Unternehmen 09.02.2015, 11:35 Uhr

Fokus auf Advertising: Yoc stoppt Talfahrt

Der Mobile-Pionier Yoc stand schon kurz vor der Pleite. Mit der Fokussierung auf Mobile Advertising und einer umfangreichen Restrukturierung des Unternehmens wurde die Talfahrt gestoppt.
Porsche hängt am Kran
(Quelle: group.yoc.com )
Mai 2001: Ein nagelneuer Porsche 911 schwebt an einem Kran 50 Meter hoch über dem Potsdamer Platz. Es ist ein Dotcom-Crash der anderen Art, mit dem der Berliner Mobile-Marketing-Anbieter Yoc (kurz für Your Opinion Counts) auf dem deutschen Werbemarkt aufschlägt.
78.000 User stimmen per Handy ab: Cash oder Crash? Wird der Sportflitzer auf dem Boden zerbersten oder per Gewinnspiel verlost? Am Ende siegt Schadenfreude über Gier. Der 140.000-D-Mark-Männertraum zerschellt am 5. Mai auf dem Pflaster. 52 Prozent der Nutzer hatten für den Akt der Zerstörung votiert.

Crash bringt Cash für Yoc

Eine Launchkampagne, die den Yoc-Gründern Dirk Kraus und Patrick Chaillié zu ­gewaltiger Popularität verhilft. Die "Bild"-Zeitung, Boulevard-Magazine wie "Explosiv", selbst der Newskanal CNN berichten über das Schrott-Happening. Millionen Menschen im ganzen Land wissen plötzlich, dass ihre Handys nicht nur zum Telefonieren dienen.
Und auch die Werbekundschaft wird hellhörig. Große Markenartikler, Pepsi, Procter & Gamble, Müller Milch - sie alle setzen plötzlich auf SMS-Marketing. Yoc wächst und gedeiht, Niederlassungen in Wien, London, Madrid und Paris kommen hinzu, 2006 ­wagen die Berliner den Sprung an die Börse. Mit dem Aufkauf des Technologiedienstleisters Sevenval 2007 und der Gründung des Affiliate-Netzwerks Belboon diversifiziert Yoc in weitere Geschäftsfelder.
2010 schnellt der Kurs auf über 39 Euro, 2013 fällt er dann unter einen Euro. Yoc tanzt auf zu vielen Hochzeiten, gerät ins Schleudern: Dirk Kraus war bereits Ende 2012 - nicht ganz freiwillig - von Bord ­gegangen, um vom Aufsichtsrat durch seinen Kompagnon Dirk Freytag ersetzt zu werden. Man war sich über die künftige Ausrichtung des Unternehmens Yoc uneins.
Im Juli 2013 geht Sevenval für 6,5 Millionen Euro an deren Gründer Jan Webering zurück - weit unter Wert, zu lange war der Verkauf verschleppt worden. Ende 2013 dann erneut ein Bäumchen-wechsel-dich: Der Yoc-Aufsichtsrat holt Kraus zurück, Freytag geht. Gläubiger und Aktionäre sind irritiert. Kreditlinien sollen gekündigt werden. Yoc steht kurz vor der Insolvenz.



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