkedIn hat sich in den vergangenen Monaten runderneuert. So leiten Barbara Wittmann und Alexandra Kolleth seit Frühsommer das deutschsprachige Geschäft des Karrierenetzwerkes. Seit Herbst können Unternehmen für Content Marketing und Employer Branding Videos und Erfahrungen von Angestellten auf ihren Profilseiten integrieren, Nutzer wiederum Personalern und Recruitern signalisieren, ob sie gerne die Stelle wechseln.
Im Herbst bezog Linkedin Deutschland außerdem das neue Büro mitten in München. Im Oktober startete LinkedIn Learning, eine Bibliothek mit 9.000 Online-Kursen zur Fortbildung. Und seit heute zeigt Linkedin auch noch ein neues Gesicht: Projekt Neptune, so der interne Name für den Relaunch der LinkedIn-Oberfläche, ist abgeschlossen und gerade veröffentlicht. Höchste Zeit also für ein Gespräch mit der neuen Geschäftsleitung, zumal Microsoft das Netzwerk vor Kurzem übernommen hat: "Seit der Übernahme nimmt der Austausch mit den Kollegen von Microsoft zu. Microsoft war und bleibt großer Kunde von LinkedIn an fast allen Standorten, und wir werden unsere Angebote in der bewährten Weise erneuern und erweitern", meint Alexandra Kolleth und Kollegin Wittmann ergänzt: "Wir sind in den vier Bereichen Lernen, Recruiten, Werben und Verkaufen sehr stark von Innovationen getrieben."
Seit einem guten halben Jahr leiten Sie die Geschäfte von LinkedIn im deutschsprachigen Raum - wie teilen Sie sich das Management und was wollen Sie voranbringen?
Barbara Wittmann: Gemeinsam möchten wir LinkedIn als DAS Karrierenetzwerk positionieren, und das bedeutet in erster Linie, das Mitgliederwachstum im deutschsprachigen Raum weiter voranzutreiben. Seit April 2015 wachsen wir konstant alle sieben Monate um eine Million Mitglieder  und konnten uns im Oktober 2016 auf neun Millionen steigern."Mitglieder zuerst" heißt die Devise, und dieses Motto haben wir uns auch auf die Wand des neuen Büros geschrieben.
Alexandra Kolleth: Barbara bringt den Bereich Talents Solutions voran, also das Geschäft mit Recruitern und Personalexperten, das 65 Prozent der Einnahmen ausmacht, ich kümmere mich um den Bereich Marketing Solutions, also die Werbemöglichkeiten bei LinkedIn, die rund 20 Prozent zum Umsatz beitragen und zurzeit stark wachsen. Die Bereiche Sales Solutions und LinkedInLearning verantworten Kollegen. Allen Bereichen wollen wir mehr Aufmerksamkeit verschaffen - durch Angebote und Innovationen, vor allem aber durch spannende Inhalte. Wir haben in den letzten Monaten die Blogging-Funktionen ausgeweitet, verschiedene Nachrichtenkanäle für Nutzer eingerichtet, die Darstellungsmöglichkeiten auf den Karriereseiten für Unternehmen erweitert - damit haben User, Firmen und Werbekunden mehr Möglichkeiten, sich zu präsentieren und Inhalte zu verbreiten.
 
Gerade wurde die Oberfläche neu gestaltet - was soll damit erreicht werden?
Kolleth: Das Redesign ist das größte in der Unternehmensgeschichte. Damit trägt LinkedIn dem Wachstumspotenzial Rechnung, das es in den USA und in der deutschsprachigen Region sieht. Die neue Oberfläche greift Design und Funktionen der App auf, ist klarer strukturiert und damit intuitiver zu bedienen. Das Profilbild zum Beispiel wird wie in der App jetzt mittig angezeigt.
Wittmann: LinkedIn-Nutzer können schon länger Fähigkeiten ihrer Kontakte bestätigen und eigene Kenntnisse bestätigen lassen. Jetzt werden vorrangig die Fähigkeiten ihrer beruflichen Tätigkeit oder die von anderen bestätigt wurden angezeigt. Außerdem wurde das Targeting verbessert, bestätigt werden Fähigkeiten nur noch von Personen, die direkt mit Mitgliedern zusammenarbeiten, außerdem empfiehlt LinkedIn jetzt gefragte Fähigkeiten, die einen Kontakt von Recruitern wahrscheinlicher machen.
 
