Virale Kampagne 08.03.2017, 15:15 Uhr

Schuhhersteller Giesswein: Mit Crowdfunding expandieren

Mit Crowdfunding macht Giesswein, Hersteller von Hausschuhen und Trachtenjacken, seine ersten Outdoor-Schuhe bekannt und erschließt nebenbei auch noch neue Kundschaft sowie internationale Märkte.
Neue Schuhe, neue Werbung: Die ersten Merino-Sneakers vermarktet Giesswein per Crowdfunding
(Quelle: Giesswein )
Mehr als 50.000 Euro Kapital, 400 Unterstützer oder erste Kunden und deutlich über 300.000 Kontakte oder Leads: Für Giesswein hat sich die erste Crowdfunding–Kampagne gelohnt. "Es ging dabei nicht in erster Linie um frisches Kapital", sagt Markus Giesswein, Enkel der Gründerin und verantwortlich für den Vertrieb des Traditionsunternehmens aus Brixlegg in Österreich. "Wir wollten auf Kickstarter neue Kundengruppen erschließen und unser neuestes Produkt, die Merino-Sneaker, testen. Unser erster Outdoor-Schuh ist ja ein Start-up im Unternehmen." Außerdem forciert Giesswein mit der Crowdfunding-Kampagne seine Internationalisierung.

Mit Crowdfunding Geld und Kunden gewinnen

Crowdfunding gilt schon seit einigen Jahren als alternative Finanzierungsquelle, Händler und Marken können sich damit aber weitere Marketing-Kanäle und loyale Kunden erschließen. Beim Crowdfunding investieren Anleger und Verbraucher niedrige Beträge ab fünf oder 100 Euro gegen eine Umsatz- oder Gewinnbeteiligung oder aber sie finanzieren mit Vorbestellungen und Spenden die erste Kleinserie. Während Crowdfuning als alternative Geldanlage riskant ist und in den letzten Wochen durch Pleiten ehemaliger Vorzeigeprojekte - etwa Protonet oder Bedandsleep - in Verruf kam, versorgen sich Trendsetter gerne auf Plattfoermen wie Companisto, Indiegogo, Kickstarter oder Seedmatch mit innovativen Waren. Ob Anleger oder trendbewusst - Crowdfunder gelten als loyale, aktive Kunden, die aus Begeisterung über ein Angebot nicht nur investieren, sondern dieses auch noch an Bekannte weiterempfehlen oder mit Kritik und Lob das Angebot optimieren helfen. Durch Crowdfunding entstehen damit außerdem virale Kampagnen, die sich auf Social Media-Kanälen weiter verbreiten und die über eigene Mailings und auf eigenen Plattformen noch verlängert werden können.
Mit Crowdfunding verkaufen: Mehr als 600 Paare der Woll-Sneakers hat Giesswein über Kickstarter abgesetzt
Quelle: Giesswein
Anfang Februar startete Giesswein die Kampagne für die neuen Outdoor-Schuhe bei Kickstarter. Interessenten konnten hier mit Kleinstbeträgen ab einem Euro die Produktion der Merino-Sneaker fördern oder aber erste Paare aus der ersten Produktion zu Aktionspreisen von 79 und 89 Euro vorbestellen. Bis Anfang März kamen auf diese Art mehr als 50.000 Euro zusammen, bestellten mehr als 400 Interessenten über 600 Paare, vier spendeten sogar dafür, dass die Produktion der Woll-Schuhe zustande kommt. "Wir beschäftigen uns mit Wolle, aber das war bisher nur ein Thema für kalte Jahreszeiten", sagt Giesswein. "Zwei Drittel unserer Umsätze erzielen wir mit Hausschuhen, mit den Merino-Sneakern können wir das Thema Wolle das ganze Jahr besetzen und weiter wachsen." Mit seinen Woll-Tretern will sich das Traditionsunternehmen aus Tirol außerdem weitere Märkte erschließen und die Internationalisierung forcieren.
Bisher machte sich das Unternehmen, das 1954 gegründet wurde und 2016 mit 110 Mitarbeitern rund 16 Millionen Euro erlöste, mit Filzpantoffeln und Trachtenjanker vor allem in Europa einen Namen. Doch mit Hilfe der US-amerikanischen Plattform Kickstarter spricht Giesswein nun Kunden in den USA und in Großbritannien direkt an. "Kickstarter zieht im Monat rund eine Million User vor allem aus den USA und Großbritannien an", begründet Giesswein die Auswahl der Plattform. "Die Kampagne hat bestätigt, dass unsere Merino-Sneakers ein international konkurrenzfähiges Produkt sind und auf Kundeninteresse stoßen."

Neue Zielgruppen ansprechen

Flankiert wurde die Crowdfunding-Kampagne mit Hinweisen auf der Homepage, im Newsletter an Stammkunden sowie mit regelmäßigen Posts auf dem deutschsprachigen Facebook-Auftritt. "Etwa zehn bis 15 Prozent der deutschsprachigen Besucher konnten wir so auf Kickstarter umleiten", berichtet Giesswein. "Und jeder Kunde auf Kickstarter brachte neuen Traffic."
Normalerweise lässt das Interesse bei Crowdfunding-Kampagnen wenige Tage nach dem Start erstmal nach und muss durch weitere Nachrichten befeuert werden. Giesswein jedoch beobachtete durch die Verzahnung mit Newsletter und Social Media einen steten Anstieg des Interesses und der Bestellungen auf Kickstarter. Ein Grund, warum das Traditionsunternehmen nach dem 15. März, wenn die Kickstarter-Aktion endet, das Interesse auf der kleineren, aber ebenfalls international agierenden Crowdfunding-Plattform Indiegogo weiter anstacheln will.
"Online bringt die internationale Expansion voran", so Giesswein weiter. "Wir können über Plattformen wie Kickstarter und Indiegogo in neuen Zielgruppen Interesse an unserem Online-Shop wecken." Giesswein exportiert zwar schon Mode und Puschen nach Übersee und lässt von einem Importeur den Einzelhandel beliefern. Nun aber soll das Crowdfunding Interessenten auch auf den Online-Shop der Marke ziehen. Für die Lieferungen ins Ausland und in die USA kooperiert Giesswein seit November 2016 mit dem US-amerikanischen Start-up Borderguru.
"Durch Borderguru werden die Versandkosten sofort transparent und verständlich", erklärt Giesswein, "Kunden bekommen die Ware verzollt und per Luftfracht innerhalb von fünf bis sieben Tagen zugestellt." Im letzten Jahr hat das Unternehmen aus Österreich seinen internationalen Absatz schon um mehr als zehn Prozent steigern können - mit dem Werbepush durchs Crowdfunding und für den E-Commerce soll dieser Anteil jetzt sprunghaft steigen.



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