Google-Studie 13.12.2017, 09:46 Uhr

Online-Werbebetrug: Jährlicher Schaden von 1,27 Milliarden US-Dollar

Durchschnittlich verkaufen 24 Online-Marktplätze in betrügerischer Absicht gefälschtes Werbeinventar und nutzen dafür mehr als 994 Konten, die es offiziell nicht geben dürfte. Das zeigt eine aktuelle Google-Studie zum Thema Online-Werbebetrug.
Gefälschtes, falsch deklariertes und Fake-Video-Werbeinventar kostet Verlage im Jahr Millionen US-Dollar.
(Quelle: shutterstock.com/Prabowo96)
Domain Spoofing war 2017 ein weniger schönes Thema in der Online-Werbung. Hinter dem Begriff steckt Anzeigenbetrug im Internet, heißt: Werbenetzwerke geben vor, (Video-)Anzeigen auf der Website zum Beispiel der Financial Times zu verkaufen. Tatsächlich aber wird die Werbung dann auf anderen Websites ausgespielt.
Wie groß das Geschäft dieser betrügerischen Anbieter ist, hat nun Google in einer umfassenden Studie zusammen mit 16 Verlagen und zwei Werbedienstleistern untersucht. Gegenstand und Frage war, wie sich gefälschtes, falsch deklariertes und Fake-Video-Werbeinventar auf die Einnahmen von Verlagen auswirkt. Die Ergebnisse zeigen, wie lukrativ der Handel mit gefälschten Werbeabrufen ist.

Betrüger kassieren 1,27 Milliarden US-Dollar im Jahr

Demnach verlieren Verlage jeden Tag 3,5 Millionen US-Dollar an Werbegeldern - und damit im Jahr 1,27 Milliarden US-Dollar. Im Durchschnitt verkaufen die 16 teilnehmenden Verlage ihr Werbeinventar für Videoanzeigen über sechs Konten auf zwei AdExchanges. Die Untersuchung zeigte jedoch, dass die Verlage das Video-Werbeinventar einzelner Domains wie beispielsweise "wsj.com" auf 26 verschiedenen Online-Marktplätzen mit über 1.000 Konten verkaufen. Das bedeutet: Durchschnittlich verkaufen 24 Online-Marktplätze in betrügerischer Absicht gefälschtes Werbeinventar und nutzen dafür mehr als 994 Konten, die es offiziell nicht geben dürfte.
Die Studie ergab zudem, dass die verkauften Video Ad Impressions 57 Mal höher waren als den Werbetreibenden tatsächlich zum Kauf zur Verfügung steht. In absoluten Zahlen bedeutet das, dass fast zwei Monate als "verfügbares Videoinventar" angeboten wurde, das eigentlich gar nicht existiert.

Hoffnung auf ads.txt

Mit der zunehmenden Verbreitung von Programmatic Advertising wird der Werbebetrug verstärkt. Beim Verkauf auf mehreren Demand-Side-Plattformen (DSP), die wiederum an andere Werbemarktplätze angeschlossen sind, fehlt oft die Übersicht, an wen überhaupt die Werbegelder fließen.
Um dem Ganzen Einhalt zu gebieten, will Google nun die Aktion der Interactive Advertising Bureau (IAB) unterstützen und empfiehlt die Initiative ads.txt. Die Textdatei soll die Transparenz in der Inventar-Lieferkette erhöhen und die Probleme des Programmatic Reselling und den damit zusammenhängenden Folgen lösen. Der Verkauf falschen Inventars oder der Wiederverkauf ohne die Genehmigung des Publishers wird erschwert.

Zum Studiendesign

Die teilnehmenden 16 Verlage - darunter die New York Times, die Washington Post, die britische Mail Online und Business Insider - arbeiteten mit mehreren Demand-Side-Plattformen (DSP) zusammen, um herauszufinden, wo sie einerseits ihr Anzeigeninventar verkaufen und wo ihr Inventar andererseits zum Verkauf steht. Zusammen mit den verschiedenen DSPs (Amobee, Googles DoubleClick Bid Manager und Quantcast) wurde die Anzahl der AdExchanges, die Anzahl der Verlagskonten an diesen Marktplätzen und die Gesamtzahl der Anzeigenanfragen/Impressionen untersucht.



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