Expert Insights 15.03.2018, 08:11 Uhr

Was der Mobile-First-Index aus SEO-Sicht bedeutet

Der Roll-out des Mobile-First-Index ist in vollem Gange. Welche Anforderungen hält der Index für Webmaster bereit und welche KPIs sind in der Suchmaschinenoptimierung speziell für das mobile Web wichtig?
Marcus Tober, CTO von Searchmetrics
Auch wenn es nicht so schnell geht wie angekündigt: In einem langsamen, iterativen Prozess beginnt Google, den Mobile-First-Index auszurollen. Welche Anforderungen dieser Index für Webmaster bereit hält, welche Anforderungen an mobile Websites gestellt werden und welche KPIs in der Suchmaschinenoptimierung speziell für das mobile Web wichtig sind, zeigt dieser Beitrag.

Zeitplan für den Mobile-First-Index

"Mobile-First-Index" ist zunächst ein sehr mächtiges Buzzword. Denn ein Index, der ausschließlich das mobile Crawling für die Ranking-Berechnung integriert, bringt auch Herausforderungen mit sich. So musste Google den ursprünglich geplanten Termin für den Mobile-Index von 2017 auf 2018 verschieben. Google-Webmaster-Analyst Gary Illyes geht sogar davon aus, dass ein reiner Mobile-First-Index noch Jahre bis zur Implementierung brauchen wird.
Trotzdem arbeitet Google kontinuierlich am Mobile-First-Index. Darauf deutet etwa das verstärkte Crawling von Websites mittels des mobilen Googlebots hin. Die Umstellung auf einen Mobile-Index ist aber ein langsamer, iterativer Prozess. Hierbei schaut sich Google genau an, welche Veränderungen ein Crawling mittels des mobilen Googlebots gegenüber des klassischen Desktop-Googlebots mit sich bringt.
Google wird - ausgehend von den ersten Erfahrungen und dem nicht einzuhaltenden Zeitplan - meiner Ansicht nach keine weiteren Statusmeldungen bezüglich des Mobile-First-Index herausgeben. Ob dabei der Index tatsächlich für die Bewertung aller Domains und Generierung aller Suchergebnisse Anwendung findet, bleibt abzuwarten.

Google-Probleme beim mobilen Crawlen

Eines der Hauptprobleme, das Google im Zuge der Umstellung haben dürfte, ist die interne und externe Verlinkung. Wenn Seitenbetreiber auf mobile Subdomains setzen, dann haben diese Subdomains weniger Links als die Hauptdomain. Demgegenüber stehen responsive Seiten, bei denen die Seiten-Verlinkungen, intern und extern, zwischen Mobile und Desktop identisch sind.
Allerdings sind Links noch immer einer der Grundpfeiler der Suchmaschine. Google schaut, wie Websites untereinander verlinkt sind. Es ist dabei nicht nur der PageRank, der eine Rolle spielt(e), sondern die Verlinkung als Basis für das Web-Indexing. Es braucht Links, um möglichst viele Websites finden, indexieren und bewerten zu können. Und die Frage, wie Google mit mobilen Subdomains umgeht und das Ranking hier berechnen will, ist für mich noch nicht hinreichend geklärt.

Was Webmaster jetzt beachten müssen

Vor allem Websites, die auf eine separate mobile Subdomain setzen, dürften vom Mobile-First-Index betroffen sein. Mobile Subdomains stammen aus einer Zeit, als die Smartphones immer wichtiger wurden, die Frontend-Technologie aber noch nicht so weit war wie heute. Ob JavaScript-Bibliotheken, Images, die in unterschiedlichen Größen hinterlegt werden oder dynamische Font-Größen: Heutzutage ist es normal, nur noch eine URL zu haben, die auf unterschiedlichen Endgeräten unterschiedlich gerendert wird.
Vielfach herrscht die Annahme, dass für den Mobile-Index die Anforderung seitens Google bestünde, dass der Content auf Desktop und Mobile identisch sein müsse. Das ist aber nicht richtig. Schließlich werden Inhalte auf dem Desktop anders konsumiert; aufgrund der Bildschirmgröße lassen sich viel mehr Content-Elemente unterbringen als auf dem Smartphone. Hier kann es für die Zugänglichkeit von Informationen sinnvoll sein, bestimmte Inhalte optional anzubieten, die sich erst per Klick öffnen, etwa mittels Accordion oder Layer. Es gibt Content-Elemente, die mobile vielleicht nicht benötigt werden - oder erst in einer bestimmten Stufe der Customer Journey - und deshalb auch nicht so präsent sein müssen.
Google selbst hat Webmastern einige Punkte an die Hand gegeben, die bei der Umstellung auf den Mobile-Index relevant sind. Darunter:
  • Die mobile Version der Website soll "auch wichtige Inhalte von hoher Qualität" enthalten. Dies umfasst Text, Bilder und Videos in den üblichen Crawl- und Indexformaten.
  • Strukturierte Daten und Meta-Daten sollten bei mobilen Sub-Domains sowohl auf der mobilen als auch auf der Desktop-Version der Website integriert sein.
  • Für die Verknüpfung mit separaten mobilen URLs (m.-dot sites) sind keine Änderungen notwendig. Für Websites, die separate mobile URLs verwenden, sollten die vorhandenen Verknüpfungen rel = canonical und link rel = alternative Elemente zwischen diesen Versionen beibehalten werden.
Langfristig werden die meisten Websites, die aktuell noch auf eine mobile Subdomain setzen, auf eine responsive Technologie umstellen. Der Aufwand der Umstellung dürfte - auf lange Sicht - geringer ausfallen als die Pflege eines Desktop-Systems und eines separaten Mobile-Systems, das vielleicht anders aussieht und andere Templates verwendet.

