Krach um die dmexco 20.11.2017, 08:04 Uhr

Darum sind Schneider und Muche rausgeflogen

Ohne Vorwarnung hat die Koelnmesse den beiden Erfindern der dmexco gekündigt. Angeblich sollen sie gegen ihren Vertrag verstoßen haben. Die wahren Gründe für den Crash liegen jedoch vermutlich woanders.
Noch im September beste Freunde: Christian Muche, Director Business Development, Stra­tegy & International dmexco, Gerald Böse, Geschäftsführer der Koelnmesse GmbH. Frank Schneider, Director Marketing, Sales & Operations dmexco, Matthias Wahl, Präsident des BVDW (vlnr.) Das Bild entstand anlässlich der Eröffnung der dmexco 2017.
(Quelle: Koelnmesse)
Messegelände Köln, 14. September 2017, drei Uhr nachmittags. Der zweite Tag der dmexco 2017 neigt sich dem Ende zu. Frank Schneider und Christian Muche haben zum Gespräch in ihr Büro im Pressezentrum gebeten. Eigentlich der Zeitpunkt, um die Anspannung zu lösen: Die neunte Auflage der Marketing-Show in Köln ist so gut wie gelaufen, und wieder einmal haben die beiden und ihr Team die Hallen gerockt. Einige wichtige Aussteller sind zwar unter geräuschvollem Pressegetöse der dmexco 2017 ferngeblieben und auch neue, höhere Eintrittspreise haben für Verwirrung gesorgt und Manöver im letzten Augenblick erforderlich gemacht. 
Dennoch: Die Hallen waren wieder voll, die Stimmung abermals bombig. Doch etwas ist anders als an all den anderen zweiten Messetagen in den Jahren zuvor, an denen die beiden dmexco-Macher ebenfalls mit ausgewählten Journalisten ein erstes Fazit gezogen haben. Muche wirkt ungehalten. Es bricht aus ihm heraus, wie sehr ihn die Kritik an der dmexco im Vorfeld geärgert hat. Und damit, so wird deutlich, meint er nicht nur die Presseberichterstattung.

Plötzliches Aus nach einer langen Erfolgsgeschichte 

Sechs Wochen später wird die Ahnung zur Gewissheit: Es hat gekracht im Gebälk der dmexco. In einer dürren Pressemeldung verkündet die Koelnmesse am 2. November, dass sie ihren Vertrag mit dem Digital-Branchenverband BVDW über die Ausrichtung der dmexco verlängert habe. Die Zusammenarbeit mit der Beratungsgesellschaft KDME werde hingegen mit sofortiger Wirkung beendet - und damit die Zusammenarbeit mit den KDME-Geschäftsführern Frank Schneider und Christian Muche. Die dmexco schmeißt ihre Erfinder raus.
Die Branche reagiert geschockt, haben die beiden doch etwas geschafft, was in der digitalen Wirtschaft wirklich selten ist: den Standort Deutschland zum Nabel der Online-Welt zu machen. In der Zeit von 2009 bis 2016 hat sich die Zahl der Aussteller vervierfacht, die Zahl der Besucher ebenso. 2017 schließlich wurde erstmals die magische Grenze von 1.000 Ausstellern überschritten. Fünf Ausstellungshallen belegte die Megashow diesmal, und obwohl weniger Besucher kamen als im Jahr ­davor, war es teilweise übervoll. 
Was haben die beiden verbrochen, dass ihnen die Koeln­messe nach dieser Erfolgsgeschichte so einfach den Stuhl vor die Tür stellt? Die Pressemeldung enthält kein einziges Wort des Dankes. Wenige Tage später legen Koelnmesse und BVDW nach: Grund für die Trennung von Schneider und Muche seien "schwerwiegende Vertragsverletzungen", verbreiten beide Parteien, die Koelnmesse per Pressemitteilung, der BVDW in einer Information an seine Mitglieder. Was genau verletzt wurde, kann BVDW-Präsident Matthias Wahl auf Anfrage nicht benennen. Doch es könne sich nicht um eine kleine Lässlichkeit gehandelt haben. Da müsse schon etwas Gravierendes vorgefallen sein. Bloß was?



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