Neu sind auch die Gesellschaftsverhältnisse: Die Übernahme von LinkedIn durch Microsoft ist abgeschlossen. Was bedeutet das praktisch?
Wittmann: Tatsächlich haben die Kartellbehörden am 6. Dezember dem Kauf zugestimmt und damit wurde die Übernahme offiziell abgeschlossen. LinkedIn notiert nicht mehr an der Börse, wir veröffentlichen keine Quartalszahlen mehr. Als Unternehmen bleibt LinkedIn selbständig, Vorstand Jeff Weiner berichtet an Microsoft-Chef Satya Nadella.
Kolleth: Im Operativen hat sich bislang nichts verändert, lediglich der Austausch mit den Kollegen von Microsoft nimmt zu. Microsoft war und bleibt ein großer Kunde von LinkedIn an fast allen Standorten, und wir werden unsere Angebote für Nutzer und Kunden in der bewährten Weise erneuern und erweitern - das hat uns schließlich groß gemacht.
Größte Einnahmequelle von LinkedIn sind die Recruitinglösungen. Im dritten Quartal entfielen auf diese Sparte 65 Prozent der erlösten 960 US-Dollar. In Europa setzte LinkedIn im gleichen Zeitraum mehr als 235 Millionen Dollar um.
Quelle: Unternehmen

 
Im Herbst hat LinkedIn eine Lernplattform gelauncht. Wie kommt das Angebot an?
Kolleth: LinkedIn Learning stößt bei Nutzern und Unternehmen gleichermaßen auf Interesse. Auf der Lernplattform stehen rund 9.000 Online-Webinare und Lernvideos zu Themen wie Marketing, Führung, Software, Digital Lifestyle zum Abruf bereit, darunter sind 1800 deutschsprachige Beiträge. Die Nutzung nimmt nach unserer Beobachtung zu. Die Online-Kurse vermitteln und optimieren praktische Fähigkeiten, die man sich jeden Tag in kurzen Lernphasen beibringen kann. Learning ist ein wichtiger Baustein zur Wissensplattform, zu der LinkedIn wächst. Nutzer sollen hier ihre Fertigkeiten erweitern, können auch einige Zertifikate erwerben und ihre Karrierechancen beschleunigen.
Wittmann: Als einen Referenzkunden für LinkedIn Learning konnten wir Bertelsmann gewinnen, das Unternehmen nutzt die Online-Kurse für die Weiterbildung seiner Mitarbeiter weltweit. Unternehmen können sich ja ihre idealen Bewerber nicht backen, viele Kenntnisse werden auf Hochschulen oder in der Ausbildung nicht vermittelt. Daher investieren sie mehr in die Weiterbildung, LinkedIn Learning ermöglicht personalisiertes und individuelles Lernen nach eigener Geschwindigkeit. Unternehmen kaufen eine Lizenz und können die Inhalte dann je nach Bedarf ihren Mitarbeitenden frei geben, Nutzer erhalten für einen Monatsbeitrag von 21,99 Euro Zugang zum gesamten Angebot.

"Auch die Old Economy hat interessante Jobs zu bieten"

Werden die Beiträge auch zur Werbevermarktung genutzt?
Kolleth: Nein, Werbung in den Lernvideos wie bei YouTube wäre mit den Unternehmenskunden und Mitgliedern nicht vereinbar.