Welche KPIs sind für mobiles SEO wichtig?

Im Zusammenhang mit dem Mobile-First-Index taucht häufig die Frage auf, welche KPIs aus der Suchmaschinenoptimierung im Mobile-Bereich besonders wichtig sind. Beginnen wir mit den Gemeinsamkeiten - viele der mobilen SEO-KPIs sind identisch mit den Desktop-KPIs: Wie sind die Rankings? Wie ist die technische Optimierung meiner Seite? Ist die Website erreichbar, ist sie schnell, sind die Inhalte gut für Google crawlbar?
Speziell für Mobile dürfte eine der wichtigsten KPIs, die Webmaster jetzt schon messen können, die Frage sein, wie viel Prozent meiner Seiten bereits mit dem mobilen Googlebot gecrawlt werden. Ebenfalls sind Daten darüber, wie oft der Googlebot kommt und die mobile Seite crawlt, ein wichtiger Indikator dafür, wie Google die Website "sieht".
Zudem ist für Website-Betreiber, die auf AMP setzen, das korrekte Tracking der AMP-Version relevant. Allerdings gilt hier: Bevor Website-Betreiber eine AMP-Version kreieren und einreichen, sollte die Nutzerintention, die hinter der eigenen Seite steht, hinterfragt werden. Für Publisher ist AMP ein großartiges Format, damit der Content schnell an Nutzer ausgeliefert werden kann. Shop-Betreibern hingegen kann nicht vorbehaltlos zu AMP geraten werden. Hier macht es mehr Sinn, auf eine gut optimierte mobile Seite mit entsprechender User Experience zu setzen, damit der komplette Bestellprozess komplett über die eigene Seite abgewickelt und getrackt werden kann.

Perspektiven für das mobile Web

Ein Suchmaschinen-Index, der nur die mobile Version einer Seite für die Bemessung aller Rankings nimmt, wird nicht das Ende im mobilen Bereich sein. Denn das mobile Web wird sich weiter verändern, vor allem durch die Entwicklung von Single-Page-Applikationen wie Progressive Web Apps (PWAs). Diese fühlen sich an wie native Apps, etwa weil Sensor-Daten vom Smartphone mitbenutzt werden können, und ein Shortcut auf dem Handy abgelegt werden kann. Ebenfalls können PWAs über einen lokalen Cache auch ohne Internet-Verbindung am Smartphone genutzt werden, was bei Websites ja nicht möglich ist.
Allerdings sind PWA-Apps nur schwierig für Google crawlbar. Entsprechend stehen auch Suchmaschinen vor der Herausforderung, sich neuen, technischen Formaten und Entwicklungen anzupassen und den Content crawl- und damit indexierbar zu machen.

Fazit

Das mobile Web stellt Google vor enorme Herausforderungen. So wird der Mobile-First-Index nicht mit einem Schlag, sondern iterativ über einen längeren Zeitraum ausgerollt. Denn die Möglichkeiten, eine Website mobil darzustellen, sind sehr unterschiedlich - und mit ihnen die Ranking-Signale, aus denen Google die Suchergebnisse generiert. Allerdings werden Websites mit mobilen Subdomains langfristig ein Auslaufmodell sein; der Trend geht zu responsiven Seiten. Zur Vorbereitung auf Mobile-First können Seitenbetreiber vor allem die Crawling-Aktivitäten des mobilen Googlebots auf der eigenen Seite prüfen.



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