Googles Phantom-Updates: Was steckt dahinter?

Main Content und reine Nutzer-Kommentare

Unklar ist, inwiefern das Phantom Update zwischen Main Content und reinen Nutzer-Kommentaren unterscheidet. Da gerade in diesem Bereich oftmals Duplicate oder Thin Content vorherrschen, ist ein Sichtbarkeitsabfall solcher Sites in diesem Kontext zumindest keine Überraschung. Es kann gemutmaßt werden, ob Google den Aspekt User Generated Content (UGC) in Zukunft differenzierter bewertet und Betreiberinhalte von denen der Nutzer gezielter zu trennen versucht. In jedem Fall scheinen unter anderem Ratgeber-Seiten mit dichtem Aufkommen an UGC und Werbeanzeigen vorerst sensibel für die Auswirkungen des neuen Updates zu sein.
Mit dem Penguin Update hatte Google seinerzeit Websites mit vermehrtem SPAM-Aufkommen den Kampf angesagt. Manche von ihnen, die mit Keyword-Stuffing, Cloaking und anderen Arten von Black Hat SEO-Strategien punkten wollten, wurden von Google nahezu in die Unsichtbarkeit verbannt. Wer sich nicht an Googles Richtlinien für Webmaster und technisch sauber strukturierten Seitenaufbau orientiert, hat also schnell das Nachsehen. Doch was lässt sich nun für den aktuellen Stand des Phantom-Updates an Erkenntnissen gewinnen? Bei genauerer Eingrenzung der Google-Ranking-Faktoren bleibt, wie immer, vieles im Bereich der Spekulation. Ein paar Trends scheinen sich derzeit aber dennoch herauszukristallisieren:
Ein großes Thema scheint beim Phantom 4 Update das Verhältnis zwischen Nutzerintention und Content-Struktur zu sein. Wer hier sich hierbei nicht gut präsentiert, erhält negative User-Signale und verliert augenscheinlich an organischen Traffic und Visibility. Aber auch das Design, das als visuelle Einbettung von Content für die Usability und somit für die User Experience wichtig ist, scheint seit Phantom II ein zusätzlicher Faktor zu sein. Die Erkenntnis, dass Look und optische Benutzeroberfläche auf technischer wie visueller Ebene das Nutzererlebnis und den Mehrwert einer Site beeinflussen, wird somit erneut bestätigt. Interessant ist auch die Beobachtung, dass mit dem Update Phantom III (Herbst 2015) offenbar ein Zusammenhang zwischen Nutzerintention und Relevanz des gebotenen Contents bezüglich zielgerichteter Kaufberatung hergestellt wurde. So können Inhalt und Struktur von Kategorie-Unterseiten im eCommerce ebenfalls zum Faktor werden.

Übermäßige Werbung

Ein weiterer Anhaltspunkt ist die Abstufung von Websites mit übermäßiger Werbung, Pop-Ups und Above-the-fold Ads. Die in Bezug auf die Usability für manche Nutzer irritierend wirkenden Banner fallen in der Wertung des Phantoms offenbar herunter, weil sie vermeintlich nicht der Intention des Users entsprechen, gezielt Inhalte zu finden. Hier könnte Google mit dem Phantom Update auch den Irritationsgrad solcher Werbung über User-Signale, in Bezug auf Indikatoren wie Bounce Rate und Verweildauer, stärker bewertet haben. Ähnlich verhält es sich offenbar mit automatisch startenden Videos, die unter Umständen auch als Störung oder Ablenkung empfunden werden können.  
Weiterhin ist interessant, dass sich beim Phantom Update eine differenziertere Auswertung von Duplicate Content abzuzeichnen scheint. Demnach verbuchten Online-Wörterbücher wie leo.org und merriam-webster.com nach dem Rollout von Phantom III einen deutlichen Visibility-Zuwachs, obwohl sie naturgemäß weniger zusammenhängende Inhalte, sondern ähnlich ausgerichteten Content anbieten.
(Quelle: Performics)
(Quelle: Performics)
Dies könnte darauf schließen lassen, dass Google daran arbeitet, besser zwischen sinnvollen von weniger sinnvollen Doppel-Inhalten zu unterscheiden. Auch hier könnte die Nutzerintention das Zünglein an der Waage sein. Darüber hinaus könnten fremde Brand-Keywords auf anderen als den originalen Hersteller-Seiten künftig ebenfalls schlechter gewertet werden, wie das Beispiel von focus.de zeigt.
 
Sichtbare Visibility-Gewinne seit dem Phantom 4 Update verzeichnen unter anderem Computer-Magazine wie pc-magazin.de und pcwelt.de.
(Quelle: Performics)
(Quelle: Performics)



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