 
Auch die Karriereseiten wurden neu gestaltet - dabei vernachlässigen doch die meisten Unternehmen trotz Vollbeschäftigung ihr Employer Branding.
Wittmann: Ob und wie sich Unternehmen Bewerbenden und Auszubildenden präsentieren, hängt von der Branche ab, wie international und digital die Firma aufgestellt ist und wo sie arbeitet. Insbesondere mittelständische Unternehmen aus eher ländlichen Regionen finden schon lange nicht mehr die Mitarbeitenden, die sie brauchen, bekannte Markenunternehmen nur schwer Nachwuchs. Beispiel Digitalisierung: Junge Leute zieht es zu den hippen Start-ups in Berlin, sie haben es nicht auf dem Schirm, dass auch die Old Economy interessante Jobs zu bieten hat. Employer Branding ist daher für Unternehmen wie Siemens oder SAP zum wichtigen Vehikel geworden, sich bei Fach- und Führungskräften zu positionieren. LinkedIn bot dafür schon immer Karriereseiten, jetzt aber können deren Inhalte erstens durch Videos angereichert werden und dieser Content wird, zweitens, gezielt ausgespielt, so dass Vertriebsspezialisten nur die für sie relevanten Informationen des Unternehmens sehen, der Programmierer indes das Interview mit dem IT-Chef. Damit nimmt nach unserer Beobachtung der Traffic auf den Seiten zu, aber auch die Zahl der Inmails innerhalb des Netzwerkes.
Verfügen die Unternehmen schon über die Videoinhalte, die sie nun einstellen können?
Wittmann: Sie arbeiten intensiv daran, weil Videos auch in anderen Kanälen Erfolg versprechen. Wir raten, Inhalte auszuprobieren und in verschiedenen Zielgruppen zu testen. Denn oft kommen die bewusst gestalteten, mit Schauspielern produzierten Clips gar nicht so gut an. Besser ist es, wenn Mitarbeiter Inhalte posten. Das sprengt vielleicht den einheitlichen Auftritt, lässt aber ein authentisches Bild entstehen.
Kolleth: Diese Vermischung von Marketing- und persönlichen Aussagen sehen wir auch im Werbebereich und bei den Marketing Solutions von Linkedin. Hier haben wir die Produktseiten angepasst. Jetzt können professionelle Clips, die zur Vermarktung eines Produktes gestaltet wurden, neben den Videos von Kunden, Interessenten oder Mitarbeitern stehen. Aber das macht die Werbung wirksamer und glaubhafter.
 
Recruiting ist mit 65 Prozent Umsatzanteil noch immer die größte Einnahmequelle von LinkedIn. Soll sich das durch die Vermarktung von Lerninhalten und Vertriebstools verschieben?
Kolleth: Das Unternehmen steht auf unterschiedlichen Einnahmesäulen, und wir sahen in der Vergangenheit immer wieder Verschiebungen. Die Talent Solutions werden wohl der größte Bereich bleiben, LinkedIn ist in erster Linie Karrierenetzwerk. Beruf und Karriere stehen im Mittelpunkt. Allerdings ist klein bei uns auch groß: Marketinglösungen stehen für 18 Prozent des Umsatzes und machten im 3. Quartal 2016 rund 375 Millionen Euro aus.
Wittmann: Die Umsatzanteile spiegeln das Gesamtbild wider, regional sind Verschiebungen innerhalb der Bereichezu erkennen. In Indien beispielsweise sind die Einnahmen aus den Premiummitgliedschaften wichtig . In Deutschland brauchen Unternehmen Recruiting-Tools, um auf LinkedIn gezielt Kanidaten zu suchen und anzusprechen. Sie nutzen LinkedIn außerdem zunehmend auch, um für Angebote oder Produkte zu werben. Und in den USA wird das Thema Freelancer wichtiger und es gibt eigene Angebote dafür bei uns.

Seit 2011 ist LinkedIn mit einem Büro im deutschsprachigen Markt vertreten. Das Wachstum im DACH-Raum erforderte bereits seit Längerem größere Arbeitsräume, die jetzt in der Sendlinger Straße gefunden wurden.




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